"Bekkay Harrach ist keine Al-Qaida-Witzfigur"
ZEIT ONLINE: Die Bundespolizei hat ihre Streifen an Bahnhöfen verstärkt, Beamte tragen dort Maschinenpistolen und kugelsichere Westen. Befürchten die Behörden erneut mit einem Anschlagsversuch auf Züge wie den der Kofferbomber?
Steinberg: Wenn man die Anschläge von al-Qaida und verbündeten Gruppen der vergangenen Jahre Revue passieren lässt, sieht man schnell, welche Ziele infrage kommen: Anschläge auf den Luftverkehr sind eine Möglichkeit. Das ist allerdings eher unwahrscheinlich, weil die Organisation momentan nicht über die notwendigen planerischen und organisatorischen Möglichkeiten verfügt. Darüber hinaus hat es Anschläge auf Fernzüge und auf den öffentlichen Nahverkehr gegeben, aber auch auf symbolträchtige Ziele wie Ministerien, Luxushotels, Restaurants und andere bekannte Gebäude. Mit solchen Anschlägen muss man rechnen.
ZEIT ONLINE: Für wen spricht Bekkay Harrach und warum hat der Deutsche eine solche Bedeutung erlangt?
Steinberg: Wir wissen, dass Bekkay Harrach zu al-Qaida gehört und für sie spricht, weil er in mehren Filmen das offizielle Logo der Propagandaabteilung der Organisation benutzt hat. Er arbeitet sehr eng mit den Al-Qaida-Operationschefs im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet zusammen. Dass er allerdings in der mittleren Führungsebene der al-Qaida eine Rolle spielen soll, wie die Sicherheitsbehörden und einige Medien berichten, ist weit überzogen. Harrach gehört zum Fußvolk und spielt nur eine Rolle, weil er deutscher Staatsbürger ist und über entsprechende Sprachkenntnisse verfügt. Er ist als Propagandist für die Organisation wertvoll, darüber hinaus aber vollkommen bedeutungslos.
ZEIT ONLINE: Bekkay Harrach hat in Deutschland studiert, er wurde eingebürgert, er spricht deutsch. Ist er ein typischer Dschihadist deutscher Prägung?
Steinberg: Es gibt kein Profil des deutschen Dschihadisten. Zum Teil sind es sehr begabte und erfolgreiche junge Leute, die seit Langem in Deutschland leben und sich trotzdem den Dschihadisten anschließen. Gleichzeitig gibt es aber auch eine Art islamistisches Lumpenproletariat, das als Ergebnis unserer gescheiterten Integrationsbemühungen ebenso wie des fehlenden Integrationswillens der Migranten entstanden ist. Diese unterschiedlichen Profile machen die Bekämpfung der Terroristen so schwierig.
ZEIT ONLINE: Harrach inszeniert sich als ein Mann, der in der Lage ist, Deutschland zu drohen. Nimmt er sich nicht einfach für zu wichtig?
Steinberg: Harrach möchte mit seiner Inszenierung natürlich Angst erzeugen. Über weite Teile des Videos spricht er die deutsche Politik an, vor allem die deutschen Konservativen und mehrfach auch direkt Angela Merkel. Auch das deutsche Volk ist ein Adressat seiner Drohungen. Er tritt als ein Botschafter von al-Qaida auf und möchte als eine Art Politiker wahrgenommen werden, der beansprucht, auf Augenhöhe mit der deutschen Regierung zu stehen. Dieser Anspruch wirkt in weiten Teilen eher grotesk und lächerlich. Dennoch ist er keine Al-Qaida-Witzfigur, sondern jemand, der eng mit der Terrororganisation verbunden ist. Nur wenn er seine Drohungen nicht wahr machen kann, wird er zur Witzfigur.
ZEIT ONLINE: Deutschland zählt in Afghanistan zu den größten Truppenstellern. Wir erklären Sie sich, dass wir bislang von Anschlägen verschont geblieben sind?
