Aktuell Aus der ZEIT 36/2005

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Friedrich Merz stellt Kirchhof-Modell der Flat Tax in Frage

Der CDU-Finanzexperte Friedrich Merz hat auf die Schwierigkeiten bei dem von Paul Kirchof ins Gespräch gebrachten Steuermodell einer Flat Tax hingewiesen. „Wir brauchen die Gesundheitsprämie. Und wenn wir dafür einen Sozialausgleich benötigen, muss der finanziert werden. Diese Finanzierung wird sich natürlich am Einkommen orientieren müssen. Die Frage ist also, ob man eine Flat Tax im Steuersystem mit einer Progression im Sozialversicherungssystem kombiniert. Oder ob man die Steuer progressiv gestaltet, so wie ich es vorgesehen hatte. Darüber muss man nach der Wahl reden“, sagt er in der ZEIT.

Merz übt außerdem Kritik am sozial orientierten Flügel der CDU/CSU: „Auch die Union hat sich zu sehr an diesen fürsorgenden Wohlfahrtsstaat gewöhnt. Paternalismus ist auch bei uns kein Fremdwort. Der liberale Teil der Union ist nicht mehr stark genug gewesen. Das bekommt mit Kirchhof, aber auch mit Frau Merkel, einen ganz neuen Schub. Wir kehren zu unseren Wurzeln zurück. Ich glaube auch, dass Angela Merkel ein viel umfassenderes Freiheitsverständnis hat, als manch einer ihrer Kritiker vermutet."

Kirchhofs 418 Steuer-Ausnahmetatbestände nicht zu finden

Weder die CDU noch die zuständige Forschungsgruppe der Universität Heidelberg sind nach einem Bericht der ZEIT in der Lage, eine vollständige Liste mit den 418 Steuer-Ausnahmetatbeständen vorzulegen, die der Unionskandidat für das Bundesfinanzministerium, Paul Kirchof, abschaffen will. Nach einem Bericht der ZEIT erklärte ein CDU-Sprecher, die Liste sei „noch nicht veröffentlichungswürdig“. Die Forschungsgruppe Bundessteuergesetzbuch der Universität Heidelberg, an der Kirchof lehrt, sprach in einem Dokument von 418 Ausnahmetatbeständen, veröffentlichte sie aber nicht. Kirchhoff will einen einheitlichen Steuersatz durchsetzen und dafür im Gegenzug Steuervergünstigungen streichen. In Interviews hatte er immer wieder die Zahl von 418 Subventionen genannt, die abgeschafft werden sollen.

Experte der Münchener Rück erwartet 2005 weitere große Stürme

Während in den USA nach dem Wirbelsturm Katrina das Aufräumen begonnen hat, warnt der Sturmexperte der Rückversicherung Münchener Rück, Ernst Rauch, bereits vor schweren Unwettern in der Region: „Wir erwarten noch fünf bis acht weitere Stürme in dieser überaktiven Saison im Atlantik und in der Karibik“, sagt Rauch der ZEIT. Nach seinen Angaben gab es bis Ende August mit elf Tropenstürmen oder Hurrikanen „bereits so viele Tropenstürme wie normalerweise im gesamten Jahr“.

Rauch macht darauf aufmerksam, dass seit 1995 deutlich mehr Stürme als üblich verzeichnet wurden. Über die Sturmaktivität sagt er der ZEIT: „Ab 1995 begann sie zu steigen, in den beiden vergangenen Jahren lagen die Werte bei 15 bis 16 Ereignissen, etwa die Hälfte mehr als langjährig üblich. Ob wir heuer den Rekordwert von 21 aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts erreichen oder gar überschreiten, ist noch offen. Bereits im Juni und im Juli 2005 verzeichneten wir eine absolute Rekordaktivität.“

Das Wasser im Golf von Mexiko und im Atlantik sei ein bis vier Grad wärmer als üblich, sagte er zur Begründung der vielen Unwetter. Der Trend passe zu den Prognosen, wonach die Klimaerwärmung zu „größerer Sturmaktivität“ führe. Laut Rauch verursachen Stürme die schlimmsten Schäden von allen Naturkatastrophen. Seit 1950 seien 75 bis 95 Prozent der Schäden von versicherten Naturkatastrophen sturmbedingt. Er rät zur Vorbeugung, etwa durch feste Bauten. So fallen laut Rauch Sturmschäden in Deutschland deutlich niedriger aus, weil die Häuser sicherer gebaut sind. „Bei uns stürzen selten Häuser ein“, sagt der Fachmann.

Schüler lernen in kleinen Klassen nicht mehr als in großen Klassen

Lehrer unterrichten in kleinen Klassen nicht anders als in großen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Universität Essen, berichtet DIE ZEIT. Die Erziehungswissenschaftlerin Grit Arnhold verglich für ihre Doktorarbeit den Unterricht in Grundschulklassen mit 20 oder weniger Schülern, mit solchen, in denen 27 und mehr Schüler saßen. Das Ergebnis: Obwohl den Lehrern der kleinen Klassen mehr Platz und Zeit pro Schüler zur Verfügung steht, verändern sie ihren Unterrichtsstil nur minimal. Sie lehren fast genauso oft im Klassenverband wie in großen Klassen, greifen kaum häufiger zur Gruppenarbeit. Ebenso gehen die Lehrer in kleinen Klassen nicht besser auf gute und schlechte Schüler ein, indem sie etwa den Stoff inhaltlich nach Schwierigkeitsstufen differenzieren. „In der Regel lassen die Lehrer die Chancen kleinerer Klassen ungenutzt“, sagt Arnhold der ZEIT.

