Isaf-Einsatz
Bundeswehr sieht sich durch Nato-Bericht entlastet
Die Nato sieht in dem umstrittenen Luftangriff auf Tanklaster in Afghanistan offenbar kein Fehlverhalten der Bundeswehr. Offen bleibt, ob Zivilisten getötet wurden.
© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Sieht die Bundeswehr entlastet: Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan
Der Nato-Untersuchungsbericht zum Luftangriff der Bundeswehr auf zwei Tanklaster in Afghanistan entlastet offenbar den deutschen Kommandeur Georg Klein und dessen Truppe. Der geheime Bericht, der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gleich an seinem ersten Amtstag vorgelegt wurde, belege, dass die deutschen Soldaten "in operativer Hinsicht" militärisch angemessen gehandelt hätten, sagte Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan am Donnerstag in Berlin.
Die genaue Opferzahl des Luftangriffs ist nach Nato-Angaben nicht mehr genau zu ermitteln. Bei dem vom deutschen Oberst Klein angeordneten Angriff am 4. September seien zwischen 17 und 142 Menschen getötet worden.
In dem Bericht heiße es, dass es zwischen 30 bis 40 getötete und verletzte Zivilisten gegeben haben könnte. Schneiderhan meinte dazu: "Das bestätigt nicht, dass durch den Luftschlag unbeteiligte Personen getötet wurden."
Schneiderhan: "Vorfall nicht isoliert betrachten"
Schneiderhan sagte, der Vorfall dürfe nicht isoliert betrachtet werden. In den vergangenen Monaten habe es zahlreiche Angriffe auf die Isaf im Verantwortungsbereich von Klein in Nordafghanistan gegeben. Bis Ende August seien in diesem Jahr sechs Lastwagen und Tanklaster zu Anschlägen missbraucht worden, die zu hohen Verlusten geführt hätten. Seit Juli habe es Hinweise gegeben, dass ähnliche Anschläge auf das deutsche Wiederaufbauteam geplant gewesen seien.
Der neue Verteidigungsminister zu Guttenberg sagte am Nachmittag, ein Vorfall wie dieser müsse unter allen Umständen künftig verhindert werden. Die Auswertung des Berichts werde zeigen, ob Konsequenzen nötig seien. "Sollte es zivile Opfer gegeben haben – und es hat möglicherweise zivile Opfer gegeben –, bedauere ich das sehr", betonte er.
Klein, Kommandeur des Feldlagers in Kundus, hatte im September den Luftangriff auf die beiden von den radikal-islamischen Taliban entführten Tanklaster angeordnet. Einer Untersuchung der afghanischen Regierung zufolge kamen dabei neben 69 Taliban-Kämpfern auch 30 Zivilisten ums Leben, die Benzin aus den Tanks zapften. Neun Zivilisten und elf Aufständische wurden verletzt.
Der Angriff hatte im Ausland heftige Kritik an Deutschland ausgelöst. Auch im Inland wurde über die Berechtigung des Bombardements debattiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnte jedoch vor vorschnellen Verurteilungen.
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- Datum 29.10.2009 - 18:59 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 15
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Der Bericht ist kein "Persilschein" für das Vorgehen in diesem Einzelfall!
Die Forderung von Schneiderhahn das Ganze "nicht isoliert" zu betrachten ist moralisch und sicher auch rechtlich (im Allgemeinen Sinne) nicht zulässig!
Es muss und kann nur immer der Einzelfall beurteilt werden. Hintergrund ist natürlich immer der Kampf, aber für die Beurteilung der Handlungen einzelner Verantwortlicher muss auch die Tatsachenlage im Einzelfall maßgebilch sein! Der Befehlshaber findet ja nie Standartsituationen vor, sondern muss immer im Einzelfall entscheiden!
Hier hatte sich zu dem Fall ja mal im Forum ein ehem. NVA-Oberst zu Wort gemeldet mit dem Inhalt "nach der Nachrichtenlage hätte man mehr aufklären müssen". Zudem waren die LKW ja festgefahren und nicht gerade als rollende Bombe vor dem Tor einer ISAF-Einheit.
Da wir nicht im Krieg sind, gibt es auch keine Kollateralschäden, sondern getötete Zivilisten. Damit macht es sich der Bericht sehr einfach. Wir erinnern uns: Herr Jung hatte derartige Opfer KATEGORISCH ausgeschlossen!
Das sich an dem LKW nach dem Festfahren Zivilisten an dem Benzin zu schaffen machen ist nicht unrealistisch. Dort lag neben vielen Kanistern (offiz. Bilder) auch ein gegrillter Esel (Transportmittel).
