Bundeswehr Präsident Köhler will eine Debatte über Auslandseinsätze

Horst Köhler hat in Berlin das umstrittene Ehrenmal der Bundeswehr eingeweiht. Dabei forderte er einen gesellschaftlichen Diskurs über den Militäreinsatz in Afghanistan.

3100 Namen flimmern auf einem elektronischen Laufband, das sich entlang der dunklen Mauer zieht. 3100 Namen von Männer und Frauen, die im Einsatz für die Bundeswehr ihr Leben ließen. Die bei Kampfeinsätzen, Anschlägen, bei Unfällen und im Manöver starben. "Den Toten unserer Bundeswehr für Frieden Recht und Freiheit" steht in schlichter Schrift auf einer mit Gold überzogenen Betonwand.

Die Wand ziert das Ehrenmal der Bundeswehr, das am Dienstagnachmittag in Anwesenheit des Bundespräsidenten und des Bundestagspräsidenten eingeweiht wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich vertreten.

Anzeige

Bundespräsident Horst Köhler hielt eine beeindruckende und unbequeme Rede. Er nahm die Feier zum Anlass, das mangelnde Interesse der Bevölkerung an den Auslandseinsätzen der Bundeswehr anzusprechen. Er forderte eine öffentliche Debatte, die geprägt sein sollte von Sorge, Respekt und Anerkennung der Deutschen gegenüber der Armee.

Die Soldaten zweifelten manchmal daran, ob die Mitbürger in der Heimat den Wert des Afghanistan-Einsatzes kennen, sie fragten sich, ob ihr Engagement gewürdigt werde, sagte Köhler. "Das Ehrenmal gibt darauf keine Antwort. Die Antwort darauf sollten wir alle geben."

Köhler dankte allen Soldaten für ihren Einsatz. "Sie stehen mit Leib und Leben für unsere Sicherheit und für unsere Werte ein", sagte der Bundespräsident. Und er fragte, welchen Preis die Deutschen bereit seien zu zahlen, für ein Leben in Freiheit und Sicherheit.

Mit seiner Rede will Horst Köhler eine Debatte anstoßen: Er fordert die Gesellschaft auf, über den Afghanistan-Einsatz zu diskutieren. Denn selbst im Wahlkampf findet das Thema Afghanistan bislang kaum statt, die Parteien erklären nicht genau, wie ihre Pläne für die deutsche Beteiligung an der Isaf-Mission aussehen.

Leser-Kommentare
  1. Yeah well, you people have this attitude, acuse people first and ask questions later. No wonder that you`re bombing innocent people. This and all of the hatred and discrimination here is a serious problem. You need to get that through your head. It`s a problem and people aren`t going to put up with it.

  2. Sehr geehrter Präsident Köhler,
    Sie fordern das Volk, den Souverän also, zum absolut wirkungslosen Palaver auf, da dessen eindeutig ablehnende Meinung was den Kriegseinsatz der Bundeswehr in Afghanistan angeht den Mächtigen
    dieser Krummenrepublik bestens bekannt ist, und diesbezüglich dieser – unter Ihren, des Staatsoberhauptes Augen - zum Mündel degradiert wurde.
    Schlagen Sie doch mal höchstamtlich ein Volksreferendum in dieser Sache vor, wenn Sie den dazu notwendigen Mut und Ehrlichkeit haben!

  3. Listen pal, your President Köhler...he`s about as powerful as the major of Baltimore, incase that hasn`t occured to you. Now if you`re going to start bombing people, I would seriously advise you tread litely.

    • joG
    • 08.09.2009 um 21:49 Uhr

    ...dass man eine Diskussion führt. Allerdings ist sie schon im Gange und man bemerkt deutlich, dass in den Medien rationaler an die Sache herangegangen wird. Es ist zwar noch ein weiter Weg, bis man im Volk die Zusammenhänge verstehen wird, dazu ist sie auch kaum formal vorbereitet, aber zumindest begínnt man ihm auszubreiten, warum man auch selbst internationale Sicherheit mit herstellen und aufrechterhalten muss und wie das mit Ländern wie Afghanistan, Suden oder Somalien zusammenhängt.

