Der Streit um Martin BroszatWusste der Historiker von seiner Aufnahme in die NSDAP? Über Martin Broszat, einen der bedeutendsten NS-Forscher der Bundesrepublik, ist eine Kontroverse entbrannt, seit im Document Center in Berlin eine Karteikarte gefunden wurde, die ihn als Mitglied der NSDAP ausweist. Hat Broszat von dieser Mitgliedschaft gewusst, oder hat er sie verschwiegen? Der Bochumer Historiker Norbert Frei, Schüler des 1989 verstorbenen langjährigen Direktors des Instituts für Zeitgeschichte in München, versucht auf der Grundlage neu aufgefundener Dokumente die Umstände zu rekonstruieren, unter denen der damals 17jährige Hitler-Junge Broszat 1944 als Parteimitglied registriert wurde. Frei kommt in einem Beitrag für die ZEIT zu dem Ergebnis: "Verschweigen kann ein Mensch nur, was er weiß, beschweigen nur, was ihm bewusst ist. Nach Lage der Dinge ist es unwahrscheinlich, dass Martin Broszat von seiner Parteiaufnahme wusste."Jorge Edwards: Pinochets Putsch auch ohne Beihilfe der Amerikaner Chiles Militär hätte am 11. September 1973 auch ohne Beihilfe der Vereinigten Staaten gegen den sozialistischen Präsidenten Allende geputscht. Das sagt der chilenische Schriftsteller und Diplomat Jorge Edwards in einem Interview mit der ZEIT. "Natürlich ist es noch heute sehr einfach, die damalige Rolle der Vereinigten Staaten zu dämonisieren. Es stimmt, sie übten damals einen sehr üblen Einfluss aus und hatten Pinochet bereits vor dem 11. September heimlich unterstützt; ich fürchte allerdings, diesen Putsch hätte es auch ohne diese Beihilfe gegeben. Die reaktionäre Oligarchie hatte Angst um ihre Pfründen, der Mittelstand wurde von der Regierung verprellt, während die Planwirtschaft das Land verarmen ließ. Die extreme Linke missbrauchte Chile als Spielwiese für ihre revolutionären Utopien. Präsident Allende war zu schwach, um diesem massiven Druck auf Dauer etwas entgegensetzen zu können."
Zu dem Referendum, dass Pinochet im Oktober 1988 anberaumte, sagt Edwards: "60 Prozent der Chilenen votierten gegen Pinochet, aber immerhin 40 Prozent für ihn ... Würde man jetzt noch einmal die gleiche Umfrage starten, gäbe es für ihn natürlich deutlich weniger Zustimmung, aber all das beweist nur eines: Die Verhältnisse vor und nach dem 11. September 1973 waren ungleich komplexer, als es die Ideologen der Linken oder auch der Rechten bis heute wahrhaben möchten." Sonja Kirchberger enteignet Schlösser für Waisenkinder "In meinem Traum enteigne ich den Freistaat Bayern und nehme ihm Schloss Neuschwanstein", sagt die Schauspielerin Sonja Kirchberger in der ZEIT. Sie träumt davon, die schönsten und größten Schlösser Deutschlands, Österreichs und Frankreichs zu neuen Heimstätten für Waisenkinder werden zu lassen. Während Neuschwanstein zu neuem Leben erwacht, sammelt sie Geld für ihr nächstes Projekt: Schloss Sanssouci in Potsdam. Kirchberger: "Das Land Brandenburg ist nicht amüsiert von meiner Idee." Auch den Wienern wird schon bange, denn als nächstes hat sie es auf Schloss Schönbrunn abgesehen. Das österreichische Heer droht mit Zwangsmaßnahmen, Europas spätgeborener Adel läuft Sturm gegen ihre Kinderideen.
Sonja Kirchberger: "Doch glaubt jemand im Traum daran, dass man gegen ei-nen Traum etwas machen kann? ... Ich gehe da ganz methodisch vor. Die Wiener haben keine Chance gegen die Kraft meines Traums." Als Nächstes habe sie Versailles im Visier. Paris zittert. In fünf Wochen stehen die Eintrittspreise für die Fußballweltmeisterschaft 2006 fest Das Organisationskomitee (OK) für die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland werde "Mitte Oktober die Ticket-Preise im Detail bekannt geben", sagt Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußballbundes, der ZEIT. "Es wird in jedem Stadion eine Kategorie von Karten geben, die günstig ist." Aus dem Umfeld des WM-OK war zu erfahren, dass diese Preiskategorie zwischen 25 und 35 Euro liegen dürfte.