Die verharmlosende Aussage: " "Das bestätigt nicht, dass durch den Luftschlag unbeteiligte Personen getötet wurden." ist für die gegrillten Opfer/Kinder eine Frechheit! Ein offiz. BW-Offizier wurde im Krankenhaus nicht gesehen!
Bei einer ernsthaften Untersuchung hätte man ja auch die (nach afghanischen Angaben) 9 verletzten Zivilisten als Zeugen befragen können!
Selbst wenn diese Zahl nun 8 oder 10 beträgt, hat man denn überhaupt derartige Zeugen vernommen?
Nur um sich keinen Verantwortlichkeiten stellen zu müssen, eiert man um die ganze Angelegenheit herum. Auf gut deutsch ist es eine totale Lüge zu behaupten, es wären keine Zivilisten getötet worden.
Wenn so etwas geschieht (was überhaupt in Frage steht: warum man steckengebliebene Tanklaster bombardieren muß), muß man sich zumindest hinterher um die Verletzten kümmern: keiner tat es, am Morgen waren die Toten bereits beerdigt, die Verletzten im Krankenhaus: spätestens da hätte man sich mal erkundigen können. Aber das wäre ja ein Eingeständnis der Schuld gewesen.
Eine Armee, die in Kriegsgebiet steht, hat doch bestimmte Richtlinien. Auch kann man keinen Einzelnen verantwortlich machen, denn er handelt ja nicht in Eigeninitiative.
"Bundeswehr sieht sich durch Nato-Bericht entlastet"
Die Zeit sagt:
"Nato-Bericht entlastet Bundeswehr"
gar keine frage.
und klar muss die militärpolizei und die bw-führung,
aufklärung von zwischefällen total ernst nehmen, und den soldaten und der bevölkerung, hier wie in afghanistan alles haarklein erklären.
und natürlich hätten nach guter deutscher art panzer geschickt werden müssen, die warnschüsse abgeben können um die menschen zu verscheuchen.
problem ist: die taliban sind guerrilla-kämpfer, man weiß nie, ob das stecken bleiben ein steckenbleiben ist, ob verlassene tankfahrzeuge einfach verlassen sind, oder mit fernzündern bestückt...das ist vor allem nachts ein gewaltieges risiko sich mit fahrzeugen zu nähern.
das kann man nicht verlangen. man kann auch nicht verlangen, dass soldaten erst warten ob die laster wirklich auf sie zufahren: sie könnten auch auf wen anders zufahren.
das problem in diesem fall war nicht die entscheidung, die war richtig, das problem war, dass die piloten in diesem krieg, ganz selten nur fahrende kampfobjekte bekämpfen autos etc,
und dass so etwas wie "warnschüsse" nicht die regel sind. denn normalerweise befindet sich in kampffahrzeugen der "feind". in diesem fall, hätte man, da die dinger feststeckten tatsächlich auf das töten von feinden verzichten sollen und nur den sch*** in die luft jagen, eine warn luft-boden rakete o ä, hätte diesem vorhaben nicht geschadet.
also vorwerfen kann man klein nur, dass er diese möglichkeit, nicht erwogen hat, weil er annahm es gäbe keine zivilisten.
solche taktischen erwägungen sollten teil der strategie sein.
Schnell einen Persilschein ausgestellt.
Da kann der nächste Tanklastzug ja kommen...
Die bisherigen Kommentatoren tun sich leicht mir ihrer Kritik. Das erinnert stark an ein Fußballspiel, wo 70.000 Trainer auf den Rängen sitzen und alles besser wissen, nur - sie stehen nicht in der Verantwortung.
Gänzlich unkommentiert bleibt, dass die afghanische Bevölkerung vor Ort die deutschen Soldaten überschwänglich gelobt haben (sie haben ihnen sogar Geld (!) angeboten)und dass von den Behörden vor Ort die Aussage kam, es wären keine Zivilisten beteiligt gewesen. Vor Ort ist man immer davon ausgegangen, dass es sich zumindest um Symphatisanten gehandelt hat, die gemeinsame Sache mit den Taliban machten.
Als letztes sei noch erwähnt: der Luftangriff geschah nicht durch die Deutschen sondern von seiten der NATO. Und das eine Stunde nach Anforderung. Diese Stelle hätte sich meiner Meinung nach auch erst einmal vergewissern können, ob die Zustände und Umstände noch so wie geschildert waren (nach einer Stunde).
Möglicherweise wäre dann das Ergebnis ein anderes gewesen.
Natürlich sind wir nicht dabei gewesen, aber wir haben auch als deutsche Bürger ein Recht auf Information, wenn wir diesen Einsatz billigen sollen.
