Die Analphabetenrate ist in Afghanistan immens. Die GTZ und andere Hilfsorganisationen bauen Schulen und bilden Lehrer aus, damit Mädchen und Jungen eine Chance bekommen © David Furst/AFP/Getty Images)

ZEIT ONLINE: Terrorismus, Bürgerkrieg, Drogenanbau, Armut, fehlende Bildung. Afghanistan hat so viele Probleme, wo fängt man als Entwicklungshelfer da nur an?

Andreas Clausing: Afghanistan war fast 30 Jahre lang von Krieg und Konflikten geprägt. Es gibt zahlreiche Probleme. Für die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) gibt es verschiedene Schwerpunkte, zum Beispiel die Verbesserung des Bildungssystems und der wirtschaftliche Wiederaufbau. Wir sind aber in vielen Bereichen aktiv.

ZEIT ONLINE: Worum kümmert die GTZ sich noch?

Clausing: Im Auftrag der Bundesregierung beraten wir afghanische Ministerien zu unterschiedlichen Themen, wir bilden die Polizei aus, leisten Hilfe in Fragen der Gesetzgebung und verbessern die Infrastruktur. Die GTZ ist zudem bemüht, die ländlichen Einkommen zu verbessern und auch die Gleichstellung der Geschlechter voranzubringen.

ZEIT ONLINE: Das klingt nach großen Herausforderungen. Wie erklärt man einer in den Traditionen des Patriarchats aufgewachsenen Frau, dass sie ihrem Mann gleichgestellt ist?

Clausing: In verschiedenen Projekten machen unsere Mitarbeiter den Frauen klar, dass sie in der Verfassung festgeschriebene Rechte haben. Die GTZ arbeitet dazu auch mit lokalen Frauengruppen zusammen. Das ist kein Prozess, der von heute auf morgen abzuschließen ist. Aber wir machen Fortschritte.

ZEIT ONLINE: Unter den Taliban durften Mädchen nicht in die Schule gehen, die Jungen lernten vor allem den Koran kennen. Wie wichtig ist den Afghanen heute das Thema Bildung?

Clausing: Wir sind vor allem in der Nordregion aktiv. Dort genießt unsere Arbeit eine sehr hohe Akzeptanz. Die Mädchenschulen funktionieren nicht überall, aber wir und unsere Partner haben die Zahl der Schülerinnen stark erhöht.

ZEIT ONLINE: Über welche Zahlen sprechen wir?

Clausing: Im Jahr 2007 hatten wir einen weiblichen Anteil von nur 11 Prozent bei Schülern, Studenten und Lehrern. 2009 sind wir bei 32 Prozent. Und ich glaube, dass dieser Trend weiter geht. Für Lehramtsstudentinnen vom Land haben wir ein Internat aufgebaut. Überzeugen sie mal einen afghanischen Vater, dass seine Tochter fern der Familie studieren darf – dass dieses Projekt stattfindet, ist ein Riesensprung.