Zu den im Oktober stattfindenden Verhandlungen zwischen der Deutschen Fußballliga (DFL) und dem Bezahlsender Premiere äußerte sich Mayer-Vorfelder ebenfalls: "Es gibt nun mal eine wechselseitige Abhängigkeit. Ohne Pay TV hat die Liga ihre Probleme. Ohne die Liga ist Premiere aber mausetot." Deshalb werde der Chef von Premiere, Georg Kofler, auch nicht den geforderten Preisnachlass erreichen. "Nun will der Herr Kofler ja im kommenden Jahr die Gewinnschwelle erreichen und hat das mit den bestehenden Verträgen kalkuliert. Deshalb wird er am Ende so viel zahlen wie bisher." "Rosenholz"-Akten könnten noch justiziable Spionagefälle enthalten Die "Rosenholz"-Unterlagen könnten entgegen bisherigen Erwartungen auch noch ju-ristisch relevante Fälle von Spionage für die DDR enthalten. Wie die ZEIT berichtet, sind bei der Auswertung der Daten in der Birthler-Behörde mehr als 1.000 IM-Fälle aus den Jahren 1988 und 1989 identifiziert worden, zu denen in der überlieferten Personenkartei keine Klarnamen verzeichnet sind. Zwar wurde von der Generalbundesanwaltschaft auch in diesen Fällen Anfang der 90er Jahre ermittelt, es gebe aber "eine zweistellige Restmenge", zitiert die ZEIT aus Sicherheitskreisen.
Die Schwierigkeiten mit der Identifizierung resultieren daraus, dass die drei unterschiedlichen Teile von "Rosenholz" zu unterschiedlichen Zeiten erstellt wurden. Aus der so genannten Vorgangskartei (F22) konnte die Birthler-Behörde Daten bis Mai 1989 rekonstruieren. Die so genannten Statistikbögen umfassen einen Zeitraum bis November 1988. In beiden Datenbanken fehlen die Klarnamen, diese finden sich ausschließlich in der Personendatenbank (F16). Die aktuellste Karteikarte dieses "Rosenholz"- Teils datiert vom 9. Januar 1988, ergaben Recherchen von Helmut Müller-Enbergs von der Forschungsabteilung der Birthler-Behörde. Kurz danach wurde offenbar die Mikrofilm-Kopie angefertigt, die während der Wende vom CIA erbeutet wurde und heute unter dem Namen "Rosenholz" bekannt ist.
Den Schätzungen zufolge sind mehr als 1000 IM-Vorgänge aus den Jahren 1988 und 1989 mit "Rosenholz" nicht zu klären. Auch durch Verhöre und andere Recherchen haben die bundesdeutschen Ermittlungsbehörden bis heute nicht alle Verdächtigen identifizieren können. Fälle von Landesverrat verjähren erst nach 20 Jahren und sind mithin noch heute justiziabel. Bisher hieß es stets, "Rosenholz" enthalte allenfalls noch Tatbestände von historischem Interesse. Vattenfall-Chef macht Investitionen und Versorgungssicherheit von Sozialreformen abhängig Lars G. Josefsson, Chef des schwedischen Stromkonzerns Vattenfall, macht künftige Investitionen und die Sicherheit der Energieversorgung für deutsche Verbraucher davon abhängig, wie umfassend und langfristig Deutschland seine Sozialsysteme reformiert. Der "immense Investitionsaufwand" beim Bau neuer Kraftwerke könne Versorger bei Rezessionen in eine bedrohliche Lagen bringen, sagte Josefsson in der ZEIT. Es liege daher "im vitalen Interesse" von Vattenfall, dass "gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität" herrsche. Sonst würden Investitionen aufgeschoben.
"Bis 2020 muss jedes dritte Kraftwerk ersetzt werden", sagt Josefsson. Allerdings gilt das für Vattenfall, das über die effizientesten Braunkohlenkraftwerke des Landes verfügt, weniger als für die Konkurrenten RWE, E.on und EnBW. Die Schweden sind mit ihren Beteiligungen an HEW, Bewag, Veag und Laubag der drittgrößte Stromversorger im Land und erwirtschaften hier mehr als die Hälfte ihres Umsatzes von rund elf Milliarden Euro.
Josefsson kritisierte weiter, dass ihm das Krisenbewusstsein in Deutschland immer noch mangelhaft erscheine. "Alle Lager kochen ihr eigenes Süppchen, sinnlose Streiks werden als Machtprobe vom Zaun gebrochen, nach wie vor fehlt die Einsicht in den wirklichen Reformbedarf."