Außenminister Fischer lehnt "Zentrum gegen Vertreibungen" ab / "Der BdV taugt nicht als Museumsdirektor"Außenminister Joschka Fischer hat sich gegen ein "Zentrum gegen Vertreibungen" in Berlin ausgesprochen. Mit einem solchen Symbol "relativiert man die historische Schuld", sagt Fischer in der ZEIT. In ungewöhnlich scharfer Form attackierte er die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach: "Der BdV taugt nicht als Museumsdirektor". Indirekt warf Fischer Steinbach und dem BdV vor, die Deutschen in der gegenwärtigen Debatte über Ver- treibungen ausschließlich als "Opfer" zu sehen. Allerdings äußert Fischer Verständnis für den "Schmerz über das Verlorene, die Zerstörung der deutsch- jüdischen Symbiose, den Schmerz, den man empfindet, wenn man an den Verlust der unwiederbringlichen Kultur denkt". Daraus jedoch folge eine Debatte über die Frage: "Was haben wir uns selber angetan? Was haben wir dadurch verloren?" Ausdrücklich erinnert Fischer in dem Gespräch mit der ZEIT an seine eigene ungarn-deutsche Herkunft: "Ich bin ein Linker, und ich entstamme einer deutschen Minderheit."Salomon Korn soll neuer Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland werdenSalomon Korn, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt am Main, wird voraussichtlich neuer Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland werden. Nach Informationen der ZEIT gilt er im Zentralrat als Wunschkandidat für den Posten, der nach dem Rücktritt Michel Friedmans im Juli dieses Jahres vakant geworden ist. Korn selbst hat sich noch nicht offiziell zu seiner Kandidatur erklärt. Die Wahl ist für Mitte September geplant.SPD-Berater Döring warnt: "Mehr Altersarmut" / Fraktion bestellt Gegengutachten zum Rürup-BerichtAls Reaktion auf den Abschlussbericht der Rürup-Kommission hat die SPD-Bundestagsfraktion gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung von mehreren Experten Gutachten zur Zukunft der Sozialsysteme angefordert, die im Oktober vorliegen sollen. Wie DIE ZEIT berichtet, ist Diether Döring, Professor für Sozialpolitik an der Universität Frankfurt, mit einer Expertise zum Thema Rente beauftragt, in der er Verbesserungen für Einkommensschwache fordern will. "Es wird in Zukunft deutlich mehr Altersarmut geben", warnt Döring in der ZEIT. Nach seinen Berechnungen kämen schon diejenigen, die statt der von Rürup veranschlagten 45 Beitragsjahre nur 40 Jahre lang in die Rentenkasse einzahlen, auf nur noch 34 Prozent ihrer Bruttoeinkommen. Die Rente eines Durchschnittsverdieners "entspricht dann der staatlichen Grundrente in Holland oder der Schweiz", sagt Döring. Er plädiert deshalb für einen Ausbau der staatlich finanzierten Grundsicherung, die heute auf dem Niveau der Sozialhilfe an bedürftige Alte ausgezahlt wird. Wie die Rürup-Kommission hält auch Döring die Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters von heute 65 Jahren für unvermeidlich.Unternehmen: Fabriken der StressproduktionDieter Frey, Arbeitspsychologe an der Uni München, fordert in der ZEIT eine Professionalisierung der Menschenführung in deutschen Betrieben: "Die meisten Chefs haben wenig Ahnung von Menschenführung. Sie sind nicht in der Lage, Sinn zu vermitteln, der Unsicherheit entgegenzusteuern oder auch gegenüber ihren Angestellten die Gebote der Fairness zu achten." Das verstärkt den Arbeitsdruck, unter dem sowieso immer mehr Mitarbeiter leiden. Seit Beginn der neunziger Jahre belegen Studien eine auffällige Zunahme psychomentaler und sozialer Belastungen und Krankheiten