Das Parlament der Europäischen Union hat die EU-Kommission aufgefordert, die halbjährliche Zeitumstellung zu überprüfen. Die Kommission solle die Vor- und Nachteile der Sommerzeit gründlich bewerten. Falls notwendig, solle sie einen Vorschlag zu einer Änderung dieser Regelung vorlegen. Eine deutliche Mehrheit im Parlament stimmte für einen entsprechenden Antrag.

In Deutschland gibt es die Sommerzeit seit 1980. Seit 1996 werden die Uhren zweimal im Jahr einheitlich in allen EU-Staaten am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurückgestellt. Die 2001 in Kraft getretene Regelung hatte zum Ziel, ein zeitliches Durcheinander in der EU und damit Behinderungen des Binnenmarktes zu verhindern.

Doch hätten mittlerweile zahlreiche Studien ergeben, dass die Sommerzeit "negative Folgen für die Gesundheit der Menschen" habe, heißt es in dem Beschluss des Parlaments. Jedes Jahr gingen beim EU-Parlament Hunderte Petitionen gegen die Zeitumstellung ein, sagte der tschechische Abgeordnete Pavel Svoboda von der konservativen Europäischen Volkspartei. "Das zeigt doch, wie dringlich das Thema ist."

"Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert"

Bei der Debatte im Parlament hatten Abgeordnete verschiedener Fraktionen die Zeitumstellung kritisiert: Sie bringe keinen "positiven energetischen oder wirtschaftlichen Effekt", sagte der CSU-Abgeordnete Markus Ferber. Die finnische Grünen-Politikerin Heidi Hautala hatte die Regelung als "Relikt aus dem vergangenen Jahrhundert" bezeichnet.

Jedoch blieb es bei der Debatte: Die Forderung des Verkehrsausschusses, die Sommerzeit ganz abzuschaffen, fand im Parlament keine Mehrheit. Vor allem Konservative und Euroskeptiker hatten dagegen gestimmt.

Der CDU-Umweltexperte Peter Liese sagte nach dem Votum, er sei "sehr enttäuscht". Nun sei zu befürchten, dass das Thema "auf die ganz lange Bank geschoben wird". Dies sei schade für die Menschen, die unter der Zeitumstellung litten.

Laut dem Umweltbundesamt schalten die Deutschen wegen der Zeitumstellung im Sommer abends weniger häufig das Licht an – im Frühjahr und Herbst jedoch wird morgens mehr geheizt. Einer Studie der Krankenkasse DAK zufolge hatte jeder fünfte der 3.500 Befragten wegen der Umstellung schon einmal körperliche oder psychische Probleme. Die meisten von ihnen gaben an, sie litten an Schlafstörungen.