Aktuell Aus der ZEIT 31/2004

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Harvard-Professor: Deutsche sind besser geeignet, die Iraker Demokratie zu lehren

Die Deutschen seien „heute womöglich besser geeignet, die Iraker Demokratie zu lehren, als Amerikaner oder Briten“, schreibt Steven Ozment, Geschichtsprofessor an der Harvard University, in der ZEIT. Deutschland strukturiere und begrenze die Freiheit stärker als die egalitären Demokratien in Frankreich und den USA. Ozment: „Deshalb könnte es sein, dass die deutsche Demokratie, die Freiheit und Gleichheit mit Autorität und Ordnung zum Ausgleich bringt, heute das beste Modell zur Lösung jener Probleme bietet, mit denen sich die modernen Demokratien der Welt überall herumschlagen.“

Steven Ozment ist der Meinung, wenn Deutschland die richtige Formel zur Integration seiner zugewanderten Bevölkerung findet, werden „die Deutschen, die im 20. Jahrhundert so viel von so vielen genommen haben, der Welt im 21. Jahrhundert noch sehr viel geben.“

Ryanair-Chef Michael O’Leary will kostenlose Flüge anbieten

Spätestens in zehn Jahren will Ryanair- Chef Michael O’Leary alle Tickets seiner Airline kostenlos abgeben. „Unser Geld bekommen wir dann von den Hotels, denen wir Gäste bringen, den Mietwagenfirmen, den Flughafenshops und von den Flughäfen, die froh sind, wenn wir sie anfliegen“, sagt der Chef von Europas größter Billigairline der ZEIT. „Unsere Konkurrenten werden die Preise erhöhen, denn alle verlieren Geld. Wir senken sie.“

Die deutschen Billigflieger wie Air Berlin, HLX und dba würden vom Markt verschwinden: „Sie werden alle weiter Geld verlieren. Und irgendwann sind sie weg. Es wird in den nächsten 2 Jahren große Turbulenzen geben. Keine Airline kann es sich dauerhaft leisten, Verluste zu machen.“ Für Michael O’Leary wird es in fünf Jahren in Europa nur noch vier größere Airlines geben: „Die Lufthansa- Familie, die Air-France- Familie, die British-Airways- Familie – und Ryanair- .“

Der Ryanair- Chef wehrt sich auch gegen die hohen Gebühren der großen Flughäfen: „Wir werden niemals von einem Flughafen wie München fliegen. Das ist ein lächerlich teurer Flughafen, von Politikern entworfen, um die Kunden auszunehmen ... Das Beste, was München passieren könnte, wäre, den Flughafen zu sprengen und eine Nummer kleiner wieder aufzubauen.“

Ministerpräsident Teufel wehrt sich gegen den Begriff der „baden-württembergischen Krankheit“

Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) wehrt sich gegen den Begriff der „baden-württembergischen Krankheit“, den Mercedes- Chef Jürgen Hubbert im Streit um die Arbeitskosten im Sindelfinger Werk benutzt hatte. In der ZEIT schreibt Teufel: „Als Landesregierung setzen wir auf die Verantwortungspartnerschaft zwischen Unternehmensführung und Belegschaft. Im Streit würden beide Seiten mehr verlieren als gewinnen, ein Konflikt nutzt niemandem.“ Werde kein Kompromiss gefunden, nehme nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Land einen erheblichen Schaden. „Deutschland würde davon nicht profitieren.“

Teufel: „Hier herrscht ein mittelständischer Geist. Der Geist des Maßes und der Mitte. Der Geist der Partnerschaft und nicht des Klassenkampfs. Der Geist des Pragmatismus und nicht der Ideologien. Der Geist des Erfolgsstrebens und nicht des Neides.“ Im Übrigen sei die „baden-württembergische Krankheit“ auch nicht auf den Standort Baden-Württemberg, sondern auf die spezifische Tarifvertragssituation bezogen. Baden-Württemberg sei eine der „gesündesten“ Regionen der Welt.

Fast-Foos-Kette Subway nimmt deutschen Markt in Angriff

Fred de Luca, Chef der amerikanischen Fast-Food-Kette Subway , will den deutschen Markt erobern. „Wenn wir, wie geplant, jedes Vierteljahr 25 neue Shops eröffnen, brauchen wir drei Jahre dazu. Aber wir beschleunigen die Entwicklung gerade. Vielleicht sind wir schon in zwei Jahren so weit“, sagt de Luca der ZEIT.