Steinberg: Für al-Qaida hat der Afghanistan-Konflikt eigentlich erst 2006 begonnen. Vorher war die Organisation stark geschwächt und hat sich auf den Irak konzentriert. Seitdem der Aufstand der Taliban gegen die internationalen Truppen an Fahrt gewonnen hat, agiert al-Qaida wieder verstärkt in Pakistan und Afghanistan. Folgerichtig spielt Deutschland als drittgrößter Truppensteller in der Propaganda und der Strategie von al-Qaida und ihrer Verbündeten seit 2006 eine größere Rolle - das zeigt auch der Fall der Sauerland-Gruppe, die in Deutschland Bombenanschläge plante. Deutschland ist in das Visier von al-Qaida gelangt.
Die Fragen stellte Hauke Friederichs
Dr. Guido Steinberg erforscht seit Jahren den internationalen Terrorismus. Seine weiteren Themenschwerpunkte sind die Politik des Nahen Ostens und der Golfregion. Von 2002 bis 2005 arbeitete er im Referat Internationaler Terrorismus im Bundeskanzleramt. Anschließend wechselte er zur Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin. Steinbergs neues Buch "Im Visier von al-Qaida" erscheint im Oktober im Verlag edition Körber-Stiftung (ISBN 978-3-89684-139-1).
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- Datum 22.9.2009 - 10:23 Uhr
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Al Kaida oder wie sich diese Hanfbauern nennen, haben eigentlich noch nie einen Anschlag vorher angekündigt. Nicht in Madrid, nicht in London, nicht in Bali. Al Kaida sind nicht die Basken oder die Iren!
Jetzt auf einmal für Deutschland solch ein Wandel? Seltsam oder?
Al Kaida hat seine Nachrichten immer in Kämpferpose und vor irgendeinem kitschigen Hintergrund verfilmt.
Jetzt auf einmal von so einem Konfirmanden vor protzigem roten Brokat? Seltsam oder?
Al Kaida müsste auch klar sein, das 14 tage nach der Wahl noch keineswegs abzusehen ist, welche Regierung nun genau mit dem Rücken zum Adler sitzt und was deren Ziele sind. Am 27. ist erstmal Wahl, dann gibts eine Woche totales Chaos, indem jeder erstmal meint der Gewinner zu sein und erst dann wird sich nach frühestens einem Monat herauskristallisieren wer mit wem ins Koalitionsbett steigt. Dann, und erst dann kann Al Kaida mit Sicherheit sagen ob die Truppen abgezogen werden oder nicht. Ergo erst dann können die ihren "Anschlag" planen.
Wenn die morgen schon draufhauen, dann zeigen die, dass ihnen Afghanistan am Allerwertesten vorbei geht. Seltsam oder?
Im Übrigen waren die in Madrid nicht so pingelig und haben einige Tage vor der Wahl losgebombt. Nun auf einmal mit drei Wochen Vorlauf?
Brokat.
wieso wird einem das video vorenthalten?
ist im ersten artikel irgendwo in den Kommentaren verlinkt (falls nicht gelöscht). Ist aber wirklich nicht sehenswert.
Das erste Video (3 Teile)
http://www.dailymotion.co...
Das zweite Video (3 Teile, mehr Audio als Video)
http://www.youtube.com/wa...
Es gibt zwei Videos, eines vom letzten Mittwoch und eines von Freitag bzw. Samstag, je nach dem, welche Zeitzone man zugrunde legt. Wer eines will, kann sich melden. Das Freitags-Video ist allerdings nur ein Standbild mit Ton von Bekkay Harrach und richtet sich an die "Schläfer" in Deutschland. Ausschnitte finden Sie auf meiner Seite:
http://www.plapperstorch....
ist im ersten artikel irgendwo in den Kommentaren verlinkt (falls nicht gelöscht). Ist aber wirklich nicht sehenswert.
Vollkommen einverstanden, Herr Barnes.
Will nur noch hinzufügen, dass nach acht Jahren Studium von Al-Quaida wohl noch nicht klar geworden ist, dass es sich lediglich um eine Idee handelt, nicht aber um eine hierarchisch strukturierte Organition. Es ist nicht vorherzusehen, wann und wo sich ein Verrückter hochsprengt. Die Aussagen, dass Deutschland nun ins Visier von Al-Quaida geraten sei gehen deshalb am Thema vorbei. Als westliche Demokratie war Deutschland schon immer im Visier von Fanatikern, egal welche Tagespolitik gerade gemacht wird.
