Es herrscht Unmut in der SPD-Basis und bei den Jusos um den Vorsitzenden Kevin Kühnert. Sie wehren sich gegen eine große Koalition, wollen stattdessen in die Opposition gehen. ZEIT ONLINE hat seine Leser gebeten, ihre Argumente für und wider Koalitionsgespräche darzulegen. Den innerparteilichen Gegnern der Koalitionsverhandlungen dürfte der Kommentarbereich unter unserem Leseraufruf gefallen. Anders als eine aktuelle repräsentative Umfrage, laut der 71 Prozent der Deutschen glauben, dass für die Sozialdemokraten ein Nein zur großen Koalition schädlich wäre, wünscht sich kaum ein Nutzer der ZEIT-ONLINE-Kommentarfunktion die große Koalition zurück. Hier kommen die Warnungen an die SPD:

  • "Ich bin SPD-Wählerin. Und ich hoffe sehr, dass spätestens beim Mitgliederentscheid klar ist, dass es keine Neuauflage der großen Koalition geben wird. Und zwar nicht, weil mir die ausgehandelten Punkte, die die SPD sich zuschreibt, nicht reichen. Kompromisse gehören in der Politik ja dazu. Mir geht es einzig und allein darum, dass mit der CDU/CSU eine Art präsidialer Politikstil in dieses Land eingezogen ist, den ich persönlich für gefährlich halte. Aus meiner Sicht sind das Erstarken und der Einzug der AfD in den Bundestag eine unmittelbare Folge der Art, wie Angela Merkel regiert. (...) Es gibt ja nicht wenige, die an die staatspolitische Verantwortung der SPD appellieren und das als Argument für eine Groko anführen. Ich hoffe auch, dass die SPD staatspolitische Verantwortung übernimmt. Aber sie soll das bitte tun, indem sie sich künftig dieser demokratieschädigenden Art zu regieren verweigert und sich daran erinnert, dass sie stets eine streitbare und kämpferische Partei war. Das würde sie auch für viele Wähler, die sich abgewendet haben, wieder wählbar machen." Silvaggia
  • "Seinen stärksten Moment, seitdem er SPD-Parteivorsitzender ist, hatte Martin Schulz in der TV-'Elefantenrunde'. Dort wirkte er kämpferisch und inhaltlich überzeugend. Alles, was er dort sagte, ist immer noch richtig: Die große Koalition ist abgewählt worden." Hipper
  • "Liebe SPD,
    weißt Du eigentlich, wie sehr ich mich nach Dir sehne?
    Das, was Du heute bist, hat mit dem, was ich als Mitte der 1960er Geborener mit Dir erlebt habe und mit Dir verbinde, nichts mehr zu tun. Klar, die Zeiten haben sich geändert. Und Du hast Dich auch geändert. Was ist Ursache, was ist Wirkung? Ich weiß es nicht.
    Ich weiß jedoch, dass Du nur noch ein Hologramm, eine Erzählung von dem bist, was Du einmal warst. Und wenn sich heute führende Sozialdemokraten vor laufenden Kameras auf Deine stolze Geschichte berufen, treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht.
    Eigentlich bist Du nur noch ein Hologramm – ein aufgeblasener Wahlkampfluftballon, der in die Richtung fliegt, in die grade der Wind weht.
    Liebe SPD, weißt Du eigentlich, wie sehr ich mich nach Dir sehne?" Schulzsuchender