Afghanistan : Schwere Vorwürfe gegen deutschen Oberst

Der für das Bombardement zweier Tanklastzügen in Afghanistan verantwortliche Oberst soll es abgelehnt haben, die Umstehenden zu warnen. Nun steht er im Zentrum der Kritik

Bei dem von der Bundeswehr befohlenen Luftangriff in Afghanistan Anfang September, bei dem zahlreiche Menschen starben, hat der verantwortliche Bundeswehroffizier offenbar schwere Fehler begangen. Der kommandierende Bundeswehr-Oberst Georg Klein habe die Fragen der Piloten der von ihm herbeigerufenen Bomber nach einer unmittelbaren Bedrohung und nach Feindkontakt bestätigt, berichtet Der Spiegel. Beides war jedoch nach jetzigem Kenntnisstand nicht der Fall.

Oberst Klein habe außerdem verhindert, dass die Menschen um die Tanklaster eine Möglichkeit zur Flucht bekommen hätten. Dem Spiegel zufolge haben die Bomber-Piloten bei Klein angefragt, ob sie durch einen demonstrativen Tiefflug über dem Gebiet eine Warnung abgeben sollen. Dies habe Klein aber abgelehnt.

Bei dem Angriff starben 99 Menschen, nach Angaben der afghanischen Regierung waren darunter auch 30 Zivilisten. Der Militärschlag hatte in Deutschland eine neue Debatte um einen Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ausgelöst.

Die Extremistengruppe al-Qaida drohte am Freitag in einem neuen Video mit Anschlägen in Deutschland, sollten die Parteien, die für den Afghanistan-Einsatz sind, bestätigt werden. Außer der Linkspartei sind dies alle im Bundestag vertretenen Parteien.

Unterdessen beklagt die Bundeswehr gravierende Mängel bei der Ausrüstung der Truppe in Afghanistan. Im aktuellen "Erfahrungsbericht Einsatz" bemängelt Brigadegeneral Jörg Vollmer übereinstimmenden Medienberichten zufolge unter anderem das Fehlen besonders geschützter Fahrzeuge. Von den 38 zwischen Januar und Juli ausgefallenen Fahrzeugen sei kein einziges ersetzt worden, berichtete die Bild-Zeitung. Laut Focus kritisiert Vollmer zudem, dass die Hubschrauber der Truppe nur eingeschränkt zur Unterstützung der Einsätze geeignet seien. In der Region um die Stadt Kundus sei zudem die Truppenstärke nicht ausreichend.

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Kommentare

67 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Könnte man die Angelegenheit denjenigen überlassen, die wirklich wissen was dort passiert ist? Ein Vorteil der echten Printmedien ist das nicht sofort jeder Furz als Nachricht auftaucht.

Ob ein Tiefflug als Warnung verstanden wird, schnellst möglichst ein tieferes Flussbett zu verlassen und offenes Gelände aufzuschen, oder doch eher als Anregung auf gut Glück RPGs abzufeuern sei mal dahingestellt.

ich stimme zu...

Ich stimme völlig zu dass man die Sache zur Beurteilung denjenigen überlassen sollte die wirklich Ahnung haben, oder zumindest warten sollte , bis sie völlig aufgeklärt ist ( falls es soweit kommt ). Das Wirrwarr an Nachrichten und die Flut an Spekulationen zeigt ja, wie unsicher der Boden ist, auf dem sich jeder Kommentator bewegt.
Man könnte damit beginnen, die Sache moralisch zu betrachten, denn der Verlust einen jeden Menschenlebens ist bedauernswert und jedes trauernde Familienmitglied verdient unser Mitgefühl, ob Taliban oder nicht.Somit kann ich auch Harald Köhl in seinem Widerspruch zu Josef Joffes Leitartikel (Zeit Nr.38/09) nur zustimmen, der dessen Wortwahl "Jeder in Afgahnistan unschuldig zu Tode gekommene Mensch ist einer zu viel " kritisiert. Wie er ebenso richtig sagt, verdienen auch die Angehörigen der Taliban unser Mitgefühl: "Es könnte sich auch um trauernde Eltern handeln, die sich mit dem bewaffneten Kampf ihres geliebten Sohnes nicht identifiziert haben".

Warnung?

Eine "Warnung" vor dem Angriff anzuordnen wäre offenkundig absurd und völlig inkonsistent mit der Lageeinschätzung zu der Zeit, als der Befehl zum Angriff erteilt wurde (und die für eine rechtliche Bewertung primär ausschlaggebend ist). Da angenommen wurde, dass keine Unbeteiligten anwesend waren, hätte eine Warnung den Erfolg der Aktion zunichte gemacht. Das diese Warnung abgelehnt wurde, belegt nur zusätzlich, dass tatsächlich davon ausgegangen wurde, dass jedenfalls in der eindeutigen Mehrzahl Talibankämpfer getroffen werden würde.

