In der nordafghanischen Provinz Kundus hat ein britisches Nato-Kommando einen am Samstag verschleppten Journalisten der amerikanischen Zeitung New York Times befreit. Bei der Aktion sind mehrere Menschen getötet worden. Darunter auch der afghanische Dolmetscher des britisch-irischen Journalisten Stephen Farrell, Sultan Munadi. Das berichtete die New York Times am Mittwoch.

Farrell und sein Übersetzer waren am Samstag vergangener Woche bei Recherchen verschleppt worden. Die Entführung ereignete sich, als sie den Ort des von der deutschen Bundeswehr am Freitag angeordneten Luftangriffs von Kundus besichtigen wollten. Sie hatten vor, über mögliche zivile Opfer des Bombardements zu recherchieren, als die Taliban sie in ihre Gewalt brachten.

Truppen hätten in der Nacht zu Mittwoch das Haus in dem Dorf Mungtapa gestürmt, in dem Farrell und Munadi gefangen gehalten wurden. Das sagte der Gouverneur im Bezirk Char Darah in Kundus, Abdul Wahid Omarkhel. Dabei sei es zu einem Gefecht gekommen, bei dem der Übersetzer getötet worden sei.

Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums starb bei der Operation der Internationalen Schutztruppe Isaf auch ein britischer Soldat. Offiziellen afghanischen Angaben zufolge kam zudem eine afghanische Zivilistin ums Leben. Der 46 Jahre alte Farrell blieb bei der Aktion unverletzt. Er war bereits 2004 im Irak entführt worden.

Die New York Times berichtete, Farrell habe sich bei seiner Zentrale mit den Worten gemeldet: "Ich bin raus, ich bin frei." In einem zweiten Telefonat habe er seine Befreiung geschildert. "Wir waren alle in einem Zimmer, die Taliban rannten alle, es war offensichtlich ein Angriff", sagte er. "Wir dachten, sie würden uns umbringen." Er habe britische und afghanische Stimmen gehört. "Überall um uns herum waren Kugeln." Munadi habe "Journalist! Journalist!" gerufen. Dann sei er zu Boden gegangen. Farrell habe in einem Graben Deckung gesucht und "britische Geisel!" gerufen.

Unklar blieb, ob der 34-jährige Munadi, der in Deutschland studierte, bei dem Gefecht von Soldaten oder von Aufständischen erschossen worden ist. Auch Farrell konnte nicht sagen, wessen Kugeln seinen Kollegen trafen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai teilte mit, Munadi sei von "Feinden des afghanischen Volkes" getötet worden. Damit umschreiben afghanische Behörden Aufständische wie die Taliban.

Der UN-Sondergesandte Kai Eide nannten den Tod Munadis "eine tragische Erinnerung an die Gefahren, denen Medienmitarbeiter in Afghanistan ausgesetzt sind". Eide rief die Behörden und die Aufständischen dazu auf, die Rechte von Journalisten zu respektieren.

Die New York Times kondolierte der Familie Munadis. Er hinterlässt zwei Kinder. Das Blatt berichtete, weder die Zeitung noch Farrells Familie sei über die Militäroperation unterrichtet gewesen.

Vor zweieinhalb Monaten war ein weiterer Reporter der New York Times, David Rohde, gemeinsam mit seinem Übersetzer aus der Gewalt der Taliban entkommen. Sie waren in der Provinz Logar südlich von Kabul entführt worden. In beiden Fällen bewahrten westliche Medien in Absprache mit der New York Times Stillschweigen. Die Zeitung hoffte dadurch, die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu verbessern.

Die Isaf teilte derweil mit, bei einem Selbstmordanschlag vor einem britischen Isaf-Lager in der südafghanischen Provinz Helmand seien mindestens zwei afghanische Zivilisten getötet worden. Mehrere Soldaten und Zivilisten seien verletzt worden, als der Attentäter vor dem Tor von Camp Bastion seine Sprengstoffweste zündete.