Die Studie liefert die Begründung für einen besonders unter Lehrern umstrittenen Befund der empirischen Bildungsforschung. Danach hat die Klassenfrequenz keinen Einfluss auf die Leistung der Schüler.

Ein weiterer überraschender Befund der Essener Untersuchung: In großen Klassen arbeiteten die Schüler undisziplinierter als in kleinen. Befragt, wie aufmerksam sie dem Unterricht folgen, antworteten sogar mehr Schüler aus kleinen Klassen, sie seien oft im Unterricht „mit den Gedanken ganz woanders“. Die Autorin der Studie vermutet, dass die größere Schülerzahl ein besseres Klassenmanagement erzwinge.

Schröder-Köpf gibt Merkel Mitschuld an Geburtendefizit

Doris Schröder-Köpf, Ehefrau des Bundeskanzlers, ist der Ansicht, dass Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel nicht genug Einblick in die Probleme berufstätiger Mütter hat. "Frau Merkel verkörpert mit ihrer Biografie nicht die Erfahrungen der meisten Frauen. Die beschäftigt, wie sie Familie und Job unter einen Hut bekommen, ob sie nach der Geburt für mehrere Jahre aussteigen wollen oder wie sie ihre Kinder am besten erziehen. Das ist nicht Merkels Welt", sagt sie im Gespräch mit der ZEIT.

Außerdem habe Merkel als zuständige Ministerin im Kabinett Kohl keine frauen- und familienfreundliche Politik gemacht. "Ihre Politik von damals ist mit Schuld an den fehlenden Kindern heute", sagt Schröder-Köpf.

Doping-Jäger Donati: Armstrongs Leistung „kriegt man allein mit Epo kaum hin“

Der italienische Anti-Doping-Aktivist Alessandro Donati glaubt, dass Lance Armstrong nicht nur mit Epo gedopt war. In einem Interview mit der ZEIT sagt er: „Die Leistung von Armstrong kriegt man allein mit Epo kaum hin“.

Donati berichtet, er habe bereits während der Tour de France im Juli von Gerüchten gehört, Lance Armstrong könnte entlarvt werden. Er kritisiert, dass die französische Sportzeitung L'Equipe mit der Organisation der Tour de France verflochten ist: "Zeitungen, die über den Radsport berichten, sollten nicht an der Ausrichtung von Rennen beteiligt sein." L'Equipe hatte Lance Armstrong vorige Woche die Einnahme von Epo vorgeworfen - wenige Wochen nach dessen Rücktritt als Tour-de-France-Fahrer.

Nach Ansicht von Donati ist Armstrong kein Einzelfall: „Der Radsport ist in den Klauen des Dopings, wenn nicht zu 100 Prozent, dann zu fast 100 Prozent.“ Namen nannte er nicht.

Nina Hoss: Beschneidung ist „Folter“

Die Schauspielerin Nina Hoss hält die in Teilen Afrikas praktizierte Beschneidung von Frauen für „Folter“ und „für eines der schlimmsten Verbrechen, die im Namen der so genannten Ehre auf dieser Erde geschehen“. In der ZEIT träumt sie davon, „dass diese Form der Herrschaft über das Wesen der Frau“ beendet werden könne. Mit diesem Thema habe sie sich während der Dreharbeiten in Kenia zu ihrem neuen Film „Die weiße Massai“ intensiv beschäftigt. Eine Änderung dieser uralten Tradition könne aber nur erreicht werden, wenn man den Menschen „Zeit lässt und nicht von außen mit dem erhobenen Zeigefinger kommt“.

Zusammen mit ihren Kollegen habe sie einem zwölf Jahre alten afrikanischen Mädchen den Aufenthalt auf einem Internat in der kenianischen Stadt Maralal ermöglicht, „in der Hoffnung, dass sie nach der Schulzeit selbst entscheiden kann, was sie aus ihrem Leben machen will“.

Humboldt-Universität: Extrakurse für Topstudenten

Die Berliner Humboldt-Universität plant für talentierten Studenten exklusive Seminare und Lerngruppen. Das Spezialangebot soll neben dem regulären Lehrbetrieb an einer naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftliche Disziplin getestet werden. „Wir brauchen eine Exzellenzförderung nicht nur für Spitzenforscher sondern ebenso für besonders qualifizierte Studenten“, sagt die neue für Lehre und Forschung zuständige Vizepräsidentin, Susanne Baer, gegenüber ZEIT Online. In den sogenannten „Honors“-Kursen sollen renommierte Forscher der Berliner Universität die Auslesestudenten in kleinen Gruppen ab dem ersten Semester an die Forschung heranführen. Die geeigneten Kandidaten sollen durch Auswahlgespräche gefunden werden.

Mit dem Zusatzangebot für Spitzenstudenten betritt die Berliner Universität Neuland in der deutschen Hochschullandschaft. Bisher sind Veranstaltungen an hiesigen Universitäten für alle eingeschriebenen Studenten offen, unabhängig von deren Leistung. Eine Ausnahme sind die Studienangebote im Rahmen des „Elitenetzwerks Bayern“. Dieses Programm macht jedoch nur an einzelnen Hochschulen punktuelle Angebote für besonders qualifizierte Studenten und nimmt keine Universität als Ganzes in den Blick.

Weitere Informationen auf www.zeit.de/online/2005/35/studieren

 
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    • Quelle © ZEIT ONLINE, 31.8.2005
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