Im Übrigen trägt der Umstand, dass nach diesem ersten Bericht mindestens 69 Talibankämpfer vernichtet wurden, auch in objektiver Hinsicht zur Rechtfertigung dieser Kampfhandlung wesentlich bei. Dieser Erfolg wäre mit einer Warnung nicht möglich gewesen. Dass die Vernichtung von 69 Talibankämpfer schon einmal ein erheblicher taktischer Erfolg ist, sollte man nicht verkennen.

Wer hier eine Warnung vermisst, hat offensichtlich nicht nachgedacht.

@ Utencis

Sie erlauben sich eine Lageeinschätzung, als der Befehl erteilt wurde.
Vielleicht haben Sie alles über eine Webcam auf dem Soldatenhelm über www.live-im-kundus.com verfolgt?
Nichtsdestotrotz finde ich diese Arroganz widerlich die hier so oft zu Tage tritt. Hallo, es sind unschuldige Zivilisten ums Leben kommen, aber die spielen ja keine Rolle wenn man dafür auch einige Taliban zur Strecke gebracht. Dieser falsche Stolz und Patriotismus nur weil Deutschland kritisiert wird ist so jämmerlich.
Wie kann man so respektlos und verachtend mit anderen Menschen umgehen?
Die Menschen vor Ort können für den Krieg genauso wenig wie Sie, haben Ihnen allerdings um einiges an Menschlichkeit voraus.
Oberstes Prinzip hat nun mal die Verschonung von Zivilisten. Daran hat sich auch ein deutscher Oberbefehlshaber zu halten.

Zynismus oder Dummheit

"Dass die Vernichtung von 69 Talibankämpfern schon einmal ein erheblicher taktischer Erfolg ist, sollte man nicht verkennen..." Träume ich,oder gibt es diesen unglaublichen Zynismus tatsächlich wieder in unserem Land, er den Tod von dreißig Zivilisten billigend in Kauf nimmt? Aber vielleicht ist es ja auch nur bodenlose Dummheit, die sich hier in der Beschränkung des Denkens auf militärtaktische Kategorien offenbart angesichts einer Tragödie, deren Würdigung neben politischen und militärischen Belangen vor allem auch die ethische und moralische Dimension des Geschehens einschließen muss.

"Vernichtung" als Erfolg

Schon erstaunlich, was hier für Kommentare stehen dürfen: "Die Vernichtung von 69 Talibankämpfer (sic)" ist "ein erheblicher taktischer Erfolg".

Naja, nun weiß ja jeder, der sich viel in Foren bewegt, welcher "Weltanschauuung" Schreiber mit lateinischen Nicknames normalerweise anhängen. Da wäre diese eindeutige Wortwahl gar nicht nötig gewesen, um sich als ultrarechts zu outen.

Der Offizier jedenfalls ist - nach derzeitigem Stand - ein (mindestens) 30-facher Mörder und wird hoffentlich bald vor Gericht gestellt.

@Agitator: Selbstverständlich

ist die möglichst effiziente Vernichtung von (im wahrsten Sinne des Wortes) Halsabschneidern ein Erfolg. Sie scheinen in der Illusionen zu leben, dass die islamistischen Gotteskrieger Ihren gutgemeinten Friedensappellen zugänglich sind. Das sind sie nicht.

Sie t o t z u m a c h e n ist der einzige Weg, um Frieden und Sicherheit für die afghanische Bevölkerung zu erreichen. Wenn's gelingt ist das dann kein Mord, sondern ein Akt der Menschlichkeit.

Der Tod der Zivilisten ist selbstverständlich bedauerlich.

Zusammenfassung

1) Wie viele der "Taliban" waren wohl vor einigen Monaten noch Zivilisten? Es ist bekannt, dass die Militärpräsenz dort ihnen Zulauf verschafft hat. Wer kann überhaupt sicher belegen, wer zu welcher Gruppe gehörte?

2) Von all den begeisterten "Totmachern" und "Vernichtern" hier hätte ich gerne mal ein Statement zur Todesstrafe - selbst bei der gibt es (manchmal) noch einen Prozess vorher.