Der Subway Chef plant, sein Unternehmen in Deutschland von bisher 100 Filialen auf 400 bis 500 wachsen zu lassen. Die Fast-Food-Kette ist bereits in 70 Ländern aktiv. Zu Subways schärfstem Konkurrenten McDonalds sagt de Luca: „Wir machen unsere Sandwiches eins nach dem anderen. Deswegen macht der durchschnittliche McDonald’s ungefähr vier- bis fünfmal so viel Umsatz wie ein durchschnittlicher Subway . Aber wir sind persönlicher. Es ist gleichzeitig Stärke und Schwäche.“

Bestes Verkaufsargument des Unternehmers de Luca: „Das Wichtigste ist, dass die Sandwiches jeweils vor den Augen des Kunden zubereitet werden. Das macht sonst keiner im Fast-Food-Business.“

“Wer wird Millionär“ bei T-Online
Internet-Quiz mit Günter Jauch wie im Fernsehen

Kunden von T-Online können vom kommenden Montag an das Quiz „Wer wird Millionär?“ mit Günter Jauch im Internet spielen: von Angesicht zu Angesicht. Das bestätigte das Unternehmen der ZEIT. Jauch liest die Fragen persönlich vor – mehr als 2500 Sequenzen wurden aufgezeichnet – T-Online überträgt die jeweils passenden im Spielverlauf.

Auch die beliebten Grimassen wird der Entertainer schneiden, wenn ein Spieler zu lange zögert. Das Spiel soll später im Abonnement 4,95 Euro pro Monat kosten, eine einzelne Partie 49 Cent. Mit „Wer wird Millionär?“ will T-Online den schnellen Internet-Zugang über DSL fördern.

“Flatrate“ fürs Finanzamt
Wissenschaftler fordern einheitlichen Steuersatz

Einen radikalen Umbau des Einkommensteuersystems mit einem Einheitssteuersatz von 30 Prozent fordert der wissenschaftliche Beirat des Bundesfinanzministeriums. In einem der ZEIT vorliegenden Gutachten schlagen die unabhängigen Wissenschaftler vor, den derzeit geltenden progressiven Steuertarif zu ersetzen. Ihre Expertise wollen sie Finanzminister Hans Eichel im September übergeben.

Gleichzeitig soll der steuerfreie Grundfreibetrag, der zur Zeit 7.664 Euro im Jahr beträgt, auf 10.000 Euro angehoben werden. Die zu erwartenden Einnahmeausfälle von 13,2 Milliarden Euro jährlich sollen dadurch ausgeglichen werden, dass Subventionen und Steuervergünstigungen „drastisch reduziert und auf mittlere Sicht vollständig gestrichen werden“.

Kernkraft erlebt Renaissance

Der Anti-AKW-Generation stehe „ihr Waterloo“ bevor, schreibt die ZEIT in ihrer neuen Ausgabe: „Der Ausstieg aus dem Ausstieg. Zuvor schalten die Energieversorger noch ein paar Meiler ab, beginnend mit dem 340-Megawatt- Werk in Obrigheim (Mai 2005) – ein kleiner Fisch; die Großreaktoren von Biblis, die zusammen 2525 Megawatt auf die Waage bringen, hätten der Stromwirtschaft mehr wehgetan. Aber dann wird Schritt für Schritt umgesteuert: Erst verlängert man die Laufzeiten bestehender Kraftwerke, und ein paar Jahre später werden neue errichtet.“ Dieser Prognose würden „Vertreter der Energiewirtschaft hinter vorgehaltener Hand zustimmen“.

Das Blatt begründet dies mit der positiven Bewertung der Kernenergie in der EU, mit ihrem weltweiten Ausbau, vor allem in Asien, und mit der sich anbahnenden „Renaissance der Reaktoren“ auch in den Industrieländern. Kernenergie sei ein Element einer nachhaltigen Energiepolitik, und Deutschland werde sich den Luxus des Ausstiegs höchstens so lange leisten, „bis die Zeit der Zwänge anbricht. Bis die Energiefrage ihren politischen Kern zeigt, etwa, wenn der Öl- oder Gaspreis nach oben klettert oder es sich erweist, dass unsere Energieträger zu einem großen Teil aus Krisenregionen stammen. Oder wenn die Einhaltung der Kyoto-Beschlüsse zum Problem wird.“

