Pittsburgh

Wie die Phalanx gegen Iran geschmiedet wurde

Sie wussten von Irans zweiter Uran-Anlage. In Pittsburgh versuchten Obama, Brown, Sarkozy und Merkel, Peking und Moskau zu gewinnen, um den Druck auf Iran zu erhöhen.

Besorgt über Irans Atomprogramm: Bundeskanzlerin Merkel und Russlands Präsident Medwedjew in Pittsburgh

Besorgt über Irans Atomprogramm: Bundeskanzlerin Merkel und Russlands Präsident Medwedjew in Pittsburgh

Wo war die Bundeskanzlerin, als der amerikanische Präsident, der britische Premier und Frankreichs Präsident am Freitagmorgen Iran mit markigen Worten geißelten? Hielt sich Angela Merkel aus Rücksicht auf deutsche Wirtschaftsinteressen bedeckt? Kneift Berlin, wenn es brenzlig wird?

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Von wegen. Es war alles so geplant, bis zum letzten I-Tüpfelchen. Schon als Irans Präsident Anfang der Woche vor der Uno in New York mit Unschuldsmiene die Friedfertigkeit seiner Atompläne pries, wussten Barack Obama, Gordon Brown, Nicolas Sarkozy und Angela Merkel: Der lügt und verheimlicht uns Wesentliches.

Seit diesem Freitag steht es fest: Iran besitzt eine zweite unterirdische Anlage zur Anreicherung von Uran. Sie liegt in der Nähe der Heiligen Stadt Ghom und wird streng bewacht. Die Regierung in Teheran hat dies in einem Brief an die internationale Atomenergiebehörde IAEA bereits selber zugegeben.

Schon seit Langem wird gemutmaßt, dass die Iraner ein zweites Werk besitzen. Denn die bereits bekannte Anlage in Natanz steht unter Beobachtung der IAEA. Man weiß, dass die Hälfte der dort befindlichen Zentrifugen niedrig angereichertes Uran herstellen, insgesamt etwa 2 Kilogramm pro Tag. Wollte der Iran also waffenfähiges Atommaterial herstellen, musste er auf eine andere Fabrik ausweichen.

Bereits seit einiger Zeit richtete man sein Augenmerk auf die Bauarbeiten in der Nähe von Ghom. Amerikanische, französische und britische Geheimdienste wurden fündig. Der deutsche BND war angeblich ahnungslos. Fertig ist die Fabrik noch nicht, aber etwa 3000 Zentrifugen könnten dort eines nicht allzu fernen Tages, Iran mit hoch angereichertem Uran versorgen.

Ein klarer Rechtsbruch. Denn selbst wenn, wie Teheran behauptet, hier nur für zivile Zwecke gearbeitet werden soll, hätte die Atomenergiebehörde in Wien von Anfang an über diesen Bau informiert werden müssen. Mehrere Sicherheitsratsresolutionen verpflichten Iran dazu. Ebenso ein Abkommen mit der IAEA, an das sich Iran zwar nicht mehr gebunden fühlt, das es aber nach allgemeiner Rechtsmeinung nicht einseitig kündigen konnte. Und selbst wenn: die Bauarbeiten hatten längst vor Irans Rückzug von diesem Vertrag begonnen.

Iran hatte in diesem Sommer Wind davon bekommen, dass westliche Geheimdienste ihm auf die Spur gekommen waren. Sie konnten ihre Pläne nicht mehr geheim halten, kamen hinter den Kulissen immer stärker unter Druck – und gestanden in einem Brief.

Amerikaner, Briten, Franzosen und Deutsche berieten sich diese Woche während der UN-Versammlung und unterrichteten Russen und Chinesen. Die Vier entschieden, in Pittsburgh auf dem G20-Gipfel zu handeln. Die Zeit drängt, am 1. Oktober sitzen sie in Genf mit Iran am Verhandlungstisch. Dort werden die P5-plus-1-Gespräche fortgesetzt. P5 sind die 5 Atommächte und permanenten Mitglieder des Sicherheitsrates Amerika, Frankreich, Großbritannien, Russland und China. "1" ist das für diese Verhandlungen hinzugezogene Deutschland.