Kritisch: Die Aussagen von Minister Jung auch noch Tage nach dem Einsatz! Eine Welle der Aufklärung war nicht zu sehen!
Wenn dort Kamerateams verbrannte Kinder in Kliniken filmen und die Angehörigen von dem Angriff erzählen, dann kann man das als Taliban-Propaganda abtun, es muss aber in jedem Fall untersucht werden.
Warum wurde nicht mit Bodenkräften die Lage sondiert bzw. die LKW freigekämpft? Laut Karten waren diese weit von ISAF-Lagern entfernt, Stichwort "Rollende Bombe".. Klein hat den Luftschlag ja angefordert, aber auch diese Protokolle erreichen uns/die Medien ja nicht! sonst ist doch auch immer alles dokumentiert!
Das mit dem angebotenen Geld ist sicher zu untersuchen. Die "Stellen vor Ort" sind leider wahrscheinlich häufiger sehr subjektiv..."zumindest Symphatisanten" ist auch sehr verallgemeinernd... Aber es müsste doch untersucht werden.
Stattdessen: Der Automatismus "Ich stelle mich vor die Soldaten". Das hilft den dt. Soldaten die dort gute Arbeit leisten oder leisten wollen nicht viel. Die Politik lässt sie ja schon mit dem Nicht-Krieg im Stich und solche Einsätze die dann hinter den sonstigen guten Leistungen der BW zurückstecken schaden am Ende viel mehr. Auch ein dt. Soldat hat das Recht als Bürger in Uniform solche Fehleinsätze zu erfahren. Corpsgeist ist hier Fehl am Platz!
Gebe Ihnen vollkommen recht. Hier beweist sich mal wieder das Sprichwort: "Fern der Front macht alte Kriegsleut".
Ich kann denjenigen, der den Luftangriff angefordert hat gut verstehen: Wenn in Afghanistan Tanklaster voll Benzin von unbekannten gesteuert werden, explodieren diese früher oder später für gewöhnlich.
Und wer einmal ein Attentat dieser Kategorie miterlebt hat, kann verstehen, warum man lieber zu früh als zu spät schiesst. Und weshalb nicht erstmal eine genaue Untersuchung zur Art der in der Nähe des Tanklastzuges befindlichen unbekannten Personen gemacht wird. Jeder ist verdächtig, denn die Bundeswehr befindet sich in einem Partisanenkrieg, in dem Hinterhalt zur Tagesordnung gehört und die Kämpfer nicht von der normalen Zivilbevölkerung unterschieden werden können. Die Taliban zögern auch keinen Moment, um Zivilbevölkerung als Schutzschild zu verwenden.
Der eigentliche Fehler wurde 2001 gemacht, als man sich von einem abgedrehten amerikanischen Präsidenten, der bis heute nicht verstanden hat, dass Krieg Terrorismus mit aufwendigen Mitteln ist, hat in einen hirnrissigen Feldzug hineinreissen lassen.
Natürlich sind wir nicht dabei gewesen, aber wir haben auch als deutsche Bürger ein Recht auf Information, wenn wir diesen Einsatz billigen sollen.
Kritisch: Die Aussagen von Minister Jung auch noch Tage nach dem Einsatz! Eine Welle der Aufklärung war nicht zu sehen!
Wenn dort Kamerateams verbrannte Kinder in Kliniken filmen und die Angehörigen von dem Angriff erzählen, dann kann man das als Taliban-Propaganda abtun, es muss aber in jedem Fall untersucht werden.
Warum wurde nicht mit Bodenkräften die Lage sondiert bzw. die LKW freigekämpft? Laut Karten waren diese weit von ISAF-Lagern entfernt, Stichwort "Rollende Bombe".. Klein hat den Luftschlag ja angefordert, aber auch diese Protokolle erreichen uns/die Medien ja nicht! sonst ist doch auch immer alles dokumentiert!
Das mit dem angebotenen Geld ist sicher zu untersuchen. Die "Stellen vor Ort" sind leider wahrscheinlich häufiger sehr subjektiv..."zumindest Symphatisanten" ist auch sehr verallgemeinernd... Aber es müsste doch untersucht werden.
Stattdessen: Der Automatismus "Ich stelle mich vor die Soldaten". Das hilft den dt. Soldaten die dort gute Arbeit leisten oder leisten wollen nicht viel. Die Politik lässt sie ja schon mit dem Nicht-Krieg im Stich und solche Einsätze die dann hinter den sonstigen guten Leistungen der BW zurückstecken schaden am Ende viel mehr. Auch ein dt. Soldat hat das Recht als Bürger in Uniform solche Fehleinsätze zu erfahren. Corpsgeist ist hier Fehl am Platz!
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