OECD-Experte: Wende auf dem Arbeitsmarkt kann dauernObwohl die Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung im Grundsatz richtig seien, wird es nach Ansicht des OECD-Arbeitsmarktexperten Raymond Torres kurzfristig kaum Besserung für die Situation der zwei Millionen Langzeitarbeitslosen in Deutschland geben. "Aus anderen Ländern wissen wir, dass man vier bis fünf Jahre warten muss, bevor umfassende Reformen bei der Reduzierung der Langzeitarbeitslosigkeit Wirkung zeigen", sagt Torres der ZEIT. Der Spanier leitet bei der Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung die Abteilung Arbeit und Beschäftigung.Torres ist aber zuversichtlich: "Ich glaube, dass das Vertrauen der Deutschen in ihre Zukunft wieder zunehmen wird – unter der Voraussetzung, dass es bei den Reformen bleibt und die Regierung auf ihrem Wege weitermacht."Durch die Reformen dürften Arbeitslose, die einen Job annehmen, bald einen größeren Teil ihrer staatlichen Unterstützung behalten. Das fördere die Beschäftigung im Niedriglohnsektor. Obwohl die Prognosen für das Wirtschaftswachstum nicht "gerade fantastisch" seien, habe "Deutschland die Wende geschafft. Auf mittlere Sicht werden die Reformen die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt verbessern", sagt Torres.Private Krankenversicherungen sollen jeden Antragssteller nehmen / Olaf Scholz’ neuer Weg zur BürgerversicherungDer SPD-Bundestagsabgeordnete Olaf Scholz will die Bürgerversicherung im Gesundheitswesen auf pragmatische Weise erreichen. Private Krankenversicherer könnten ihren Kopfbeitrag und gesetzliche Kassen ihre einkommensabhängigen Beiträge beibehalten und trotzdem zu einer "integrierten Bürgerversicherung" zusammenwachsen, wenn der Gesetzgeber neue Regeln erlassen würde, schreibt Scholz in der ZEIT.Erstens müssten private Versicherer dann jeden Antragsteller akzeptieren und jeder Bürger müsste sich gegen Krankheit versichern. Zweitens dürften die Versicherer die Beiträge dann nicht mehr nach Risikomerkmalen der einzelnen Mitglieder differenzieren. Drittens "wäre auch für die privat Versicherten ein Mindestschutz vorzuschreiben". Scholz denkt zudem daran, bei den privaten Versicherungen "ein Pendant für den einkommensbezogenen Risikostrukturausgleich bei den Krankenkassen" zu etablieren.Der reinen Kopfpauschale erteilt Scholz eine Absage, weil sie für viele Bürger zu hoch ausfallen würde. Auf der anderen Seite will Scholz prüfen, ob es nicht vermeidbar wäre, in einer Bürgerversicherung Beiträge auf Vermögenseinkünfte zu erheben. "Womöglich wäre es eleganter", so schreibt er, "bestimmte Leistungen der Versicherungsträger direkt aus Steuermitteln zu refinanzieren".Deutsche Archäologen schlagen Alarm: Im Irak wird das Erbe der Menschheit verwüstetIm Irak findet derzeit eine der größten Kulturzerstörungen der Geschichte statt. Führende deutsche Archäologen schlagen Alarm: Tausende Raubgräber nutzen die Anarchie der Nachkriegszeit und machen sich über die Überreste einstiger Großstädte aus der Zeit der Sumerer und Babylonier her. "Rund 130 solcher Städte werden im Moment durchwühlt", sagt Margarete van Ess, wissenschaftliche Direktorin des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), der ZEIT. Ihr Kollege Walter Sommerfeld, Professor für Altorientalistik an der Universität Marburg, hat sich vor Ort umgesehen: "Aus Isin ist eine richtige Mondlandschaft geworden", berichtet er. Was er im Südirak sah, hält er für "Kulturzerstörung von der Kategorie des Mongolensturm". Unter den Augen der Besatzungsmächte gehe die Ausplünderung des altorientalischen Weltkulturerbes weiter. Der Schwarzhandel mit antiken Skulpturen und Keilschriften ist nicht nur zur Lebensader der regionalen Stämme geworden – die Einnahmen fließen auch umgehend in die Bewaffnung der Räuber. John Russell, Archäologie am Massachusetts College of Art in Boston, war neun Monate im Irak als Kulturberater der provisorischen Koalitionsregierung unterwegs. Er spricht von "einem der größten Verluste menschlicher Identität in der Geschichte". Regisseur Peter Stein: Deutsches Theater hat mit Revolution nichs zu tunDer bekannte deutsche Theater-Regisseur Peter Stein übt scharfe Kritik an der "ununterbrochenen Revolution" des deutschen Theaters. Der ZEIT sagt er: "Man kann nicht ununterbrochen Transgressionen machen. Dann ist es nämlich keine Transgression mehr, sondern schlicht und einfach ein Vor-sich-hin- Stolpern." Seine Hoffnung sei es, dass Schauspieler sich wehren, "dass junge Menschen sich dafür interessieren, was Theater mal gewesen ist. Und es dann für die eigene Zeit wiedererfinden. Das hat mit Revolution nichts zu tun". Das "hysterische Aufgeregtheitstheater" sei unwahr, weil es sich nicht auf die konkreten Gegebenheiten der Gesellschaft beziehe. Stein: "Die jungen Regisseure beschäftigen sich nur mit Drogenabhängigen, Pennern und Halbverrückten, und selber kaufen sie dauernd Armani-Hosen und gehen in den Duty-free-Shop."