Nato richtet zwei neue Kommandozentren ein Die beiden Zentren, deren Standorte noch nicht feststehen, sollen die Logistik und die Verlagerung von Truppen über Land und zu See verbessern, sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. © Foto: Eric Vidal / Reuters

Die Verteidigungsminister der Nato haben den Aufbau von zwei neuen Hauptquartieren beschlossen. "Die Kommandostruktur muss sich verändern, wenn sich das Sicherheitsumfeld verändert", sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg nach dem ersten Tag eines Treffens der Nato-Verteidigungsminister. Der Schritt richte sich nicht gegen einen bestimmten Staat. "Russland tritt aber wesentlich bestimmter auf und hat viel ins Militär investiert".

Seit Ende des Kalten Krieges hatte das Militärbündnis Hauptquartiere und Truppen sukzessive abgebaut, der jetzige Beschluss bedeutet eine Kehrtwende. Nach Einsätzen außerhalb des Bündnisgebietes wie auf dem Balkan, in Libyen und Afghanistan schwenkt die Nato nun wieder auf Landesverteidigung um.

Die erweiterte Kommandostruktur sieht den Aufbau von zwei Planungs- und Führungszentren vor. Ein Hauptquartier soll Truppenverlegungen innerhalb Europas führen. Das zweite soll Marineeinsätze im Atlantik steuern können, um im Kriegsfall den Seeweg zwischen den USA und Europa frei zu halten. Detailplanungen sollen nun bis zum Treffen der Verteidigungsminister im Februar erfolgen. Unklar ist beispielsweise noch, ob eines der neuen Hauptquartiere in Deutschland angesiedelt wird und wie viel zusätzliches Personal zur Verfügung gestellt wird.

Von den 33 Hauptquartieren, die es früher gab, sind nach Nato-Angaben heute nur noch sieben übrig. Die Personalstärke der Hauptquartiere sank von 22.000 auf 6.800. Nun soll wieder aufgestockt werden, weil das Bündnis seine derzeitige Struktur nicht mehr als ausreichend für die aktuelle Sicherheitslage ansieht.

"Wir brauchen eine Kommandostruktur, die sicherstellen kann, dass die richtigen Truppen am richtigen Ort sind – mit der richtigen Ausrüstung und zur richtigen Zeit", sagte Stoltenberg. Nur so könne in Europa eine glaubwürdige Abschreckung sichergestellt werden. Gleichzeitig machte er klar, dass sich auch die EU und die Privatwirtschaft an den Anstrengungen beteiligen müssten.

Die zivile Infrastruktur – Straßen, Schienennetze und Flughäfen – müsse militärischen Anforderungen entsprechen, sagte der Norweger. "Die nationalen Regierungen, der private Sektor und die Europäische Union haben Schlüsselrollen", sagte Stoltenberg. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini kündigte in Brüssel an, dass die EU-Kommission bis Ende der Woche Vorschläge unterbreiten wolle, wie der Truppentransport innerhalb Europas verbessert werden könne.

Nato einigt sich auf Leitlinien für den Cyber-Krieg

Neben dem Aufbau der Hauptquartiere will die Nato künftig bei ihren Einsätzen auch Cyberwaffen gegen Gegner einsetzen. Nach Angaben von Stoltenberg einigten sich die Verteidigungsminister auf Leitlinien für militärische Hackerangriffe. "Cyber wird künftig bei jedem potenziellen militärischen Konflikt eine Rolle spielen", sagte er. Mit gezielten Cyberattacken lassen sich beispielsweise Propagandaseiten des Gegners im Internet lahmlegen. Möglich wäre es aber auch, ganze Computer- oder Mobilfunknetze auszuschalten, um die Kommunikation oder die Stromversorgung von Militäranlagen zu stören.

Als Beispiel für den erfolgreichen Einsatz von Cyberwaffen nannte Stoltenberg den von den USA angeführten Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). In ihm werden regelmäßig die Kommunikations- und Computernetzwerke von IS-Kämpfern angegriffen.

Eigene Fähigkeiten für Cyberangriffe will die Nato vorerst aber nicht entwickeln. Sie sollen im Ernstfall freiwillig von Mitgliedstaaten bereitgestellt werden. Cyber-Attacken gehören auch zu den Fähigkeiten der Bundeswehr. Die Truppe übt solche Angriffe seit Jahren in einer geheim agierenden Einheit in Rheinbach bei Bonn. Die IT-Soldaten könnten etwa in einem Auslandseinsatz Kommunikationskanäle des Gegners stören. Die Einheit soll bis 2021 aufgestockt werden.