Atomstreit Was will Iran?

Im Streit um sein Atomprogramm fühlt sich das Regime in Teheran am längeren Hebel. Die Atomenergiebehörde in Wien befasst sich ab heute mit dem jüngsten Bericht aus Iran

IAEA-Chef ElBaradei wird sich erneut mit dem Bericht zum iranischen Atomprogramm beschäftigen

IAEA-Chef ElBaradei wird sich erneut mit dem Bericht zum iranischen Atomprogramm beschäftigen

Chefunterhändler Saeed Jalili weiß, dass er die Wogen glätten muss: "Iran ist bereit zu kooperieren, um die internationalen Sorgen zu verringern", beschwichtigte er dieser Tage den Westen und kündigte für diese Woche ein überarbeitetes Verhandlungspaket seines Landes zum Atomprogramm an, was "die globalen Ereignisse des letzten Jahres einschließlich der Weltrezession und der Krise um Georgien mitberücksichtigt". Was er damit konkret meint, das sagte der oberste Teheraner Atomdiplomat nicht. Bei bisherigen Begegnungen war er seinen westlichen Gesprächspartner meist mit stundenlangen Klagereden und theologischen Belehrungen auf die Nerven gegangen, konnte aber nie mit substantiellen Angeboten aufwarten.

In Wien debattiert ab Montag die Atomenergiebehörde IAEA in ihrer Herbstsitzung über den jüngsten Bericht zu Iran. Und auf dem G-20-Gipfel in Pittsburgh am 24. und 25. September könnte eine neue Runde von Sanktionen zur Debatte stehen. Denn in den westlichen Staatskanzleien rechnet man auch diesmal nicht mit einem Durchbruch, zumal ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums wissen ließ, die neuen Vorschläge drehten sich ausschließlich "um globalen Frieden, Sicherheit und Gerechtigkeit".

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Das nährt in den USA und Europa den Verdacht, der Islamischen Republik gehe es – wie in allen Jahren zuvor – auch bei ihrer jüngsten diplomatischen Offensive nur darum, die akuten diplomatischen Spannungen abzufedern und Zeit zu gewinnen, bis die noch fehlenden Kapazitäten bei der heimischen Benzin-Raffinerie aufgebaut sind. "Wir sind auf weiteren Druck durch Sanktionen vorbereitet“, prahlte Präsident Ahmadinedschad dann auch am Wochenende in einer Rede vor Veteranen und fügte hinzu: "Es ist ein schwerer Fehler zu glauben, dass wir bei Anschuldigungen, Unhöflichkeiten oder Beleidigungen nachgeben und auf unsere nuklearen Rechte verzichten.“

Irans Regime fühlt sich am längeren Hebel. Es weiß, dass Russland und China für Spritsanktionen nicht zu haben sind. Und auch der in dem letzten IAEA-Bericht geäußerte Verdacht, Teheran versuche neben der Unrananreicherung auch einen Sprengkopf für eine Atomrakete zu konstruieren und Antriebstechnik für Mehrfachsprengköpfe zu entwickeln, wird ruppig vom Tisch gewischt. "Das sind alles gefälschte Dokumente“, schrieb der iranische Botschafter bei der IAEA in einem achtseitigen Brief an den Chef der Behörde, Mohamed ElBaradei.

Dies sieht man in Wien jedoch anders. Nach Angaben der IAEA stammt die entsprechenden Informationen aus verschiedenen Quellen und unterschiedlichen Zeiträumen – darunter auch Videos, die nach westlicher Überzeugung geheime Nuklearlabors zeigen. Den Kern bildet offenbar das so genannte Laptop-Material, welches der amerikanische Geheimdienst 2004 von einem iranischen Atomwissenschaftler zugespielt bekam. Anders als bei den gefälschten Unterlagen über den angeblichen 500-Tonnen-Urankauf von Saddam Hussein im Niger, halten IAEA-Experten die iranischen Dokumente für authentisch. Allein schon die Menge des Materials, aber auch das Ausmaß an Einzelheiten, einschließlich Namen, Orte und Institute, sprächen dafür, heißt es in Wien.