Über sich selbst sagt Peter Stein: "Ich bin ein polemischer Charakter. Das ist aber, glaube ich, für einen Theatermann einfach notwendig." Heute lebt der gebürtige Berliner in Italien. Er habe "keine Chance, in Deutschland zu arbeiten". Er sei "speziell von den deutschen Theaterleuten ins Aus gestellt worden" und davon abhängig, "dass man mir die Produktionsmittel zur Verfügung stellt. Und das ist in Deutschland nicht möglich. Aus dem einfachen Grunde, weil von den Theaterleuten – und das ist ja ihr gutes Recht – sich niemand für mich interessiert".Jüdische Erfolgsgeschichten fehlen auf dem Lehrplan "Einseitig und verzerrend", nennt Georg Heuberger, 58, vom Leo Baeck institut den Schulunterricht über die deutsch-jüdische Geschichte. "Juden kommen stets im Zusammenhang mit Konflikten, mit Kriegen und mit Angst vor", sagt Heuberger, Mitglied der Kommission für die Verbreitung deutsch-jüdischer Geschichte, der ZEIT. Er will jüdische Erfolgsgeschichten auf die Lehrpläne setzen lassen: "Juden haben in der mittelalterlichen Stadt eine wichtige Rolle gespielt, im 19. Jahrhundert haben sie sich bis zur Gleichberechtigung emanzipiert und wurden zur Bildungselite, es gab jüdische Schriftsteller, Politiker, Mediziner ... Juden waren nicht nur Objekte und Opfer, sondern Subjekte und Mitgestalter." Heuberger: "Ich bin gegen einen isolierten Holocaust-Unterricht, bei dem man tagelang sämtliche Details über Konzentrationslager erfährt. Wir brauchen eine richtige Austarierung zwischen Verfolgungsgeschichte und positiven Seiten." Er will sein Anliegen jetzt mit Kultusministerien und Verlagen besprechen. Das vom Leo Baeck institut hat eine 20-seitige Orientierungshilfe erarbeitet, in der Vorschläge für Schulbücher und Lehrpläne stehen. Michael "Bully" Herbig findet seine Pointen im SchlafMichael "Bully" Herbig, bekannt durch den Kinofilm "Der Schuh des Manitu" und die Comedy-Sendung "Bullyparade", wusste schon früh, was er will: "Mit 12 Jahren wurde mir klar, dass ich Filme machen will. Ich habe die Videokamera unseres Nachbarn in die Hände bekommen und damit meine ersten Versuche gemacht. Kein Licht, keine Schauspieler, kein Ton, kein Stativ. Ich glaube, ich habe damals ‚Dogma’ erfunden." Heute träumt der 36jährige vom großen Erfolg. "Ich fände es großartig, wenn mir Steven Spielberg den Oscar überreichen würde", sagt er der ZEIT. Michael Herbig weiß aber auch: "Um seine Träume zu verwirklichen, muss man sich den Arsch aufreißen."Michael Herbig findet seine Pointen im Schlaf und ist selbst schon öfter von seinem eigenen Lachen aufgewacht: "Meine Frau erzählt mir, dass ich im Schlaf oft kichere. Sie weckt mich dann aber nicht. Sie findet das halt süß." Herbig: "Wenn ich sage: Ich schlaf mal ’ne Nacht drüber – das geht schon über eine Metapher hinaus."Dopingfahnder Cooman fordert bessere Kontrollen im RadsportDer belgische Dopingfahnder Hans Cooman, 43, fordert härtere Kontrollen im Radsport. "Wir hinken der Dopingindustrie immer ein bisschen hinterher, diese Lücke darf nicht zu groß werden", warnt Cooman in der ZEIT. Dopingfahnder würden Radprofis bisher weder auf Erythropoietin (Epo), ein Hormon, das die Bildung von roten Blutkörperchen anregt, noch auf Wachstumshormone kontrollieren.Cooman: "In Belgien können wir jetzt durch eine Gesetzesänderung sogar Blutproben während des Trainings nehmen. Das ist ein wichtiger Schritt." Es gehe auch darum, die Gesundheit der Fahrer zu schützen; schon mehrfach sind in Belgien junge Amateur-Rennfahrer aus ungeklärter Ursache gestorben. "Es dauert gerade mal fünf Minuten, um das Zeug über das Internet zu bestellen", sagt der Dopingfahnder. Einige Profi-Radsportler wüssten besser Bescheid über leistungssteigernde Substanzen als so mancher Apotheker. Cooman ist davon überzeugt, dass Sportler die Tour de France auch ohne Doping überstehen würden: "Es sei hart, aber jeder könnte das – nur eben nicht auf diesem Level oder mit dieser Geschwindigkeit." Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel. 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiß@zeit.de) gern zur Verfügung.