Deutschlands Bundeswehrmission in der nordafghanischen Provinz Kundus war lange Zeit die eines Infrastrukturaufbau-Teams. Der Alltag dort gestaltete sich im Vergleich zum unruhigen Süden relativ friedlich. Das jedoch änderte sich, seit die Taliban Teile des Distriktes Char Darah unter ihrer Kontrolle brachten und die Bundeswehr im Sommer dort ihren ersten großen Kampfeinsatz gegen Aufständische führte.

Die Tanklasterkatastrophe von Char Darah ist eine traurige Folge dieser Entwicklung und findet in der Presse ein entsprechendes Echo. Denn der Eindruck, den dieser tödliche Einsatz vermittelt, ist fatal: Die Deutsche waren immer schnell mit Kritik zur Stelle, wenn Einsätze der Amerikaner zu Toten in der afghanischen Zivilbevölkerung führten. Doch kaum wird die Bundeswehr in die Konflikte einbezogen, kommt es zu einer Katastrophe.

So schreibt denn auch der Kommentator der Frankfurter Allgemeinen Zeitung: "(...) Europa wollte die Drecksarbeit in Afghanistan die Amerikaner verrichten lassen und sich selbst ganz dem Wiederaufbau widmen. (...) Doch die Taliban spielen, welch' Überraschung, bei dieser Rollenverteilung nicht mit. (...) Die Taliban wollen diesen Krieg so schmutzig wie möglich werden lassen."

Der Kommentar in der konservativen Wiener Zeitung Die Presse verweist in diesem Zusammenhang auf falsche Voraussetzungen, die dem Bundeswehrengagement in Afghanistan zugrunde lägen: "Wer ein bisschen afghanische Geschichte kennt, weiß, dass es am Hindukusch keine "Stabilisierungseinsätze" geben kann, sondern nur Krieg, Krieg und noch einmal Krieg."

Erhebliche Verstimmungen im Verteidigungsministerium rief ein Reporter der Washington Post hervor, der zusammen mit dem Team des amerikanischen Nato-Befehlshabers Stanley McChrystal Zugang zum Ort des Geschehens bekam und der Bundeswehr schwere Verfehlung vorwarf.

Es fällt tatsächlich nicht schwer, sich vorzustellen, dass die USA in Anbetracht der bislang oft oberlehrerhaft wirkenden Haltung der Deutschen im Afghanistankonflikt, einem US-Reporter nur zu gern die Möglichkeit zu einem kritischen Bericht aus Char Darah gaben. Die bisherige Haltung der Deutschen, das harte Vorgehen der Alliierten zu kritisieren, erklärt auch, warum so schnell aus der Isaf-Truppe bis hin zu einer ganzen Reihe europäischer Außenminister scharfe Vorwürfe gegen die Bundeswehr gerichtet wurden.

Doch, schreibt der Kommentator in der Süddeutschen Zeitung, für derart schnelle Verurteilungen sei es viel zu früh: "Das ist nicht nur außergewöhnlich und unsolidarisch, sondern auch gefährlich: Wenn die Verbündeten dem deutschen Verteidigungsminister die Glaubwürdigkeit absprechen, wozu dann eine Untersuchung?"