Afghanistan Luftangriff auf Tanklaster verstößt gegen Nato-Strategie

Der von der Bundeswehr befohlene Luftangriff durch US-Kampfflugzeuge widerspricht der neuen Taktik der Nato in Afghanistan. Die US-Truppen setzen längst auf Bodeneinsätze

Der von deutschen Soldaten angeforderte Luftschlag gegen Taliban hat gegen eine Nato-Direktive verstoßen. Statt auf Angriffe mit Bombern setzt die Internationale Schutztruppe für Afghanistan (Isaf) seit Juni auf Bodeneinsätze, welche die Zivilbevölkerung schützen sollen. Die Nato wertet den von einem deutschen Oberst befohlenen Einsatz als Rückschritt.

Jahrelang versuchten Amerikaner und Briten, mit Drohnen, Kampfhubschraubern und Jets in Afghanistan einen risikoarmen Krieg zu führen und ohne große Verluste an eigenen Truppen den Krieg zu gewinnen. Die afghanischen Verbündeten, Spezialeinheiten des Geheimdienstes CIA, des Heeres und der Marines meldeten Ziele, die dann aus der Luft angegriffen wurden. Doch immer wieder trafen die Bomben und Raketen die Falschen: So attackierten die Kampfflugzeuge Hochzeitsgesellschaften statt Taliban-Kämpfer oder staatliche Sicherheitskräfte statt Aufständische. Die Taliban erhielten Zulauf von wütenden jungen Männern, die Verwandte durch Luftangriffe des Westens verloren hatten. Die Taktik, mit Luftschlägen die Taliban zu besiegen, machte die Extremisten stärker – nicht schwächer.

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Nach acht Jahren änderten die US-Streitkräfte und die Nato ihre Strategie. US-Präsident Barack Obama und sein Befehlshaber für den Nahen Osten, David Petraeus, setzen nun auf den Bodenkampf. Der Einsatz von Infanteristen gegen die Taliban erhöht zwar das Risiko für die eigenen Truppen, er senkt aber vor allem die Verluste unter der Zivilbevölkerung. Die US-Militärführung hat aus den Fehlern im Irak gelernt. Wer nur auf Stärke setzt, verliert gegen Terroristen und Guerilla-Kämpfer. Um erfolgreich zu sein, brauchen die westlichen Truppen das Vertrauen der Bevölkerung. Die Zusammenarbeit der US-Armee mit sunnitischen Stämmen im Irak beweist das.

Die Zustimmung der Afghanen zum Einsatz der westlichen Streitkräfte scheint trotzdem zu sinken, und die Taliban werden immer stärker. Momentan erleben die etwa 100.000 ausländischen Soldaten in Afghanistan, darunter 63.000 amerikanische GIs, ihre schwerste Zeit seit dem Beginn des Krieges. Seit März sind mehr Nato-Soldaten gestorben als von 2001 bis 2004.

Umsetzen soll die veränderte Strategie der neue Nato-Oberbefehlshaber für Afghanistan: General Stanley McChrystal trat im Juni seinen Posten an und stellte alles auf den Prüfstand. Er ordnete an, dass Bodentruppen nur noch als Ultima Ratio um Luftunterstützung bitten dürfen. Und nur dann, wenn keine Zivilisten in Gefahr sind. Die US-Truppen sollen die Taliban verfolgen, stellen und ausschalten. Im Irak ging diese Taktik auf – solange die US-Kampftruppen im Land waren. Die Sicherheitslage verbesserte sich, Aufständische legten die Waffen nieder oder arbeiteten mit den Amerikanern zusammen.

Leser-Kommentare
  1. Irgendwie erscheint es reichlich rätselhaft, daß die einzelnen Truppenbestände in Afghanistan so wenig die unterschiedlichen Strategien kennen.
    Es ist ja wohl allgemein bekannt, daß man mit Luftangriffen selber am wenigsten zu schaden kommt. Aber sich jetzt auf Bodenoffensiven zu stürzen, bedeutet, selber Kopf und Kragen zu riskieren. Und da können sich alle sicher sein: was Mut und Fanatismus anbelangt, sind den ausländischen Truppen die Taliban haushoch überlegen.
    Die ganze Sache sieht immer mehr aus: wie Vietman.

  2. Warum muß man überhaupt gekaperte Tanklaster bombardieren?
    Das ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen: denn die Laster waren kostbare Beute.
    Außerdem: es ist richtig, daß Anschläge der Taliban oftmals größere Opferzahlen auslösen: aber Massenvernichtung ist etwas anderes: z.B. Offensiven gegen Widerstandskämpfer, wobei oft Hunderte an Toten anfallen, oder auch Tausende wie damals im Irak in Falludscha.
    Und zum Schluß: es geht nicht darum, daß Herr Jung zurücktritt, es geht darum, den Afghanistan-Aufenthalt zu beenden.

  3. Krieg nein danke.
    Gegenargument?

    Also hey,tote bei der Zivilbevölkerung darf es nicht geben.
    Und wenn es sie gibt,dannn läuft etwas falsch.

    Kein Gedanke,tapfer stehen sie da,die deutschen Soldaten.
    Wirklich,mein ich so.

    Jedoch hat kein Krieg dem Zivilen Leid geschont.
    Ich denke dass dieses Geld besser in den zivilen Aufbau gesteckt werden sollte als in den Krieg.