Das Innenministerium macht mit diesem lächerlichen Polizeiaufgebot an den Bahnhöfen keine gute Figur, denn Terror bekämpft man am besten im Stillen. Will man das überhaupt?
Karl Müller
Vielleicht bekämpft man ja auch im Stillen, zur allgemeinen Unterhaltung wird aber zudem noch ein sichtbares Aufgebot bereitgestellt.
Karl Müller
läuft Terrorismus unter: 'Politisches Projekt'.
Das erste Video (3 Teile)
http://www.dailymotion.co...
Das zweite Video (3 Teile, mehr Audio als Video)
http://www.youtube.com/wa...
Wer zukünftig das neueste Gelaber von Al Kaida sehen will, besucht regelmäßig die folgende Website:
[Link entfernt. Bitte verlinken Sie nur auf deutsch- oder englischsprachige Seiten. Danke. Die Redaktion/ew]
Ganz unten finden sich auch die 4 Ergüsse von Harrach.
Gehostet wird diese Website übrigens bemerkenswerterweise von einem italienischen Provider (www.aruba.it)
Wer zukünftig das neueste Gelaber von Al Kaida sehen will, besucht regelmäßig die folgende Website:
[Link entfernt. Bitte verlinken Sie nur auf deutsch- oder englischsprachige Seiten. Danke. Die Redaktion/ew]
Ganz unten finden sich auch die 4 Ergüsse von Harrach.
Gehostet wird diese Website übrigens bemerkenswerterweise von einem italienischen Provider (www.aruba.it)
Welchle Forum Sie auch immer verlinkt haben (ich habe hier zu lesen begonnen, als Ihr Link bereits gelöscht war), es kann nicht der richtige Link gewesen sein, denn das originäre Al Qaida Sprachrohr hat keine URL, sondern ist nur über IP-Adresse erreichbar, die fast täglich gewechselt wird. Der Server steht in Malaysia und an den kommt man "witzigerweise" nur über eine IP-Adresse dran, die in den USA (Utah) sitzt.
"[Link entfernt. Bitte verlinken Sie nur auf deutsch- oder englischsprachige Seiten. Danke. Die Redaktion/ew]"
Man merke auf: Der Link wurde nicht gelöscht, weil er auf Propaganda einer Terrororganisation verweist (was durchaus legitim wäre). Nein, die Herren Harrach und Laden werden nur gebeten, ihre Thesen in Deutsch und Englisch zu präsentieren, dann ist das mit dem Link kein Problem. Danke liebe Zeit-Redaktion, den Schmunzler hatte ich jetzt gerade gebraucht.
Back to Topic: Al Qaida ist als Netzwerk derzeit nur durch seine bizarren Terrorbotschaften überlebensfähig. Ohne diese wäre die so oft angeführte "Bedrohung des 21sten Jahrhunderts" nur ein Haufen Männer mit Kalashnikows in den Bergen des Hindukush. Die Organisation hat abseits der Medien ihre Schlagkraft weitgehend verloren. Angesichts dieser Tatsache muss man sich schon sehr wundern, dass andauernd über diesen Quatsch berichtet wird. Als würde der Mord an Tausenden einem doch tatsächlich die Rendite bringen, dass man bei Medienoutlets Präsidentenbehandlung bekommt.
Im Übrigen gilt für Al Qaida dieselbe Regel wie für alle anderen Größenwahnsinnigen. Hunde, die bellen, beißen nicht (bzw. können nicht beissen, auch wenn sie es wollten). Warum lässt sich eine Nation von 80 Millionen jedesmal aus der Ruhe bringen, wenn Bin Ladens Knappen unter Mitteilungsdurchfall leiden? Was kommt als nächstes? Bundeswehreinsatz im Inneren wegen eines islamisch wiedergeborenen Konfirmandendoubles?
Hallo Redaktion,
was soll das denn wohl sein? Wollen Sie Ihren Lesern Informationsquellen vorenthalten? Oder deren Fähigkeit zur kritischen Rezeption in Frage stellen?
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