Am Donnerstagabend brüteten Vertreter der vier westlichen Staaten streng abgeschirmt über einer gemeinsamen Iranerklärung und einigten sich kurz vor Mitternacht. Russen und Chinesen setzte man sofort in Kenntnis. Der russische Präsident, heißt es, sei dank des deutschen und amerikanischen Werbens mit im Boot.

Ob Dimitrij Medwedjew allerdings am Ende, wenn die Genfer Gespräche keinen entscheidenden Fortschritt bringen sollten, auch für verschärfte Sanktionen stimmen wird, bleibt ungewiss. "Die Russen unterstützen unsere härtere Gangart," sagte ein deutscher Vertreter in Pittsburgh, "aber bei Zwangsmaßnahmen sind wir noch nicht angelangt."

China ist nach wie vor ein unsicherer Kandidat. Das Reich der Mitte ist, wie hier in Pittsburgh überdeutlich wurde, inzwischen wirtschaftlich tief verflochten mit Iran. Doch Amerikaner und alle anderen wissen: Nur wenn Peking mitzieht, würden Sanktionen den Iran wirklich schmerzen.

Schließlich trat die Bundeskanzlerin als Erste vor die Kameras und sprach von einer "ernsten Situation". Eine gute Stunde später erklärten sich dann Amerikaner, Franzosen und Briten der Presse. Die Bundeskanzlerin habe einen anderen Termin, sagte Barack Obama, aber stehe voll und ganz hinter der gemeinsamen Erklärung.

Angela Merkel frühstückte derweil mit dem russischen Präsidenten. Diesen Termin, da waren sich alle einig, sollte man um keinen Preis verschieben oder gar entfallen lassen. Denn auf die Russen kommt es in Sachen Iran entscheidend mit an. Wenn sie bis zum bitteren Ende mitmachen, so das Kalkül, wird sich hoffentlich auch China nicht dazwischen stellen, wenn der UN-Sicherheitsrat Iran die Daumenschrauben anlegt.

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Leser-Kommentare

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  1. Iran im Kreuzfeuer. Ist das verhältnismäßig?
    Jede Bewegung wird beobachtet, was vielleicht auch provoziert, ein wenig mehr zu wagen.
    Iran wird zum Fokus - man lenkt von eigenen Problemen ab und spult sich ungeheuer auf.
    Man sollte lieber anfangen, sein eigenes Waffenarsenal zu verschrotten.
    Genau jetzt wäre hier der Punkt zu zeigen, daß es einem ernst damit ist. Und nicht nur schöne Worte.
    Was soll dieses Geschrei. Es ist alles unter Aufsicht, alles in Verhandlung. Im Gegensatz dazu halten es andere Länder nicht einmal für nötig, eigene Atomwaffen anzuzeigen.
    Und wahrscheinlich liegt hier genau der Hund begraben: Will man ernsthaft die Atombombe ächten, so bedeutet das, daß auch Israel davon betroffen ist.
    Das ist der Hintergrund des Getöses.

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    ..., hätte ich es nicht ausdrücken können!

    Entschuldigung, ich glaube du hast den Text nicht richtig gelesen.

    "Was soll dieses Geschrei. Es ist alles unter Aufsicht, alles in Verhandlung."

    Das stimmt einfach nicht. Es wird verborgen, es wird gelogen!

  2. ..., hätte ich es nicht ausdrücken können!

