Hirnforschung: Absichtliches Vergessen Alte Menschen können sich vor allem deshalb schlechter erinnern, weil sie weniger gut vergessen. Diese Vermutung der Hirnforschung wurde jetzt von Wissenschaftlern der Universität Göttingen bestätigt, schreibt DIE ZEIT. In einer Serie von Studien mit jüngeren und älteren Versuchspersonen konnte der Psychologe Jörg Behrendt nachweisen, dass die Fähigkeit bestimmte, für einen Lernvorgang unwichtige Informationen absichtlich zu vergessen, im Alter nachlässt. Während jüngere Menschen den Vorteil des "directed forgetting" nutzen können, indem sie mehr wichtige Informationen aufnehmen können, wenn sie die unwichtigen bewusst vergessen, können Ältere diese Trennung nicht mehr vornehmen. Sie erinnern sich an Wichtiges und Unwichtiges gleich - und können sich deshalb insgesamt weniger merken.
Gleichzeitig konnte der Entwicklungspsychologe Marcus Hasselhorn, ebenfalls an der Göttinger Universität, nachweisen, dass bereits Kinder im Alter von sechs und sieben Jahren über diese Fähigkeit zum absichtlichen Vergessen verfügen. Burgschauspieler Ignaz Kirchner: "Ich bin ein doppelt Fremder" "Ich bin ein doppelt Fremder. Ich wurde in die Welt hinausgeworfen und bin Jude. Ein doppelt Fremder ist die beste Voraussetzung, um Schauspieler zu werden. Ich schraube mich in die Rollen hinein ... Wenn die Vereinigung mit der Rolle gelingt, bin ich mir am nächsten. Ich ist der andere. Wenn ich es geschafft habe, mich in Jago hineinzuschrauben, bin ich bei mir und habe gleichzeitig Distanz zur Figur. Ich bin ein Identitätsspieler", sagt der Wiener Burgschauspieler Ignaz Kirchner der ZEIT. Kirchners starke Beziehung zu Ignatius von Loyola ließ ihn seinen Namen ändern, "denn ich heiße gar nicht Ignaz, sondern Hans-Peter Kirchner. Das steht in meinem Pass."
Kirchner: "Mein (homosexueller) Vater war ein armer, schwacher Mann, der von meiner Mutter erpresst wurde. Sie müssen sich vorstellen, in einem Land, in dem Homosexualität verboten war, lebte mein Vater mit einer Frau zusammen. Ein guter Tarnfaktor." Ignaz Kirchner glaubt jedoch, dass gerade die außergewöhnliche Kindheit ihn zum Schauspieler werden ließen. "Feige Richter", kommentiert DIE ZEIT das Kopftuch-Urteil des Bundesverfassungsgerichts Eine bittere Enttäuschung, kommentiert die ZEIT: Das Gericht hat ein ängstliches, kleinmütiges - und unzeitgemäßes Urteil gefällt. Fereshda Ludin hat zwar Recht bekommen, aber nur, weil die baden-württembergischen Gesetze für ein vorbeugendes Kopftuchverbot nicht ausreichen. Dieses Versäumnis kann das Landesparlament in Stuttgart aber schnell nachholen. Und dann steht einem strikten Nein zum Kopftuch nichts mehr im Weg.
Die Richter waren zu feige, den Streit zu entscheiden. Schlimmer noch: Sie haben der Muslimin die Klärung ihrer Rechte verweigert. Was nun schwerer wiegt, die Religionsfreiheit von Ludin oder die Neutralitätspflicht der Schule, das Elternrecht und das Recht der Kinder, von Missionierungen verschont zu bleiben - das bleibt im Dunkeln. Soll doch bitte schön das Parlament entscheiden! So wenig Richtermut war nie.
