Afghanistan
Jung relativiert Aussage über Opfer
Der alliierte Luftschlag nahe Kundus setzt die Regierung unter Druck. Bei einer Sondersitzung morgen im Bundestag wird die Kanzlerin eine Regierungserklärung abgeben. Der Opposition ist dies nicht genug
Thema der Sondersitzung des Bundestags an diesem Dienstag sollte hauptsächlich die aktuelle Lage in Deutschland sein. Zwar werden sich Parlamentarier und Regierungsmitgleider – darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) – auch dazu äußern. Doch zunächst wird es eine andere Debatte geben: die über den verheerenden alliierten Luftschlag auf zwei von den Taliban entführte Tanklaster nahe Kundus. Die Bundeswehr hatte die Bombardierung befohlen.
Kanzlerin Merkel wird dazu aller Voraussicht nach selbst eine Regierungserklärung abgeben. Darauf haben sich nach Informationen der Deutsche Presse-Agentur die Spitzen der Koalitionsfraktionen am Montag verständigt. Letzte Einzelheiten sollen noch geklärt werden. Im Anschluss an die Erklärung ist dann eine einstündige Debatte zur Lage in Afghanistan geplant.
Zuvor hatten die Oppositionsparteien FDP, Linke und Grüne Aufklärung über den Angriff mit einer großen Zahl an Toten gefordert. Die Grünen sprachen von einer chaotischen Informationslage und riefen Merkel schriftlich auf, in einer Regierungserklärung dazu Stellung zu beziehen.
Diese sagte inzwischen zu, dass die Umstände des Luftangriffs zügig aufgeklärt würden. Deutschland werde der Nato-Untersuchungskommission alle notwendigen Informationen bereitstellen, sagte Merkel nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Gordon Brown. Ihr gehe es darum, schnell aufzuklären, ob es auch zivile Opfer gegeben habe. Falls diese zu beklagen seien, bedauere sie das zutiefst.
Inzwischen hat auch das Verteidigungsministerium seine Sprachregelung geändert. Bislang hatte das Haus von Minister Franz Josef Jung stets gesagt, dass nur Aufständische bei dem Angriff getötet worden seien. Nun relativierte Jung seine Aussagen: Für ihn sei es eindeutig, dass "überwiegende Anteil Taliban gewesen sind".
Nach wie vor ist jedoch unklar, wie viele Menschen bei dem Angriff ums Leben kamen und ob unter ihnen auch Zivilisten waren. Die Bundeswehr sprach von 58 getöteten Extremisten, afghanische Stellen von weit mehr, darunter auch Zivilisten. Die Nato zählte 125 Opfer. Heftige Kritik aus ganz Europa war die Folge. "Wir gewinnen diesen Krieg nicht, indem wir töten", sagte der schwedische Außenminister Carl Bildt als EU-Ratspräsident.
In Afghanistan bemühten sich Nato und ihre Afghanistan-Schutztruppe Isaf derweil um Beruhigung der empörten Bevölkerung. Der Isaf-Oberkommandierende Stanley McChrystal besuchte am Wochenende den Ort des Geschehens und wandte sich in einem ungewöhnlichen Schritt per Fernsehansprache an die afghanische Bevölkerung. Mittlerweile befassen sich mehrere Untersuchungskommissionen mit dem Vorfall, darunter eine der Nato. In Deutschland prüft die Staatsanwaltschaft Ermittlungen.
Wegen seiner Informationspolitik war die Regierung und vor allem Jung am Wochenende unter Druck geraten. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Ulrike Merten (SPD), reicht eine Erklärung im kleinen Kreis nicht aus: "Der Minister täte gut daran, nicht nur die Obleute des Verteidigungsausschusses, sondern das gesamte Parlament über den Vorfall zu informieren", sagte Merten dem Tagesspiegel. Schließlich sei es das Parlament, das über die Einsätze der Bundeswehr entscheidet.
Die angekündigte Regierungserklärung von Merkel geht Teilen der Opposition nicht weit genug. Die Grünen forderten die Kanzlerin zur öffentlichen Distanzierung von Jung auf. "Sie muss auch Stellung beziehen zum eklatanten Versagen ihres Verteidigungsministers", sagte Parteichef Cem Özdemir am Montag in Berlin. "Merkel trägt die Verantwortung dafür, dass Deutschland droht, in die internationale Isolierung zu geraten." Jung sei zum "Sicherheitsrisiko auch für unsere Soldaten" geworden, sagte er mit Blick auf den Angriff sowie Jungs Äußerungen danach. "Was jetzt dringend notwendig ist, ist eine Entschuldigung bei den Opfern und bei den Angehörigen der Familien."
Auch der Grünen-Verteidigungsexperte Winfried Nachtwei warf dem Verteidigungsminister "absolutes Versagen" vor. "Jetzt sind offene und konkrete Worte des Ministers gefragt, eine deutliche Entschuldigung an die Adresse der Familien der Opfer". Zivile Opfer seien sehr wahrscheinlich. Afghanen seien im Sommer auch nachts viel unterwegs und ein Lastwagen sei immer ein großer Anziehungspunkt, sagte der Afghanistan-Kenner. Jung habe das Vertrauen "vieler, vieler Soldaten und Offiziere" verloren.
- Datum 7.9.2009 - 20:02 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa
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...Die Linke an der Regierung, wäre das nicht passiert.
gegen nicht traditionelle "Krieger" kann nicht funktionieren. Nun haben hoffentlich auch diejenigen verstanden die immer behaupten Afghanistan zu helfen.
