Großbritannien Soll man mit Faschisten reden?
Trotz heftiger Proteste durfte der Rechtsextremist Nick Griffin in einer wichtigen BBC-Talkshow auftreten. Eine richtige Entscheidung, kommentiert Jürgen Krönig
© Peter Macdiarmid/Getty Images

Durch die Hintertür zur BBC-Talkshow: Nick Griffin, Chef der faschistischen British National Party auf dem Weg ins Studio
London
Die britische BBC wird oft und durchaus zu Recht gescholten für einen verhuschten moralischen Relativismus, der immer noch viele ihrer Programme durchzieht. Jetzt jedoch verdient die Sendeanstalt uneingeschränktes Lob. Sie widersetzte sich standhaft dem politischem Druck, Nick Griffin - Chef der rechtsextremistischen British National Party - nicht in der Talk-Sendung Question Time auftreten zu lassen. Die wütenden Demonstranten vor den Toren des Senders, die gewaltsam versucht hatten, den Auftritt des Rechtsextremisten zu verhindern und auch die meisten Zuschauer drinnen im Saal, die vor lauter Abscheu den BNP-Politiker nicht zu Wort kommen lassen wollten, sind daher im Unrecht. Genauso wie jene Labour-Minister, die bis zuletzt darauf gedrängt hatten, Griffin auszuladen und dem öffentlich-rechtlichten Sender vorwarfen, faschistischer Propaganda Vorschub zu leisten.
Recht dagegen hat BBC-Generaldirektor Mark Thompson, der angesichts des öffentlichen Aufruhrs mit dem kühlen Hinweis reagierte, "wer gegen die Einladung für den BNP Politiker argumentiert, plädiert für Zensur". Dem ist ohne Einschränkung zuzustimmen. Solange die BNP als legale Partei gilt, stehen ihr die gleichen Rechte zu wie anderen Parteien. Meinungsfreiheit bewährt sich erst dann, wenn sie auch das Recht garstiger Leute garantiert. In Großbritannien wird das Prinzip der Meinungsfreiheit so hoch eingestuft, dass man es vermieden hat, selbst die Leugnung des Holocausts unter Strafandrohung zu stellen, anders als in Deutschland und einer Reihe kontinentaleuropäischer Staaten.
Im Übrigen ist nicht die BBC verantwortlich dafür, dass Griffin in einer ihrer Flaggschiffsendungen auftreten konnte - es waren eine Millionen Wähler, die dafür gesorgt haben, als sie der BNP bei der vergangenen Europawahl zu zwei Parlamentssitzen verhalfen und zu dutzenden von Mandaten in Stadt- und Gemeinderäten. Die BNP zu ignorieren und Griffin angesichts des öffentlich Drucks vielleicht gar noch auszuladen, wäre nicht nur ein schwerer Verstoß gegen demokratische Prinzipien gewesen. Es hätte dem Vorwurf neue Nahrung gegeben, dass die kulturellen und medialen Eliten des Landes weiterhin mit zweierlei Maß messen.
Repräsentanten des totalitären Islamismus, die "Tod der Demokratie" fordern, waren wiederholt in der BBC zu vernehmen. Ein gewisser George Galloway, Vorsitzender der Respect Partei, wurde und wird immer wieder zu Sendungen der BBC eingeladen, obwohl er bekannt ist als Verehrer von Stalin und Saddam Hussein und sich nicht zu einem einzigen Wort der Distanz zu diesen beiden genozidalen Massenmördern bereit gefunden hat. Anders als Nick Griffin, der sich, scheinheilig und verlegen grinsend, bereit fand, einzugestehen, dass Hitler doch zu weit gegangen sei.
Es steht außer Zweifel, dass die BNP eine durch und durch unappetitliche Organisation ist. Die BNP ist eine neofaschistische, im Kern rassistische Partei, die sich krampfhaft um ein wohlanständiges Erscheinungsbild bemüht, um ihre Wahlchancen zu verbessern. Ihr Parteiführer Nick Griffin ist mittelmäßig, unattraktiv und rhetorisch unbegabt und kann nicht einmal im Entferntesten den Vergleich mit einer Figur wie der von Le Pen in Frankreich standhalten. Es mag sich als positiver Nebeneffekt der BBC-Sendung erweisen, Nick Griffin einer breiteren Öffentlichkeit als unerfreulichen Zeitgenossen vorgeführt zu haben, oft "shifty" wirkend, ausweichend, um halbherzige Distanzierung von früheren Aussagen bemüht, wie seiner Leugnung des Holocaust oder abfällige Urteile über Farbige.