Und so denkt auch der ehemalige Atominspektor David Albright, Chef des angesehenen "Institute for Science and Security (ISIS)", in iranischen Atomfragen der am besten informierte Think Tank in Washington. Seine Prüfung habe keinerlei Hinweise auf Fälschungen ergeben, sagt er. Allerdings reichten die Dokumente alleine nicht aus, zu belegen, "dass Iran ein Atomwaffenprogramm betreibt". Auch seien die Forschungen an einem Raketenantrieb für Mehrfachsprengköpfe kein Beweis dafür, dass das Regime eine Atomrakete bauen wolle. "Denn von einem Atomsprengkopf ist in den Texten nicht die Rede“, schreibt Albright in seiner Analyse. Doch der Verdacht bleibt, auch weil Teheran sich seit Jahren weigert, für Aufklärung zu sorgen. "Leider war die IAEA nicht in der Lage, mit Iran irgendwelche substantiellen Gespräche über diese unbeantworteten Aspekte zu führen“, lautet das Fazit von IAEA-Chef ElBaradei in seinem jüngsten Bericht.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 07.09.2009 um 8:10 Uhr

    ...wenn sie weiterhin an einer Bombe basteln? Zwar haben Deutschland und andere EU Länder endlich ihren Handel reduziert und sabotieren damit nicht mehr die Sanktionen so sehr. Dem entgegen stehen China, Russland und einige weitere Länder bereit. Schärfere Sanktionen sind ohnehin kaum im Sicherheitsrat zu erwarten solange ElBaradei nicht drängt. So werden sie eine Atomwaffe und verbesserte Trägersysteme komplettieren und mobilisieren. Damit fällt Europa in den Iranischen Einflussbereich.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich Europa schützt.

  1. Ein mit Atomwaffen gerüstetes Regime in Iran wird zwangsläufig zu einem Wettrüsten in der Region führen. Länder wie Saudi Arabien und andere arabischen Länder sehen dann in diesem Regime eine existenzielle Bedrohung und wollen sich mit Atomwaffen auch schützen können. Die Ideologie dieses Regimes betrachtend sind die Befürchtungen des Westens und der ganzen Welt nachvollziehbar.

  2. "Ein mit Atomwaffen gerüstetes Regime in Iran wird zwangsläufig zu einem Wettrüsten in der Region führen."
    Wer erfindet nur immer solche fadenscheinigen Mantras

    Das Wettrüsten in der Region ist längst im Gange. Und zwar nicht wegen der iranischen Atomwaffen.

    Solange es in der Region ein Land gibt, dass Eroberungskriege führt, Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen besitzt und sich einen Dreck um die Genfer Konventionen schert, sollte man sich als Freund dieses Landes anständigerweise mit Sanktionsdrohungen und zu dreisten Lügen etwas zurückhalten!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich bin es ebenfalls leid, dass sich gerade Staaten, die selbst im Besitz von Atomwaffen sind und ständig andere Länder überfallen oder ihnen das Gebiet wegnehmen, über den Iran mit seinem Atomprogramm - was man Wettrüsten nennt in diesen Kreisen - aufregen und mit Sanktionen drohen.
    Urananreicherung? Sogar Deutschland hat eine Anlage, die USA mehrere, Japan, China, Frankreich, Russland haben Anlagen ..... Also was soll diese Aufregung?

    Ich bin es ebenfalls leid, dass sich gerade Staaten, die selbst im Besitz von Atomwaffen sind und ständig andere Länder überfallen oder ihnen das Gebiet wegnehmen, über den Iran mit seinem Atomprogramm - was man Wettrüsten nennt in diesen Kreisen - aufregen und mit Sanktionen drohen.
    Urananreicherung? Sogar Deutschland hat eine Anlage, die USA mehrere, Japan, China, Frankreich, Russland haben Anlagen ..... Also was soll diese Aufregung?