...in dieser Gegend zuverlässig Zivilisten von Taliban oder anderen Kriegsteilnehmern ?
Soweit ich die langjährige Berichterstattung verstanden habe, läuft doch jeder mit einer Kalaschnikow herum, schon aus Selbstschutz, da ja weder Polizei nochg die diversen Militäreinheiten die persönliche Sicherheit garantieren können.
Nachdem neuerdings wegen jeder Angstneurose ein Luftschlag befohlen wird, würde es mich nicht wundern, wenn zur Kalaschnikow nun auch noch eine Stinger Luftabwehrrakete hinzutritt.
wäre das nicht passiert. Das stimmt zu 100 Prozent.
Wäre die Linke an der Regierung, gäbe es auch die letzten 20 Jahre nicht und der Russe wäre noch damit beschäftigt Afghanistan durch real existierenden Sozialismus zu "befrieden"...
Die Linke mit ihrem pseudo-humanistischen Ansatz weiß eh alles besser, kann aber auch nix. Ein Hoch auf die Linke Opposition und alle, die live in Kunduz dabei waren und jetzt mit schlauen Sprüchen aus dem Busch springen.
Ein wenig verwundert mich nur, dass nach robustem Auftreten der Bundeswehr das Presseecho größer ist als nach Verlusten.
Ich bin fast versucht die Linke an die Regierung zu wählen, damit auch die Letzten verstehen, dass man mit blöden Sprüchen und gespielten Gutmenschentum nicht sehr weit kommt, wenn die Taschen leer sind...
der Entscheidung geführt hat die beiden F15E anzufordern, werden wir eh nie wissen.
Es mag jetzt für viele zynisch und menschenverachtend klingen, aber da ist Krieg. D.h. das Menschen andere Menschen töten. Das macht von der Sache her keinen Sinn.. das ist richtig, aber wer kann das ändern?
In einem Krieg kommt es vor, das man Zivilbevölkerung und Paramilitärs, Partisanen oder wie man sie auch immer nen mag, nicht unterscheiden kann.
Daran liegt auch eine gewisse Taktik und Absicht.
Daher vertrete ich die Meiung, dass dieser Luftschlag kein Problem darstellt, wenn die Möglichkeit bestanden hat das dadurch Truppen der Bundesweher und/oder der allierten Armeen vor Schaden bewahrt wurden.
Ob das wirklich so war, werde ich, wie schon erwähnt nie erfahren, aber da muss ich mich auf die Ausbildung und Urteilskraft der Befehlshaber vor Ort verlassen.
Die Bundeswehr sofort abzuziehen, würde nichts besser machen. natürlich würden dann keine Väter,Mütter,Brüder,Töchter,Söhne... von deutschen Familien mehr sterben. Klar..das ist gut. Aber dafür würden Frauen verprügelt, Männer erschossen und es gäbe auch keine Möglichkeiten mehr vielleicht irgendwann den Bauern eine Alternative zum Mohnanbau zu bieten...
Es würden nur andere Menschen sterben, gewiss nicht weniger.
Wer die westliche Freiheit am Hindukusch verteidigen will oder muss, wird dies nicht mit Wattebäuschen machen können. Darin waren sich ja bis auf die PDS alle Parteien einig. Jetzt wo die Wahlen anstehen und einigen Politikern das Wasser bis zum Hals steht, ist auch jedes Mittel recht, die eigene Haut in den nächsten Bundestag zu retten. Da interessiert doch der Bundeswehrsoldat in Afghanistan allenfalls nur zur feigen Profilierung. Keiner der Politiker, die hier im Warmen und trockenen sitzen, würde auch nur einen Fuß an vorderster Front in dieses Land setzen. Mich wundert nur, dass bei diesem Rückhalt in Politik und Presse, sich noch Bundeswehrsoldaten für diesen Einsatz melden. Da ja immer wieder behauptet wird, das die Mehrheit der Deutschen den Abzug aus Afghanistan wollen und die Politik nur dann hinter der Truppe steht, wenn die Militärkapelle zum Frühschoppen aufspielt, sollten wir da sofort raus. Und nach uns die Sintflut.
"Die Linke mit ihrem pseudo-humanistischen Ansatz weiß eh alles besser" - Ja, das tut weh, wenn die anderen es besser wissen, nicht?
"Ein wenig verwundert mich nur, dass nach robustem Auftreten der Bundeswehr das Presseecho größer ist als nach Verlusten." - Robustes Auftreten? Da lieben wir aber mal wieder unsere Euphemismen heute. Robust mal schnell ein paar Dutzend Menschen verbrannt: 'I love the smell of napalm in the morning." Wenn einen die Wirklichkeit an Spielfilme zu erinnern beginnt, ist es an der Zeit, was dran zu ändern.
Und was genau heißt "größer als nach Verlusten"? Die hat's doch gegeben - wenn auch unter der afghanischen Zivilbevölkerung (vom Ansehensverlust für den NATO-Einsatz mal gar nicht zu reden). Aber was zählen schon ein paar Turbanträger, wenn Deutschland dafür die Gelegenheit hat, Weltpolitik zu spielen, gell?
"da ist Krieg. D.h. das Menschen andere Menschen töten. Das macht von der Sache her keinen Sinn.. das ist richtig, aber wer kann das ändern?" - Wir können daran was ändern, Treknor - schon vergessen, in drei Wochen ist Wahltag. Ist gar nicht so schwierig mit der Änderung.
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