Für die roten Robenträger in Karlsruhe scheint jede Lösung möglich. Mal hü, mal hott, sagen sie: Natürlich dürfe man die religiöse Vielfalt, also auch das Kopftuch, in der Schule aufnehmen, um Toleranz zu fördern. Und im nächsten Satz sagen sie das Gegenteil: Ebenso gern dürfe man das Kopftuch in der Schule verbieten, damit es erst überhaupt nicht zu Konflikten mit Schülern und Eltern komme. Vorgaben? Wegweiser? Nein, die Bundesländer dürfen es künftig halten wie die Dachdecker. Jeder soll nach seiner Façon glücklich werden. Fereshda Ludin, eine deutsche Muslimin afghanischer Herkunft, war die Einstellung als Lehrerin den baden-württembergischen Schuldienst verweigert worden, weil sie darauf besteht, auch im Unterricht ein Kopftuch zu tragen. Herbstanfang: Tipps für Umgang mit Kuh und StierIm Herbst häufen sich Berichte von Unfällen auf Tierweiden. Thomas Kaspar, 32, von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) im Schweizer Aargau sagt in der ZEIT: "Kuh und Stier haben eine enorme Muskelmasse. Aber das Tier entwickelt seinen Angriffs- oder Verteidigungsinstinkt nur, wenn es sich gestört fühlt. Dann sieht es im Menschen den Feind." Wanderer sind besonders gefährdet, wenn sie zwischen Kuh und Kalb geraten. In der ZEIT gibt Kaspar den absoluten Kuh-Tipp für den Notfall: "Sich flach auf den Boden legen, toter Mann oder tote Frau spielen und so lange ruhig bleiben, bis die Kuh das Interesse verloren hat."Tim Renner: Nena als Bundeskanzlerin "Heute ist ein großer Tag in Berlin. Ich bin eingeladen zur Inauguration von Nena - unserer neuen Bundeskanzlerin." Tim Renner, Chef von Universal Music Germany, hält die deutsche Pop-Ikone in seinem Traum für eine geeignete Kandidatin. Der ZEIT sagt er: "Sie ist nicht korrumpierbar, denn sie hat als Künstlerin genug Geld verdient. Sie ist krisenfest, denn sie hat die Ups und Downs ihrer Karriere erfolgreich gemeistert. Sie ist charismatisch, kann virtuos mit Medien umgehen, kleidet schwierige Zusammenhänge in klare, nachvollziehbare Worte - und sie hat die Frauen hinter sich."
Der Musikmanager: "Pop und Politik - auch in Nenas Wahlkampf eine unschlagbare Kombination ... Deutschland ist auf dem Weg zu einer neuen Kultur. Die glamourös ist, individuell und cool." Tim Renner: "Die erste Generation ernsthaft politisierter Pop-Künstler hat sich mit der ersten Generation popsozialisierter Politiker verbunden. Glamour ist beiden Seiten nicht fremd ... Wenn früher Kunst auch mal Politik sein konnte, ist Politik in der Mediokratie des Jahres 2010 vor allem Kunst. Folglich muss der Künstler - will er relevant sein - dem Politiker die Politik entreißen." Wolfgang Schäuble: Amerikaner und Europäer müssen ihre Unterschiede akzeptieren Wolfgang Schäuble, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und außenpolitischer Experte der Union, hat in der ZEIT für mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Amerikanern und Europäern plädiert. "An Amerika kann und darf man vieles kritisieren", schreibt er, "aber eines hat diese Nation der Einwanderer uns Europäern sicherlich voraus: Amerika besitzt Ideale, verbunden mit einem Grundoptimismus, der weltweit seinesgleichen sucht." Dagegen zeichne sich Europa "eher durch die beständige Suche nach Kompromiss und Herausbildung einer Mitte" aus.
Um wieder näher zusammenzurücken, müssten sich Amerika und Europa jedoch der Unterschiede in der historischen Ausbildung ihres Wertefundaments bewusst werden und sie akzeptieren. "Wenn Europäer und Amerikaner die Gemeinsamkeit ihres Erbes und die Unterschiede ihrer Entwicklung - vor allem auch ganz unterschiedliche geschichtliche Erfahrungen aus Kriegen und Bedrohungen - nicht realisieren", warnt Schäuble, "dann reden sie wie jüngst in der Irak-Debatte zwangsläufig und nahezu verständnislos aneinander vorbei."