  4. Vielleicht sollten wir die Frage von Opfer und Täter erst einmal grundsätzlich klären! Berufssoldaten haben sich das Kämpfen nun einmal ausgesucht und sollten sich zumindenst während vor ihrer Berufswahl darüber auch im Klaren gewesen sein - das Sterben gehört dazu! Wehrpflichtige und Zeitsoldaten müssen nicht nach Afghanistan gehen - oder lockt doch mehr das Geld?

    Für die gesamte deutsche Politik gilt doch in dieser Angelegenheit - "die Geister die ich rief, wie werd ich sie wieder los?" Bitte nicht mit dem abstrusen Argument antworten: "Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt"

    In den 70-Jahren war ich als Zeitsoldat auch einmal so dumm und habe mir ein Feinbild einreden lassen - nur schön, dass man(n) im Alter manche Dinge aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet, doch leider lernen Politiker niemals und Lebenserfahrung zählt heute nicht mehr!

  5. I am finished talking to you.

    • lispm
    • 08.09.2009 um 22:38 Uhr

    Desinteresse der Bevölkerung ist ja wohl kaum das Problem. Ansichten der Bevölkerung werden von der Politik schlicht weg ignoriert. Die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan wird von der Bevölkerung mehrheitlich klar abgelehnt. Die Politik ignoriert das und tut alles um dieses Thema ja nicht diskutieren zu müssen.

    Ein unfähiger Verteidigungsminister 'stellt sich vor seine Soldaten' (ohne ihnen allerdings die geforderte Ausrüstung zu geben). Das will aber niemand. Der Verteidigungsminister soll sich nicht vor oder hinter jemanden stellen. Er soll die Armee führen. Er ist aktuell der Oberbefehlshaber. D.h. er macht Vorgaben, führt und lernt gemeinsam mit der Armee. Der aktuelle Verteidigungsminister ist ein Bürohengst.

    Wie soll die Bevölkerung denn nicht genervt sein, sie wird ignoriert und ein überforderter Minister sondert Statements ab, die er am nächsten Tag wieder revidieren kann.

    So geht das nicht. Der Krieg in Afghanistan dauert nun schon acht Jahre. Das Ergebnis ein korrupter Präsident. Saudischer Einfluss bringt den Islam voran. Die Sicherheitslage wird schlechter. Die Bundeswehr traut sich nicht mehr aus ihren Stützpunkte und lässt bombadieren, statt selber zu kämpfen.

    Wenn man merkt, dass das Pferd auf dem man reitet tot ist, dann soll man absteigen. Alte Indianerweisheit.

  6. Debatte und gesellschaftlicher Diskurs sind lange abgeschlossen, bloß eben nicht im Sinne der politschen Führung. So ruft denn Köhler flugs zu einer neuen auf, wobei er vorsichtshalber Verlauf und Ergebnis schon mal vorschreibt.

    Nichts ist so erbärmlich, dass es nicht zumindest noch als Lehrbeispiel für den Verlust politschen Anstands dienen kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • keox
    • 17.09.2009 um 11:59 Uhr

    das war eine kaum verhüllte Propaganda für diesen Krieg.

    Und das von der Instanz, die hierzulande die Gesetze unterschreibt.

    Man täusche sich nicht, das ist der undemokratische Ungeist des neuen Europa

    • keox
    • 17.09.2009 um 11:59 Uhr

    das war eine kaum verhüllte Propaganda für diesen Krieg.

    Und das von der Instanz, die hierzulande die Gesetze unterschreibt.

    Man täusche sich nicht, das ist der undemokratische Ungeist des neuen Europa

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service