    Antwort auf "Wie die Geier"
  3. Ich kann überhaupt nicht zustimmen. Die fünf großen Atommächte haben 60 Jahre nach Erreichen dieses Status eine gute Bilanz: Kein nuklearer Schlag seit 1945 und keine Anzeichen, dass sich das ändern würde. Iran hat nicht die gleiche Glaubwürdigkeit - höre man sich nur die Reden an: Den Holocaust gab es nie und natürlich auch keine Schwulen im Iran. Wahnsinnig oder bösartig, weder noch schenkt mir das Vertrauen, dass Atomwaffen hier in ruhigen Händen lägen. Allein durch ihre Existenz wären sie eine massive Stärkung einer Diktatur, mit der wir auf Freundschaft nicht zu hoffen brauchen, die unser auch unwürdig wäre.

    • 25.09.2009 um 21:24 Uhr
    • halk

    "Vor einigen Monaten schon hatten amerikanische und französische Geheimdienste herausgefunden, dass Iran nicht nur über die bereits bekannte atomare Anreicherungsanlage in Natanz verfügt, sondern heimlich ein zweites Werk in der Nähe der heiligen Stadt Ghom besitzt."

    Amerikanische Geheimdienste? Stichwort Irak

  4. "Der lügt und verheimlicht uns Wesentliches."
    Was ist denn daran so wesentlich?
    Der Iran hat doch diese neue Anlage zur Anreicherung de IAEO gemeldet.
    Und die Anreicherung für zivile Zwecke ist das Recht des Iran.
    Nach dem Sperrvertrag, den der Iran unterzeichnet hat.
    Wird jetzt die Propaganda-Maschine gegen den Iran wieder hochgefahren?
    Der nächste Krieg vorbereitet? Ist Obama völlig eingeknickt?
    Jedenfalls gibt es lt. IAEO keine harten Fakten, die die Entwicklung einer militärischen Nutzung der Atomenergie im Iran stützen.

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    ja ja   BettyFord

    >>... Jedenfalls gibt es lt. IAEO keine harten Fakten, die die Entwicklung einer militärischen Nutzung der Atomenergie im Iran stützen.<<

    welch überraschung!
    solange [entfernt: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und vermeiden persönliche Angriffe. Die Redaktion/ altun] al-baradei der iaea vorsteht, sind deren verlautbarungen keinen pfifferling wert. wie der friedensnobelpreisträger (auf wunsch der gottesstaatler in devotem eifer) mit jenen verfährt, die ihren job ernst nehmen, wissen wir ja noch aus der "charlier"-affäre:

    http://www.welt.de/print-...

    na ja, in zwei monaten geht der mann eh in rente.

    übrigens: was hat die erwägung militärischer mittel zur rückstufung des iranischen atomwaffen-programms mit "kriegshetze" zu tun?? als die iaf vor zwei jahren die, offenbar mit unterstützung nordkoreas errichteten, nuklearanlagen in syrien ausknipste, beschränkten sich die konsequenzen dieser präventivmaßnahme im großen und ganzen auf die schmollgesichtigen nörgeleien al-baradeis, der sich vom cia bei seinen ermittlungen schmählich übergangen fühlte. die kriegshetzer sitzen in teheran (und in den klein-teherans in gaza, libanon etc.). die sind es, die unablässig von krieg, vernichtung und globalem jihad schwatzen. oder etwa nicht?

    ... Nutzung der Atomenergie im Iran stützen."

    Darum geht es ja auch nicht. Es geht darum, dass Iran das Werk nicht anmeldete. Das war Vertragsbuch. Auch ist von Aussen schwer nachzuweisen, dass der Iran keine militärische Verwendung des Atomprogramms verfolgt. Die IAEO hat Vorgänge jedoch festgestellt, die sie nur mit solchen militärischen Vorbereitungen erklären kann. Da aber Iran der Atomkommission nicht nachweist wie das zu erklären ist, aber dazu verpflichtet ist (Sicherheitsratsbeschluß) liegt die Annahme nahe, dass es sich tatsächlich um militärische Nutzung handelt. Das Risiko wird offenbar von allen als hoch angesehen.

    Also warum nicht die Inspektoren inspizieren lassen? Das wäre ganz einfach und täte niemandem weh.

