Afghanistan Europa versagt bei der Polizeiausbildung

Die Politik debattiert über die Bedingungen für einen Abzug aus Afghanistan. Doch dafür müsste zunächst einmal die Ausbildung afghanischer Polizisten forciert werden.

Training der afghanischen Polizei in Faizabad im Norden Afghanistans

Training der afghanischen Polizei in Faizabad im Norden Afghanistans

Raus aus Afghanistan – das wollen im Prinzip alle im Bundestag vertretenen Parteien. Bis auf die Linke haben sie sich aber auf die zentrale Voraussetzung dafür festgelegt, dass die Afghanen selbst ihre Sicherheit gewährleisten können. Das heißt also auch: Erst mal stärker rein nach Afghanistan. Nach derzeitiger Einschätzung müssen rund 134.000 afghanische Soldaten und mindestens ebenso viele Polizisten ausgebildet werden, vielleicht sogar 160.000. Inzwischen sollen 90.0000 Soldaten ausgebildet sein, aber nur maximal 60.000 Polizisten.

Nun haben die Kanzlerin, der britische Premier Gordon Brown und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eine Afghanistankonferenz angekündigt. Noch in diesem Jahr sollen im UN-Rahmen und mit der neuen Kabuler Regierung Ziele festgelegt werden. Daraus ergäbe sich eine Art Abzugstermin – allerdings ohne Datum. Am Wochenende wurde ein Papier aus dem Haus von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bekannt, das dem Tagesspiegel vorliegt. Darin werden zehn Schritte genannt, um bis 2013 die Grundlagen für einen Abzug zu schaffen. Ein zentrales Thema dabei: die Polizei.

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Der damalige Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf, US-General Dan McNeill, sagte im Frühjahr 2008, bereits vor Ende 2012 könnte die Reduzierung der Truppen starten. Entscheidend dafür sei, dass die Ausbildung der Polizei aufhole. In den USA wird gerade über die Ausbildung der Sicherheitskräfte gestritten. Ende vergangener Woche sagte der Chef des Streitkräfteausschusses des US-Senats, Carl Levin, der „New York Times“, solange die Ausbildung nicht ausgeweitet und vorangetrieben werde, „sollten wir uns nicht darauf festlegen, mehr Kampftruppen zu entsenden“.

Was tun die Deutschen?

Deutschland hat mehrfach angekündigt, die Polizeiausbildung zu verstärken. Die Regierung hob gerade erst den Beitrag in den zwei Polizeimissionen hervor. In der bilateralen (GPPT) mit Schwerpunkt Ausbildung sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums (BMI) im Moment 54 deutsche Polizisten tätig, in der europäischen (Eupol Afg) mit Schwerpunkt Beratung und Koordinierung „rund 50 Experten“. Bis Mitte 2010 sollen „bis zu 25 Prozent der Gesamtstärke“ Deutsche sein. Bereits im Mai 2008 war festgelegt worden, dass Eupol auf 400 Mann wachsen soll, im Juli dieses Jahres arbeiteten dort aber erst 245 internationale Mitarbeiter. In der deutschen Mission sollen bis Jahresende 120, bis Mitte nächsten Jahres 200 Polizisten ausgebildet werden. Erstmals will auch Bayern dafür in den nächsten Wochen zwölf Polizisten stellen.

Ist die Planung realistisch?

Alle wissen, dass selbst die angekündigte Aufstockung nicht reicht. Die deutschen Pläne gehen von einer 96.700 Mann starken afghanischen Polizei aus, bis 134.000 oder 160.000 klafft eine große Lücke. Bisher will Deutschland im bilateralen Projekt bis Mitte 2010 „in 20 Distrikten aktiv sein“, im neuen Plan des Außenministeriums heißt es nun, bis 2011 solle es in allen 122 Distrikten des von Deutschland kontrollierten Nordens „eine angemessen ausgebildete Polizei“ geben. Rund um Kundus sollen demnach sofort 1500 Polizisten ausgebildet werden. Anders als Soldaten kann Polizisten jedoch ein Einsatz nicht befohlen werden, sie melden sich freiwillig. Doch daheim gilt der Einsatz oft als karriereschädlich. Die Bundespolizei arbeitet deshalb daran, wie dies bei Beförderungen berücksichtigt werden kann.