Die entscheidende Frage aber, die sich etablierte Parteien wie empörtes Kommentariat stellen sollten, ist nicht, ob dieser TV-Auftritt den Neofaschisten geschadet oder genutzt hat. Sie muss vielmehr lauten, wie es soweit kommen konnte, dass in der britischen Nation, die bislang insgesamt gesehen erfreulich immun war gegen extremistische Exzesse, so viele Menschen für die BNP stimmten. Zumindest ein Teil der Antwort liegt in der lähmender Ängstlichkeit, die sich breit gemacht hat und die Ergebnis der Ideologie des moralischen Relativismus ist.
Niemand wagt es, offen über Probleme zu reden, die als Folge einer langen Phase unkontrollierter Immigration aufgetreten sind - weil man den allgegenwärtigen Vorwurf des "Rassismus" fürchtet. Kaum jemand wagt es, die unakzeptablen Seiten islamischer Kultur anzusprechen, etwa die Unterdrückung der Frau, die nicht mit den Wertvorstellungen freier, demokratischer Gesellschaften zu vereinbaren sind. Bezeichnend, dass in der BBC-Sendung kein Politiker der etablierten Parteien etwas zu sagen wagte, als Nick Griffin, seine Ablehnung des Islam unter anderem mit der Unterdrückung der Frau begründete. Der moralische Relativismus, schreibt die Times-Kolumnistin Antonia Senior, mag im Rückzug sein, aber er wirke nach und lähmt die Fähigkeit, Probleme offen und nüchtern anzusprechen.
Wozu auch die Entfremdung eines Teils der traditionellen Arbeiterschicht gehört, die an der Front der Einwanderungsgesellschaft leben und ihre Nachteile ertragen muss, anders als die "bien pensant" in den lauschigen Vororten. Darauf ist das Erstarken der BNP zurückzuführen. Hätte die BBC sich dem politischen Druck gebeugt und Nick Griffin ausgeladen, wäre das eigentliche Problem nur noch drängender geworden.
- Datum 23.10.2009 - 18:18 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Das sollte man so lange tun, bis alle verstanden haben, was Faschismus heißt: Abschaffung der Demokratie.
Die Holocaust-Frage stellt sich im Ausland grundsätzlich anders als in Deutschland. Das ist deutsches Schicksal - oder die Unfähigkeit der Deutschen, Hitler etwas dagegenzuhalten.
grundsätzlich anders als in Deutschland. Das ist deutsches Schicksal - oder die Unfähigkeit der Deutschen, Hitler etwas dagegenzuhalten."
Sie meinen das sei der Grund, wesshalb man in Deutschland das Thema in der Öffentlichkeit nur einseitig vortragen darf? Es wäre sonst den meisten Deutschen zu peinlich? Das ist böse!
Es war nicht die Unfähigkeit DER Deutschen Hitler etwas entgegenzusetzen. Es war die Unfähigkeit der bürgerlichen Parteien! Schließlich haben die für das Ermächtigungsgesetz gestimmt, wie z.B. auch Theodor Heuss der spätere erste Bundespräsident.
grundsätzlich anders als in Deutschland. Das ist deutsches Schicksal - oder die Unfähigkeit der Deutschen, Hitler etwas dagegenzuhalten."
Sie meinen das sei der Grund, wesshalb man in Deutschland das Thema in der Öffentlichkeit nur einseitig vortragen darf? Es wäre sonst den meisten Deutschen zu peinlich? Das ist böse!
Es war nicht die Unfähigkeit DER Deutschen Hitler etwas entgegenzusetzen. Es war die Unfähigkeit der bürgerlichen Parteien! Schließlich haben die für das Ermächtigungsgesetz gestimmt, wie z.B. auch Theodor Heuss der spätere erste Bundespräsident.
Ich habe die Diskussion um die Sendung bei Twitter verfolgt und danach einen Zusammenschnitt gesehen. Natürlich hat sich Griffin - wie die meisten seiner Gegner, auch ich, es gerne sehen wollten - lächerlich gemacht. Aber die Labour-Abgeordnete Diane Abbott hat Recht, wie Reaktionen auf YouTube und Twitter zeigten: "...die Menschen, die sich zu der BNP hingezogen fühlen, werden sagen, Griffin sei ein Opfer. Es ist sehr gefährlich, einer faschistischen Partei mitten in einer Rezession zu Glaubwürdigkeit zu verhelfen."