  5. Hatte nicht gedacht, dass es so dick kommen würde. Krieg steht also wieder auf dem Programm. Netajahu hat auf seiner Europareise ganze Arbeit geleistet.
    Die Zynik ist nicht zu überbieten. Nachdem sich die westliche Welt über ein paar Strassenschlachten und angeblich gefälschte Wahlen erbost gezeigt hat, schickt sie sich nun an, denselben Iranern einen auf den Pelz zu brennen.

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    Hmmm...   tiwalodika

    "Nachdem sich die westliche Welt über ein paar Strassenschlachten und angeblich gefälschte Wahlen erbost gezeigt hat, schickt sie sich nun an, denselben Iranern einen auf den Pelz zu brennen."

    Ich denke jetzt ist klar mit wessen Geistes Kinde wir es hier zu tun haben.

  6. Wir wissen natürlich nicht was Herr Klingst in der Schule gelesen hat, ich musste noch "De bello Gallico" von einem gewissen Gaius Iulius Caesar im Original lesen und übersetzen.

    Für mich sehen die drei traurigen Gestalten auf der zeit.de-Startseite deshalb auch nicht wie eine Phalanx aus, sondern eher wie drei gescheiterte Gestalten auf dem Weg zum Schafott.

    Kein Wunder ist doch allen dreien die "Krise" längst über den Kopf gewachsen. Und gegen schachspielende Mullahs mit galaktischen Öl- Und Gasreserven haben diese halbseidenen Blackjack-Luftnummern beim nächsten Treffen im Oktober nicht den Hauch einer Chance.

    Und auch im Dezember nicht, und im März auch nicht ....

  7. 8. ja ja

    >>... Jedenfalls gibt es lt. IAEO keine harten Fakten, die die Entwicklung einer militärischen Nutzung der Atomenergie im Iran stützen.<<

    welch überraschung!
    solange [entfernt: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl und vermeiden persönliche Angriffe. Die Redaktion/ altun] al-baradei der iaea vorsteht, sind deren verlautbarungen keinen pfifferling wert. wie der friedensnobelpreisträger (auf wunsch der gottesstaatler in devotem eifer) mit jenen verfährt, die ihren job ernst nehmen, wissen wir ja noch aus der "charlier"-affäre:

    http://www.welt.de/print-...

    na ja, in zwei monaten geht der mann eh in rente.

    übrigens: was hat die erwägung militärischer mittel zur rückstufung des iranischen atomwaffen-programms mit "kriegshetze" zu tun?? als die iaf vor zwei jahren die, offenbar mit unterstützung nordkoreas errichteten, nuklearanlagen in syrien ausknipste, beschränkten sich die konsequenzen dieser präventivmaßnahme im großen und ganzen auf die schmollgesichtigen nörgeleien al-baradeis, der sich vom cia bei seinen ermittlungen schmählich übergangen fühlte. die kriegshetzer sitzen in teheran (und in den klein-teherans in gaza, libanon etc.). die sind es, die unablässig von krieg, vernichtung und globalem jihad schwatzen. oder etwa nicht?

    Antwort auf "Kriegshetze?"
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    denn in den letzten 60 Jahren sich aus einen Krieg begonnen?
    .
    Und wer begann den Libanon-Krieg 2006, den Gaza-Krieg 2008,
    den 6-Tage-Krieg 1967, den Suez-Krieg 1956?
    .
    Und wer hat kein Problem damit, Menschen mit anderer Religion und
    Natiuonalität die allgemeinen Menschenrechte abzusprechen?
    Und welche Besatzungsmacht unterdrückt grundsätzlich JEDE friedliche
    Demonstration gegen die Besatzung mit Gewalt?
    Und in welcher Regierung hat ein ausgewiesener Rassist die Funktion eines Aussenministers (ganz abgesehen von anderen rechtsradikalen
    Regierungsmitgliedern)?

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  • Von Martin Klingst
  • Datum 26.9.2009 - 08:21 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE
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  • Schlagworte Iran | Atomwaffe | USA | Barack Obama
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