NDR-Intendant Plog kritisiert die Medienpolitik der Länder

Jobst Plog, Intendant des Norddeutschen Rundfunks , übt scharfe Kritik an der Medienpolitik der Länder Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Bayern. Er wirft ihnen vor, dass es in der gegenwärtigen Debatte um die Rundfunkgebühren in Wahrheit um Standortvorteile für kommerzielle TV-Anbieter wie ProSiebenSat1, der RTL-Gruppe oder Premiere gehe – und nicht um eines Entlastung des Gebührenzahlers. Plog in der ZEIT: „Die aktuellen Vorstöße nutzen nicht dem Gebührenzahler. Deren Geld soll nur anders verteilt werden – zugunsten kommerzieller Medienkonzerne in Bayern und Nordrhein-Westfalen.“

Die kommerziellen Sender seien, anders als die öffentlich-rechtlichen, nur dem Ziel verpflichtet, Rendite zu erwirtschaften und Gewinne zu maximieren. Plog: „Die Hoffnung auf inhaltliche und publizistische Bereicherung des Medienmarktes, die vor allem das konservativ-liberale Meinungsspektrum mit der Gründung der kommerziellen Sender vor 20 Jahren verbunden hatte, hat sich nicht erfüllt.“

Deutscher Maschinenbau verliert Anschluss

Der deutsche Maschinenbau droht weltweit den Anschluss zu verlieren, wenn künftig nicht mehr Grundlagenforschung an Hochschulen betrieben wird. Werner Pollmann, Mitautor eines 250seitigen Gutachtens des Wissenschaftsrates und ehemaliger Forschungsdirektor bei DaimlerChrysler sagt in der ZEIT: „Es besteht die Gefahr, dass andere Nationen Deutschland überholen. Wir dürfen die Quelle nicht versiegen lassen ... Wenn wir nicht mehr genügend Grundlagenforschung betreiben, haben wir in zehn Jahren keine neuen Erfindungen mehr und nicht mehr genügend Substanz, um weltweit zu bestehen.“

Der Wissenschaftsrat bemängelt vor allem die steigende finanzielle Abhängigkeit der Hochschulen von Geldern der Industrie. So ist der Anteil der Drittmittel am Gesamtbudget von 1992 bis 2001 um 47 Prozent gestiegen. Nur noch jeder dritte Wissenschaftler wird aus dem Stellenplan seiner Universität bezahlt. Damit nimmt die anwendungsorientierte Forschung überhand, Innovationen bleiben aus. „Wenn Sie alle internationalen Kenngrößen vergleichen, sind wir zurückgefallen“, sagt auch Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft .

Erste Fußgängerzone schon 45 vor Christus

Nach den ungeschriebenen Verkehrsregeln des antiken Roms, zählte auf den Straßen nicht rechts vor links. Vorfahrt hatte, wer Ansehen, politische Stellung und Geld besaß. Dieses Ergebnis stellte Althistoriker Werner Eck von der Universität Köln auf dem Kolloquium Stadtverkehr in der antiken Welt in Rom vor. „Das war zwar nicht demokratisch, aber diese Art der Verkehrsordnung hat gut funktioniert“, sagt Eck der ZEIT.

An Trubel stand die antike Stadt vor 2000 Jahren der modernen Hauptstadt in nichts nach. Um das Chaos im Straßenverkehr zu bändigen hat „Cäsar Rom im Jahr 45 vor Christus endgültig zur Fußgängerzone erklärt – zumindest tagsüber“, sagt Ecks Fachkollege Holger Sonnabend.

Kock am Brink: Ich wollte nach vorn kommen

„Immer nach vorn sehen, das war mir wichtig. Ich wollte ja nach vorn kommen – unbedingt“, sagt Ulla Kock am Brink der ZEIT. Nach ihrer Zeit als Fernsehmoderatorin moderiert sie derzeit mit ihrem Kollegen Jörg Thadeusz die Talkshow „Leute am Donnerstag“ im Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Als leidenschaftliche Taucherin hat die Preisträgerin der „Goldenen Kamera“ große Sehnsucht danach, abzutauchen. Die Moderatorin träumt davon, unter Wasser den Schatz eigener Erinnerungen zu heben. Sie sieht Bilder ihrer Fernsehkarriere: „Ich sehe mich, wie ich in Situationen schlittere, die ich nicht mehr kontrollieren kann, sehe meinen unsicheren Blick. Ich wirble herum. Mir wird vom Zuschauen schwindlig. Ich höre den Applaus, sehe alte Freunde im Zuschauerraum. Allmählich verschwimmt alles. Bilder, Wortfetzen, Ratschläge, Geräusche. Geldsummen, Quotenkurven, Vertragsabschlüsse. Chaos. Hilfe! Ich will anhalten. Ich schreie: Stopp!“

Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel. 040/3280-217, Fax: 040/3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiß@zeit.de) gern zur Verfügung.

 
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