Zudem haben Griffin und seine Unterstützer leider mal Recht: Er ist (aufgrund seiner verabscheuungswürdigen rassistischen, dummen, verlogenen und antidemokratischen Ansichten) in der Sendung nicht wie ein "normaler" Politker, der in dieser Sendung auftritt, behandelt worden. Alles hat sich auf ihn konzentriert und alle gaben sich redlich Mühe, ihn als das [...] darzustellen, was er ist.
[Anmerkung: Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Die Redaktion/vv]
Natürlich begrüße ich das als Gegnerin, aber somit war doch die ganze Sache eine Farce *und* er und seine Freunde haben noch eine Plattform bekommen. Jetzt verklagt er, wenn ich Richtig informiert bin, sogar die BBC noch für diese Behandlung.
"Alles hat sich auf ihn konzentriert und alle gaben sich redlich Mühe, ihn als das Arschloch darzustellen, was er ist. "
Das ist ja auch bei deutschen Regionalsendern die Strategie gegenüber der NPD. Damit zeigt man aber gerade nur, wie Toleranz und Diskurs in einer Demokratie nicht aussehen sollten, gibt also ein Negativbeispiel hinsichtlich der Werte, die man vorgeblich vertritt.
Man kann die Kernaussagen von Jürgen Krönig getrost auf Deutschland übertragen, sind die Grundprobleme doch sehr vergleichbar und nach langer ideologisch geprägter Verharmlosung eines ungeregelten Immigrationsstroms ohne Forderungen an ebenselbe verbal erstarrt. Schon der Gedanke gesteuerter Immigration in Verbindung mit Forderungen an den Immigrationswillen sind als rassistisch gebrandmarkt. Das Gedankengefängnis ist evident.
Die gleichen linken Kreise, die politisch Rechtsaussenstehende das Wort abreden und auf Demokratie pfeifen, stellen sich vor verfassungsfeindliche Äusserungen von Mitgliedern der Partei die Linke mit dem Argument, sie seien ja demokratisch gewählt und haben deshalb ein Recht auf Artikulation (Renate Künast u.a.m.).
Kann man tatsächlich so gewissenlos mit zweierlei Mass messen?
"Alles hat sich auf ihn konzentriert und alle gaben sich redlich Mühe, ihn als das Arschloch darzustellen, was er ist. "
Das ist ja auch bei deutschen Regionalsendern die Strategie gegenüber der NPD. Damit zeigt man aber gerade nur, wie Toleranz und Diskurs in einer Demokratie nicht aussehen sollten, gibt also ein Negativbeispiel hinsichtlich der Werte, die man vorgeblich vertritt.
Man kann die Kernaussagen von Jürgen Krönig getrost auf Deutschland übertragen, sind die Grundprobleme doch sehr vergleichbar und nach langer ideologisch geprägter Verharmlosung eines ungeregelten Immigrationsstroms ohne Forderungen an ebenselbe verbal erstarrt. Schon der Gedanke gesteuerter Immigration in Verbindung mit Forderungen an den Immigrationswillen sind als rassistisch gebrandmarkt. Das Gedankengefängnis ist evident.
Die gleichen linken Kreise, die politisch Rechtsaussenstehende das Wort abreden und auf Demokratie pfeifen, stellen sich vor verfassungsfeindliche Äusserungen von Mitgliedern der Partei die Linke mit dem Argument, sie seien ja demokratisch gewählt und haben deshalb ein Recht auf Artikulation (Renate Künast u.a.m.).
Kann man tatsächlich so gewissenlos mit zweierlei Mass messen?
"Alles hat sich auf ihn konzentriert und alle gaben sich redlich Mühe, ihn als das Arschloch darzustellen, was er ist. "
Das ist ja auch bei deutschen Regionalsendern die Strategie gegenüber der NPD. Damit zeigt man aber gerade nur, wie Toleranz und Diskurs in einer Demokratie nicht aussehen sollten, gibt also ein Negativbeispiel hinsichtlich der Werte, die man vorgeblich vertritt.
Da finde ichs dann ehrlicher die Leute gar nicht einzuladen, weil man Antidemokraten und Rassisten nicht haben will. Will man ja auch so - richtiger Weise - nicht.
Da finde ichs dann ehrlicher die Leute gar nicht einzuladen, weil man Antidemokraten und Rassisten nicht haben will. Will man ja auch so - richtiger Weise - nicht.
...wenn alle reden dürfen.
Die Abstimmung zeigt dann, wer überzeugen konnte. Das schönste Beispiel hierfür ist Speakers Corner im Londoner Hyde Park. Jeder darf reden, jeder findet seine Zuhörer, jeder kann frei entscheiden, welcher Meinung er zugetan sein möchte.