Leser-Kommentare
  1. /quote/
    „Am besten würden die Organisation die Amerikaner übernehmen. Die arbeiten mit einer enormen Präzision und sagenhaftem Tempo“, sagt der deutsche Beamte mit Erfahrung in langen Koordinierungsrunden in Afghanistan.
    /endquote/

    Lustig. Las ich doch gestern erst in der LA Times:

    /quote/
    Marine Corps Lt. Col. Eleazar Omar Sanchez III, who oversees the training of field units in part of eastern Afghanistan, said he has about 16 U.S. trainers for every 500-man Afghan battalion. With battalions dividing up and deploying at multiple small combat outposts, there are not enough trainers to go around, Sanchez said.

    "Sixteen definitely doesn't cut it if we want to hold several combat outposts," Sanchez said.

    Operational Mentor and Liaison Teams provided by European nations are much larger, with up to 50 people. U.S. officials say the European teams also tend to have more soldiers who have worked together. Many of the U.S. teams have been thrown together either right before they went to Afghanistan or once they arrived, decreasing their effectiveness, military officers say.
    /endquote/

    Präzison und Tempo der Amerikaner kennen wir natürlich vom Schicksal diverser Hochzeitsgesllschaftem.

  2. Dieses Bild sagt alles und noch viel mehr.
    Mit Plastikgewehren gegen die Taliban.Aber Spaß beiseite wenn in den Nachrichten Bundeswehr und Einheiten der Afgahnischen Armee(ANA)oder Polizei zu sehen sind ,fällt mir der technologische Rückstand der ANA
    deutlich auf.Uralte AK 47 und schäbige Uniformen aus der Zeit des Königs gegenüber einer modern ausgerüsteten Bundeswehr.
    Solange die ANA nicht den Taliban an Technologie und Feuerkraft überlegen ist um selbst für Sicherheit zu sorgen wird die Bundeswehr in Afgahnistan bleiben müssen.
    Etwas anderes ist das Moderne Ausrüstung auf Umwegen zu den Taliban gelangt,das glaube ich ist die Zwickmühle in der die Bundeswehr steckt.

    • wmebh
    • 15.09.2009 um 12:07 Uhr

    warum bildet man nicht gleich Ausbilder aus?
    Das wäre der richtige Weg

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Timo K
    • 15.09.2009 um 13:28 Uhr

    Keine schlechte Idee, ein paar Afghanen hier in den aktuell wieder beredeten U-Bahnen ausbilden und dann wieder als Ausbilder zurück!

    • Timo K
    • 15.09.2009 um 13:28 Uhr

    Keine schlechte Idee, ein paar Afghanen hier in den aktuell wieder beredeten U-Bahnen ausbilden und dann wieder als Ausbilder zurück!

    • Timo K
    • 15.09.2009 um 13:28 Uhr
    4.

    Keine schlechte Idee, ein paar Afghanen hier in den aktuell wieder beredeten U-Bahnen ausbilden und dann wieder als Ausbilder zurück!

    Antwort auf "ausbildung"
  3. Ich kann leider gerade nichts zur Diskussion beitragen, allein, ich musste herzlich lachen als ich das Bild ansah. Wenn der Rekrut ohne Mütze auf dem Bild bei seiner Pistole den Abzug betätigen würde, hätte er den Abdruck des Laufs im Gesicht. Legendär.

    Vielleicht doch noch etwas zum Thema: Von afghanischen Kontakten habe ich erfahren, dass es sehr großes Problem dort der geringe Lohn und die hohe Bestechlichkeitsquote bei den Polizisten ist. Strom gibt es halbwegs zuverlässig, Wasser, Infrastruktur, Geschäftsmöglichkeiten, auch die Anschläge sind so selten, dass man damit leben kann, bzw. man verdrängt es eben. So ist der Mensch. Was aber richtig nervt ist das Gefühl, dass man den eigenen Polizisten nicht über den Weg trauen kann, weil viele weiterhin kriminelle Anknüpfungspunkte halten und Kontakte haben und sich ihr Gehalt durch Gängeleien und wilkürliche Kontrollen/Durchsuchungen etc. aufbessern, um sich dann bestechen zu lassen. Wie häufig das aber wirklich ist, kann ich nicht sagen, ich war selbst nicht dort.

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