Am 8. Oktober erscheint das neue Buch von Wolfgang Schäuble "Scheitert der Westen?" im C. Bertelsmann Verlag. DIE ZEIT veröffentlicht daraus einen gekürzten Beitrag über sein Amerika-Bild. Hamburg, 24. September 2003 Beim Studienfach wählt der Lebensstil mit Lebensstil und soziale Herkunft spielen bei der Wahl des Studienfaches eine große Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie des Gesellschaftswissenschaftlers Markus Schölling, die er in der ZEIT vorstellt. Schölling fragte rund 1000 Studenten an den Universitäten Wuppertal, Bochum und Rostock nach den Gründen für ihre Entscheidung.
Unmittelbar mit der Frage des Lebensstils hänge, laut Schöller, aber auch die Frage der sozialen Herkunft zusammen. Schölling: "Der Lebensstil ist ja zum großen Teil das Ergebnis einer bestimmten Sozialisation. Das Elternhaus übt da entscheidenden Einfluss aus." So spiele auch Prestigedenken und der Wunsch nach Statuserhalt eine Rolle. Ein weiteres Indiz für den Zusammenhang zwischen Prestige und Fächerwahl sei, dass man für viele Fächer eine Art intellektuellen Zugang braucht, der meist im Elternhaus vermittelt wird. Schölling: "Studienrichtungen wie zum Beispiel Sozialwissenschaften, Ingenieurwissenschaften oder Jura sind Sammelbecken für einen bestimmten Menschenschlag. Es treffen sich dort Menschen mit einem jeweils ähnlichen Geschmack, ähnlichen Einstellungen und Denkweisen." Ingenieurstudenten beispielsweise essen gerne Fleisch und Hausmannskost, wohnen komfortabel und leihen sich gerne mal ein Video aus. Studenten der Literaturwissenschaften dagegen geben ihr Geld lieber für hochwertige Lebensmittel und Theaterbesuche aus und legen Wert auf eine individuelle Einrichtung. Weinprobe: Der Sieger wird nicht am liebsten getrunken Zwei Testmethoden, zwei Ergebnisse - erstaunliche Resultate einer ungewöhnlichen Weinprobe im Wein-Spezial der ZEIT: Nach der von den Profis geschätzten Blinddegustation durch eine siebenköpfige Experten-Jury, folgte der "Je-leerer-die-Flasche-Test" (JLF), der anhand einer Pegelstandmessung des Flascheninhaltes verrät, was Tester zum Essen wirklich gerne trinken. Der Doppeltest kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis: Der Sieger der Blindprobe verliert beim Essen. Leichte, gut trinkbare Weine haben beim JLF-Test die Nase vorn. Dicke, aufkonzentrierte Exemplare tun sich schwer, ihnen fehlt die erfrischende Wirkung.
Die Autoren Cornelius und Fabian Lange: "Im Idealfall können die vier Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig und bitter sowie alle Aromen des Weins bei einer Blindprobe einen vollendet harmonischen Eindruck hinterlassen. Doch diese Harmonie kann schnell ins Ungleichgewicht geraten, wenn sich der Wein mit Speisen paart". Zwergschule gerettet Die Dorfschule Unterjoch im Allgäu ist gerettet! Die gut zwanzig Schüler aus der 1. bis 4. Klasse werden auch im kommenden Jahr gemeinsam unterrichtet. Die ZEIT(Nr.24/2003) berichtete über das drohende Aus für eine der letzten Zwergschulen in Deutschland: Die einzige Lehrerin hatte sich versetzen lassen, eine Nachfolge war nicht in Sicht. Das Schulamt hatte angekündigt, die Schule zu schließen, sollte sich kein Lehrer finden, der sich freiwillig nach Unterjoch versetzen lassen würde.
Nach dem Erscheinen des ZEIT-Artikels bewarben sich Pädagogen aus ganz Deutschland auf den Posten. Sogar eine frühpensionierte Grundschulrektorin wollte ein Jahr lang wieder unterrichten - ohne Bezahlung!