Deutsche, vorauseilende Meinungszensur hat mit Demokratie aber auch gar nichts zu tun.
Jüngstes positives Beispiel: Henryk Broder möchte die Zensur zur Holocaust-Diskussion abschaffen.
Ich schließe mich dem an. In einer gesunden Demokratie können auch Rechtsextreme ihre Meinung äußern - das ist sogar unvorstellbar wichtig, da man nur so deren Argumente öffentlich und eindrucksvoll widerlegen kann. Eine Demokratie, welche auf Abschirmung vor diversen Tendenzen basiert, muss früher oder später untergehen, da die Mehrheit die abgeschirmte Gefahr einfach nicht erkennen und einschätzen kann.
Ich schließe mich dem an. In einer gesunden Demokratie können auch Rechtsextreme ihre Meinung äußern - das ist sogar unvorstellbar wichtig, da man nur so deren Argumente öffentlich und eindrucksvoll widerlegen kann. Eine Demokratie, welche auf Abschirmung vor diversen Tendenzen basiert, muss früher oder später untergehen, da die Mehrheit die abgeschirmte Gefahr einfach nicht erkennen und einschätzen kann.
der kummunismus war mindestens genauso furchtbar wie der nationalsozialismus.
was wir jetzt bekommen ist islamismus und schon wieder ist das volk blind und taub. diesmal wird es bürgerkriege geben. doch keine angst,das werden wir nicht mehr erleben. wegen dieser falschen politik werden sich unsere kindeskinder die köpfe einschlagen lassen müssen. und wieder werden die schuldigen darür nicht bezahlen, weil sie dann schon auf dem friedhof liegen.
"Ihr Parteiführer Nick Griffin ist mittelmäßig, unattraktiv und rhetorisch unbegabt und kann nicht einmal im Entferntesten den Vergleich mit einer Figur wie der von Le Pen in Frankreich standhalten."
Wie bitte? War nicht Le Pen bis jetzt die Inkarnation von Rassismus und Nationalismus, für einheimischen Medien die Unperson in der französischen Politik schlechthin? Und nun auf einmal sozusagen die Lichtgestalt gegenüber Griffin?
"Die BNP ist eine neofaschistische, im Kern rassistische Partei, die sich krampfhaft um ein wohlanständiges Erscheinungsbild bemüht, um ihre Wahlchancen zu verbessern."
Wenn sie das tun, dann doch wohl aus der Erkenntnis heraus, daß man anders bei den Briten keine Chancen hat, gewählt zu werden.
Ach ja: Werden nicht die Republikaner seit kurzem vom Verfassungsschutz nicht mehr beobachtet, obwohl sie in den 90er Jahren, als sie in einigen Bundesländern Wahlerfolge zu verzeichnen hatten, als rechtsextrem bis neonazistisch bezeichnet wurden?
Je länger ich diese Debatte verfolge, desto mehr stellt sich für mich die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Einschätzungen solcher Parteien als "neofaschistisch" oder "rassistisch" durch die hiesigen Medien. Es mögen ja solche Töne dabeigewesen sein. Wenn jetzt aber Leute wie Le Pen inzwischen als achtbare Gestalten bezeichnet werden, obwohl sie sich in ihren Ansicht gegenüber früher mit Sicherheit nicht verändert haben: Haben die Medien damals verzerrt dargestellt, oder tun sie das heute?
Ich glaube sie haben das falsch verstanden. Le Pen war zumindest charismatisch und eloquent, eben im Gegensatz zu diesem britischen Vogel. Das ist keine Aufwertung Le Pens. Ändert von der Argumentation her, nichts daran, dass er Rassist ist.
Das mit der Wahlstrategie ist doch auch evident.
Ich glaube sie haben das falsch verstanden. Le Pen war zumindest charismatisch und eloquent, eben im Gegensatz zu diesem britischen Vogel. Das ist keine Aufwertung Le Pens. Ändert von der Argumentation her, nichts daran, dass er Rassist ist.
Das mit der Wahlstrategie ist doch auch evident.
Reden ist immer besser als Krieg führen oder sich auf Kriegsführung einzulassen!
Zum Thema:
http://tinyurl.com/yhmxfyx
Ich glaube sie haben das falsch verstanden. Le Pen war zumindest charismatisch und eloquent, eben im Gegensatz zu diesem britischen Vogel. Das ist keine Aufwertung Le Pens. Ändert von der Argumentation her, nichts daran, dass er Rassist ist.
Das mit der Wahlstrategie ist doch auch evident.
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