Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hat zur Eile bei den anstehenden Koalitionsverhandlungen gemahnt. Es sei grundsätzlich richtig, dass Gründlichkeit vor Schnelligkeit gehe, aber das Tempo zähle inzwischen auch. "Die Bürger sind des Wartens müde. Jeder Tag, der ohne neue Regierung vergeht, erhöht nicht gerade das Vertrauen in die Parteien und die Demokratie", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Auch das muss jedem vor Augen stehen."

Kauder trat der Einschätzung entgegen, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nach dem monatelangen Gerangel um eine Regierungsbildung geschwächt sei. "Die Kanzlerin besitzt eine ungebrochene Autorität", sagte der Fraktionschef. "Und wenn ich in die Partei hineinhöre, wird ganz klar: Ja wohl, Angela Merkel soll eine neue Regierung anführen."

Forderungen der SPD die Ergebnisse der Sondierung zu verändern, wies Kauder zurück. "Das Sondierungspapier ist die Grundlage für eine Koalition", sagte er. "Was wir vereinbart haben, ist vereinbart, weil es eben gemeinsame Grundsatzentscheidungen sind." Kauder wandte sich auch gegen Zugeständnisse bei der Zuwanderung. Union und SPD hätten bereits "eine ausgewogene Lösung" für den Familiennachzug für Flüchtlinge inklusive Härtefälle gefunden. "Wir werden versuchen, die SPD davon zu überzeugen."

Die amtierende Familienministerin Katarina Barley kündigte dagegen harte Koalitionsgespräche an. "Das Sondierungspapier ist eine gute Basis, muss aber in entscheidenden Punkten noch sehr viel präziser werden", sagte die SPD-Politikerin. Sie werde sich vor allem für die Einführung einer echten Familienarbeitszeit einsetzen. Eltern müssten die Möglichkeit haben, ihre Arbeitszeit leichter reduzieren zu können, um mehr Zeit für die Familie zu haben.

Der Parteitag habe den Verhandlern einen klaren Auftrag gegeben, sagte Barley. Dazu gehöre auch, dass beim Thema befristete Arbeitsverträge etwas passieren müsse. "Hier erwarte ich klare Nachbesserungen. Befristete Arbeitsverträge dürfen künftig nur noch die Ausnahme sein", betonte die frühere SPD-Generalsekretärin. Eine Festlegung auf den Zeitpunkt für das Ende der Koalitionsverhandlungen lehnte Barley ab. "Wir werden die Verhandlungen zügig führen. Viel wichtiger ist es aber, dass am Ende gute Ergebnisse stehen. Daran werden sich alle beteiligten Parteien messen lassen müssen."