Die UN-Vollversammlung tritt am Donnerstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um über eine kritische Resolution zur Jerusalem-Politik der US-Regierung von Donald Trump abzustimmen. Die Türkei und der Jemen beantragten die Sitzung im Namen der Gruppe der arabischen Staaten und der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC). Am Montag hatten die USA eine entsprechende Resolution im Sicherheitsrat mit ihrem Veto verhindert.

Die übrigen 14 Sicherheitsratsmitglieder hatten dagegen für die von Ägypten eingebrachte Resolution gestimmt. Am Donnerstag nun soll die Vollversammlung über einen ähnlich lautenden Text abstimmen, den die Türkei und der Jemen vorlegten. In der Resolution werden "jüngste Entscheidungen zum Status Jerusalems zutiefst bedauert". Gleichzeitig unterstreicht der Text, dass der Nahostkonflikt nur durch Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern beigelegt werden kann.

In der Vollversammlung hat jedes Mitglied der Vereinten Nationen eine Stimme, es gibt kein Vetorecht. Daher gilt eine Annahme der Resolution im Fall einer Abstimmung als wahrscheinlich. Sie wäre allerdings nicht völkerrechtlich bindend.

US-Botschafterin Nikki Haley warnte die anderen UN-Mitglieder davor, der Resolution zuzustimmen. Die Abstimmung kritisiere eine Entscheidung der USA, schrieb Haley beim Kurznachrichtendienst Twitter. Die Namen der Länder, die dafür stimmten, würden sich die USA merken.

US-Präsident Trump hatte am 6. Dezember angekündigt, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die US-Botschaft aus Tel Aviv dorthin  zu verlegen. Die Entscheidung wurde international kritisiert; in den Palästinensergebieten im Gazastreifen und Westjordanland kam es wiederholt zu Ausschreitungen. Vor einer Woche verkündete ein Sondergipfel von 57 muslimischen Staaten als Reaktion, Ostjerusalem als Hauptstadt eines palästinensischen Staats anzuerkennen.