    Was will die Armee eigentlich dort außer hilfe zu leisten?
    Die kann sie doch auch in Afrika leisten.?

    Pakistan,vielleicht?

    Naja wie auch immer,hilfe besteht nicht aus kriegerischen handlungen,
    sondern aus Hilfe.

    Ganz blöd,Glotze für alle usw und dann vielleicht, so kritisch wie wir!
    Vielleicht wir sind.!

    • ADoria
    • 07.09.2009 um 21:39 Uhr

    den X. Aufguss des gleichen Artikels zu lesen bekommt.
    Diese Zeit und Möglichkeiten hatten die Soldaten sicherlich nicht.
    Was soll man bitteschön von einem General halten, der - anstatt mit seinen Verbündeten - mit Journalisten über Schuldfragen referiert und sofort beteuert, dass der Befehl nicht von ihm gekommen sei?
    Wenn die Direktive lautet, dass man die Verluste unter der eigenen Truppe erhöht, um die Verluste unter den Zivilisten zu senken und diese anschließend dem Gegner entgegenlaufen und seine Anwesenheit tolerieren, dann ist die Direktive falsch. Offensichtlich wird die Existenz der Taliban im Land von den Einheimischen anders betrachtet, als von den Auswärtigen. Letzten Endes ist die Situation von den Amerikanern geschaffen worden. Zusammen mit ihrem damaligen Hauptverbündeten, dem General Sia Ul-Haq, wurde Afghanistan als muslimisches Bollwerk gegen die Sowjets errichtet. Allein die Vorstellung, dass ein Bruchteil von Aufständischen Armeen von bis zu 140.000 Mann bindet, muss doch mal einen Denkprozess auslösen.
    Der Krieg fing damit an, dass der Anführer, Mullah Omar, in ein Kabuler Stadttaxi stieg und mit einem Gruß der Masse entschwand – gefilmt von Dutzenden von Kameras westlicher Fernsehsender.
    Und in einem Land, dass zu über 80% aus Hochebenen und Hochgebirgen besteht und dessen Hinterland man nicht kontrolliert, den Einsatz von Bodentruppen zu forcieren, wo die eigenen Leute unten und die Gegner oben sitzen, halte ich zumindest für überdenkenswert.

  4. auf den Vorwurf hin, daß wir hier so weit weg und in warmen Sesseln sitzen, und das deswegen garnicht von der ganzen Kompliziertheit her begreifen können, möchte ich einwenden:
    in den warmen Sesseln sitzen die, die auch den Afghanistanaufenthalt unterstützen, die, die ihn kritisieren, sitzen oftmals unbequem und sind deswegen etwas wacher.
    Außerdem meine ich hinsichtlich der Soldaten in Afghanistan: flexibler sein, im Sinne von Präsident Karzai: wenn die Taliban, wie in diesem Falle, sich etwas kapern, dann holt man es sich wieder zurück: als Bodentruppe eben.

    • FA39MD
    • 07.09.2009 um 23:59 Uhr
    • Loki45
    • 08.09.2009 um 0:35 Uhr

    Wie mir scheint, sind die US-amerikanische Administration und die US-Army nicht lernfähig. Sie scheinen aus dem Desaster in Vietnam und im Irak nichts gelernt zu haben - gegen Guerilla und Terroristen kann man mit Flugzeugen, Bomben, Panzern und Granaten nichts ausrichten. Die Kolateralschäden sind größer, als beim Gegner der militärische Erfolg. In Afghanistan bringen diese Vorgänge die Bevölkerung gegen die westlichen Streitkräfte auf und treiben die jungen Männer in die Arme der Taliban. Aber um militärisch und beim Aufbau erfolgreich zu sein, brauchen die westlichen Truppen das Vertrauen der Bevölkerung. Daher wird versucht, ein neue militärische Taktik umzusetzen: Der vorgesehene Einsatz von Bodenkräften gegen die Taliban erhöht zwar das Risiko für die eigenen Truppen, aber er senkt, was vertauensfördernd wirkt, die Verluste unter der Zivilbevölkerung. Die militärische Führung im Lande hat gemerkt, wer nur auf Stärke wie in Vietnam und im Irak setzt, verliert den Kampf gegen die Taliban und Guerilla-Kämpfer.

    Sollte aber das neue Militärkonzept bei den Clan-Führeren und der Bevölkerung Afghanistans keine Zustimmung finden, sollten die politischen Entscheidungsträger ernsthaft über einen zeitlich mittelfristig avisierten Rückzug nachdenken. Die historischen Militär-Desaster der Briten und der Sowjetunion, können dabei ein Denkanstoß sein!

    • k2
    • 08.09.2009 um 1:48 Uhr

    Bundeswehr: "faul,fett und feige"?

    "Rear-Admiral Gregory Smith, the top US spokesman in Afghanistan, accused German troops of waiting too long after the blasts to investigate the scene. When General McChrystal flew north, the local German commander, Colonel Georg Klein, told him that it was too dangerous to visit the blast site, four miles outside their camp, because they might get shot at"(From The Times
    September 8, 2009
    Alcohol banned at US base in Afghanistan after airstrike that killed 125
    Jerome Starkey in Kabul).

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