3) Das Zitat "Soldaten sind Mörder" ist bekanntlich von der Verfassung gedeckt. Ich benutze es trotzdem nie, da es mir zu billig ist. Im vorliegenden konkreten Fall haben wir es allerdings - wie bereits erwähnt: nach derzeitigem Stand - mit Mord zu tun, sollte dort gezielt und ohne Grund getötet worden sein. Ein explodierter Tankwagen hätte ja auch ohne zerfetzte Leichen drumherum nicht mehr für Anschläge gebraucht werden können, oder? Mutmaßungen zur wahren Motivation spare ich mir da besser.

4) Das Argument, der Oberst habe ja "nur den Befehl gegeben" zeugt von totaler Unkenntnis. Jetpiloten, die mit mehreren hundert km/h und noch dazu im Dunkeln über das Ziel donnern, können die Lage niemals einschätzen. Sie bekommen lediglich eine Position bekanntgegeben, wo sie ihre Bomben abzuwerfen haben - mehr nicht. Bei "Fehlern" trägt die Schuld hier derjenige, der diese Position genannt hat. Auch den Piloten hat der Oberst hier also - nach derzeitigem Stand - so einiges zugemutet, nämlich Werkzeug zur Tötung Unbeteiligter zu werden. Für Leute mit Gewissen eventuell ein kleines Problem.

»Sie glauben doch nicht im Ernst,

dass ein deutscher Oberst über den Einsatz von zwei amerikanischen F-15-Bombern entscheiden darf«, so Harald Kujat, ehem. Vorsitzende des Nato-Militärausschusses. Und weiter: »verantwortlich für Planung, Koordinierung und Ausführung der Luftoperationen in Afghanistan» seien die Luft-Koordinierungsstelle im Isaf-Hauptquartier; deren Befehlshaber unterstehe dem ISAF-Kommandeur Stanley McChrystal. [zitiert nach http://www.netzeitung.de/... Noch Fragen?

Weltanschauung

Sie machen es sich sehr einfach wenn Sie Menschen die den Einsatz als richtig empfinden in die rechte Ecke drängen.
Bei einem Partisanenkrieg gibt es immer ziviele Opfer.
Das ist von den Wiederstandskämpfern gewollt und ein Mittel
ihren Kampf zu legalisieren.
Schlimm finde ich es einen Oberst der Bundeswehr als Mörder zu bezeichnen, noch schlimmer finde ich es das die Staatsanwaltschaft, also Vertreter eines zivielen Gerichts,
eingeschaltet wurde. Meiner Ansicht nach gehören solche Zwischenfälle wenn überhaupt vor ein Militärgericht.
Vorverurteilungen, eine solche ist Ihr Kommentar, sind meiner
Ansicht nach falsch und ganz im Sinne gewisser Politiker die
mit linken Spinnern packtieren um in Deutschland an die Macht zu kommen

Bei der Agitation tritt das aufklärerische Moment in den Hinterg

@ Agitator
Vielen Dank für den Hinweis, was ein Nutzername über die Qualität der Beiträge mitteilt.
Die Überschrift, was ist Agitation, was macht klar was der Agitator macht.

Keine Frage, dass jeder Tote einer zuviel ist... vor allem, wenn es Unschuldige/ Nichtbeteiligte trifft.

Allerdings hat die Bundeswehr einen Auftrag von der Bundesregierung bekommen das Verfassungsgericht hat diesen Auftrag bestätigt. Damt ist der Auftrag ganz klar rechtmäßig die Soldaten sind diejenigen, die weit weg von zuhause diesen Auftrag durchführen müssen.

Damit haben diese Menschen es zumindest verdient, nicht vorverurteilt zu werden.

Der stellvertretende Pressesprecher im BMVg hat das meiner Meinung nach sehr treffend ausgedrückt und von den vielen "Hobbystrategen" gesprochen, die Zuhause auf der Couch immer die besten Ideen hat.

Jeder der gute Ideen hat ist eingeladen, diese auch verantwortlich einzubringen und zu schauen, ob es meht als 100 Menschen in Deutschland gibt, die diese Ideen gut finden.....

@HamiltonInGermany

o 19.09.2009 um 20:59 Uhr
o Kohlmeise
2. 4. "Vernichtung" als Erfolg
Der Offizier jedenfalls ist - nach derzeitigem Stand - ein (mindestens) 30-facher Mörder und wird hoffentlich bald vor Gericht gestellt.
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Diesem Satz ist, wortwörtlich genommen, uneingeschränkt zuzustimmen. Wer dem Schreiber droht, droht dem Rechtstaat!
Wahrscheinlich sieht die Wahrheit, die erwartungsgemäß erst nach und nach in die Öffentlichkeit dringt, noch katastrophaler aus.