in der Arbeitswelt, berichtet die ZEIT. Über die Hälfte der deutschen Erwerbstätigen klagt über zu hohen Termin- und Leistungsdruck. "Um unter globalen Konkurrenzbedingungen wettbewerbsfähig zu bleiben", sagt der Berliner Sozialwissenschaftler Ulf Kadritzke, "werden die Unternehmen zu Fabriken der täglichen Stressproduktion". Aber auch bei den Mitarbeitern sieht Dieter Frey eine große Inflexibilität verbunden mit Riesen-Anspruchshaltung. "Die Menschen müssen lernen, sich mit den Veränderungen zu arrangieren, und dieser Prozess muss in den Führungsetagen beginnen. Wenn den Menschen vermittelt wird, dass ihr Engagement Sinn hat und einen Wert, der nicht nur materiell ist, werden sie sich engagieren und Veränderungsprozesse positiv bewerten."Deutsche Urlauber in Italien willkommenAntideutsche Äußerungen verunsicherten in diesem Sommer deutsche Italien-Reisende. DIE ZEIT spürt der Stimmung in italienischen Urlaubsorten nach: Wirtin Assunta aus Perugaia ,Umbrien: "Am Anfang waren die Deutschen stocksauer. Ich habe schon gemerkt, dass meine deutschen Kunden verärgert waren, gleich nach den ungeschickten Äußerungen dieses Staatssekretärs von der Lega Nord." Campingplatzbetreiber Gianfranco Lampani von Logo di Bolsena, Latium: "Nein, nein, mit Berlusconi hat das nichts zu tun, die kommen unseretwegen und weil sie den See lieben, denen ist doch die Regierung egal. Die Flaute liegt am Euro, alles ist so teuer geworden..." Strandbadbetreiberin Patrizia Corneli, Silvi Marina: "Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir Deutsche und Italiener auf einmal dieselbe Sprache sprechen. Ja, ihr redet über genau dieselben Dinge wie wir. Wir schimpfen auf die Wirtschaftskrise und auf die Regierung."Uni Bremen will zügiges Studieren belohnenMit einem neuen Studienkontenmodell will die Universität Bremen die Semesterzahl bis zum Examen verkürzen. Jeder Student muss dafür vom ersten Semester an Fleißpunkte, sogenannte Credits, sammeln. Wer keinen Credit erwirbt, "muss sich fragen lassen, was er an der Universität will, und wird mit bis zu 500 Euro zur Kasse gebeten", sagt Christina Vocke, Dezernentin für Studentische Angelegenheiten, der ZEIT. Bisherige Studienkontenmodelle in Ländern wie Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz bestrafen lediglich Studenten, die in einer bestimmten Zeit nicht das Examen schaffen. "Wie ihr Studium bis dahin verläuft, interessiert nicht", sagt Vocke, die das Modell entwickelt hat. "In Bremen dagegen wollen wir, dass unsere Studenten vom ersten Semester an erfolgreich und zügig studieren." Dazu bekommt jeder Studienanfänger ein Konto, auf dem er bis zum Bachelor-Abschluss 180 und bis zum Master weitere 120 Credits ansammeln muss. Für jedes Lehrmodul bekommt er bis zu zwölf Studienpunkte - die eine Hälfte, wenn er sich zur Prüfung anmeldet, die andere Hälfte, wenn er sie besteht. "Im Durchschnitt sollte der Student im Jahr 60 Credits erwerben, mindestens jedoch 30", sagt Vocke. Wer zügig studiert oder sich besonders engagiert, bekommt als Belohnung am Ende des Studiums Punkte auf einem Sparbuch gutgeschrieben. "Mit diesem Kapital erwirbt er die Berechtigung, sich an der Universität während seiner Berufszeit fortzubilden oder später ein zweites Studium zu beginnen, das in Zukunft normalerweise etwas kostet."Für Rückfragen stehen Ihnen Elke Bunse oder Iljane Weiß, ZEIT-Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, (Tel.: 040/3280-217, Fax: 040/ 3280-558, e-mail: bunse@zeit.de bzw. weiss@zeit.de) gern zur Verfügung.