  3. Leider ist das wahre Gesicht und die Ideologie dieses Regimes nicht vielen Menschen bekannt. Ein Regime, das so brutal gegen das eigene Volk vorgeht und sie belügt(gemeint Wiederwahl Ahmadinejads und etliche andere Sachen), Terror unterstützt und die Menschenrechte im eigenen Land nicht einhält sowie den Islam in der ganzen Welt voranbringen will(Khomeini)und somit die Herrschaft über die Welt beansprucht, sind die Befürchtungen allzu berechtigt und legitim. Es wird nicht bestritten, dass es ein Land in der Region gibt, das sich seit 60 Jahren an keiner internationalen gesetzgebung hält, trotzdem ist die wahre Gefahr das Regime in Tehran.

  4. 5.

    "Solange es in der Region ein Land gibt, dass Eroberungskriege führt, Atomwaffen und andere Massenvernichtungswaffen besitzt und sich einen Dreck um die Genfer Konventionen schert, sollte man sich als Freund dieses Landes anständigerweise mit Sanktionsdrohungen und zu dreisten Lügen etwas zurückhalten!"

    Meinen Sie Israel? Denn das alles trifft auf Israel wunderbar zu.

    • FahadA
    • 07.09.2009 um 21:55 Uhr

    Albright ist, wenn man der Analyse Scott Ritters glauben darf, vor allem ein selbst ernannter ehemaliger Inspektor der Wiener Atomenergiebehörde: http://www.truthdig.com/r...
    Das angebliche Green Salt Project und der in 2004 dem Westen zugespielte Laptop tauchen in jedem Bericht der IAEA der letzten Jahre auf("alleged studies"). Der Iran geht davon aus, dass die Informationen gefälscht wurden, eine Position die, wenn auch ärgerlich, durchaus verständlich ist, der man aber nur begegnen kann, wenn man Tehran diese Information im Original zur Verfügung stellen würde, so dass der Iran das angebliche Missverständnis aufklären kann. Das ist bisher nicht geschehen, wird aber von ElBaradei in allen Berichten der IAEA der letzten Jahre angemahnt, um die Angelegenheit endlich aus der Welt zu schaffen (so oder so).
    ElBaradei hat sich heute noch einmal vehement dagegen verwahrt, dass die IAEA Informationen zum iranischen Atomprogramm zurückhalte:
    http://news.bbc.co.uk/2/h...
    Hier ist wieder einmal eine Menge Politik im Spiel. Albright selbst und sein Institut ISIS versuchen den Eindruck, den die IAEA in ihrem aktuellen Bericht angeblich hinterlassen hatten, zu relativieren, dass Iran die (niedrige) Anreicherung von Uran in den letzten Monaten verringert habe:
    http://www.isis-online.or...

    Mehr dazu hier: http://aliqapoo.wordpress...

  5. warum ihr so hartnäckig versucht, den Iran publizistisch sturmreif zu schießen.
    Bei Irak war das ja trotz all der grotesken Lügen um die Massenvernichtungswaffen ganz gut gelungen.

    Allerdings scheint sich die Zeit rascher zu wenden als die Propaganda der ach so freien Welt zu folgen vermag.

    Es wird kein einziger dieser infamen Desinformationen vergessen werden. Der Hass staut sich. Leider wird daraus der Stoff entstehen, der sich eines Tages gegen den Ausgangspunkt all dieser Hetze richten wird.

    • Anonym
    • 09.09.2009 um 20:30 Uhr

    "Leider wird daraus der Stoff entstehen, der sich eines Tages gegen den Ausgangspunkt all dieser Hetze richten wird."
    Der da wäre? Europa? Oder wieder mal Amerika?

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