Tanklaster-Bombardement in Kundus Bundeswehr-Führung lässt wichtige Fragen unbeantwortetSeite 2/2

Die genaue Opferzahl sei nicht mehr zu ermitteln, zwischen 17 und 142 Menschen seien getötet worden, sagte Schneiderhan im Bendler Block in Berlin. Es gäbe unzählige Quellen, die alle unterschiedliche Zahlen nennen. Mit bis zu 30 bis 40 getöteten oder verletzten Zivilisten könne man rechnen, sagte die Nato. "Das bestätigt nicht, dass durch den Luftschlag  unbeteiligte Personen getötet wurden", sagte der Generalinspekteur. Er betonte, dass die Taliban auch Freiwillige für einzelne Aktionen anwerben würden, die nicht zu den islamistischen Kämpfern gehörten.

Allerdings hatten Reporter verletzte Afghanen in einem Krankenhaus besucht, und auch der Isaf-Kommandeur General Stanley McChrystal hatte von Opfern der Bombardierung gesprochen. Dabei handelte es sich zum Teil um Kinder. Eine afghanische Untersuchungskommission geht davon aus, dass durch die Bombardierung 30 Zivilisten und 69 Taliban umkamen.

Der Generalinspekteur betonte, die Bombardierung der Tanklaster dürfe "nicht isoliert betrachtet" werden, so Schneiderhan. Denn in den vergangenen Monaten hätten Taliban und ausländische Kämpfer immer wieder die Isaf im Verantwortungsbereich des belasteten Oberst Klein in der Region Kundus attackiert. Die Angreifer hätten das Feldlager mit Raketen beschossen und Sprengsätze eingesetzt. Sechs Mal seien in Afghanistan in diesem Jahr Lastwagen und Tanklaster zu Anschlägen missbraucht worden, die zu hohen Verlusten bei Isaf-Soldaten, afghanischen Sicherheitskräften und Zivilisten geführt hätten. Seit Juli habe es Hinweise gegeben, dass ähnliche Anschläge auf das deutsche Wiederaufbauteam geplant gewesen seien. "Angriffstechniken, die bislang nur aus dem heftig umkämpften Süden und Osten Afghanistans bekannt gewesen sind, kommen immer häufiger auch im Norden zum Einsatz", sagte Schneiderhan. Deswegen müsse das Spektrum der Gegenmaßnahmen breiter werden.

Bilde man aus all diesen Punkten eine Gesamtbeurteilung, dann habe Oberst Klein die Einsatzkriterien "gut umgesetzt". Er habe eine "richtigen Lagebeurteilung" gefällt. Der Offizier sei zu der Einschätzung gelangt, dass keine Unbeteiligten zu Schaden kommen würden. Doch wie Klein zu diesen Einschätzungen gelangte, verriet sein Vorgesetzter nicht. Ob Klein sich auf schlechte Aufnahmen amerikanischer Aufklärer verließ oder auf einen afghanischen Geheimdienstmann, bleibt ein Geheimnis der Armee.

Bereits in der Vergangenheit hatte sich Schneiderhan immer wieder vor den Oberst gestellt. Kurz nach dem Angriff der Kampfjets sagte der Generalinspekteur, er gehe davon aus, dass die Entscheidung Kleins "erst nach sorgfältiger Beurteilung der Gesamtlage und in der Absicht getroffen wurde, erheblichen Gefahren für die eigenen und verbündeten sowie für die afghanischen Sicherheitskräfte zuvorzukommen". Ähnlich formulierte es auch Klein am Donnerstag in Berlin. Anschließend verließ der Generalinspekteur mit seiner Entourage eilig den Besucherbereich des Verteidigungsministeriums. Viele Fragen blieben offen.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 29.10.2009 um 17:46 Uhr

    Ist es eigentlich "verlogen", wenn man auf die wichtigen Fragen nicht eingeht und Nicht erklärt, wieso gilt: "Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass deutsche Soldaten in jener Nacht in operativer Hinsicht nicht militärisch korrekt gehandelt haben."
    Ich tendiere zu glauben, dass er vielleicht Recht haben könnte, aber er sollte schon auch erklären, wieso es verurteilenswert war, als die NATO Truppen so handelten, wie seine Leute jetzt. Oder will er die politische Führung und deutschen Medien lediglich nicht der Naivité oder des Pharasäertums bezichtigen.

  1. Man sollte der Oberst vor Den-Haag stellen.

    • kayob
    • 29.10.2009 um 18:14 Uhr
    3. xeno

    was sie äußern ist verleumdung.
    sicherlich wurden weder fahrlässig noch bewußt zivile opfer in kauf genommen.
    außerdem werden in dan haag, nicht davor, verbrechen gegen die menschlichkeit verhandelt. ein angriff, der gelungen ist, aber unerwartet zu zivilen opfern führte ist, a kein verbrechen, und b keine handlung gegen die menschlichkeit.
    mann etwas genauer dürfen sie schon sein, wenn leute ihren kopf in dieser gegend für uns hinhalten. ob wir das wollen oder nicht, aber sie tun s. und genauigkeit in der beurteilung ist das mindeste was sie erwarten dürfen.

  2. Das selektive Schweigen von Schneiderhan erklärt sich vermutlich mit seiner "Schnittstellenfunktion" zwischen Soldaten und Politkern.

    Würde er offen erklären, dass die Politik die Schuld an möglichen zivilen Opfern trägt, würde das seinen politischen Dienstherren gar nicht gefallen.

    Gegen jeden fachlichen Rat hat die Politik aus Wahlkampf-Gründen einen weitern QRF- Verband nicht genehmigt. Die dringend benötigte PZH2000 wurde ebenfalls nicht in den Einsatz geschickt, weil das zu sehr nach Krieg aussehen würde.

    Als dann an besagtem Abend alle einsatzfähigen Soldaten anderorts in Gefechten gebunden waren, fehlte es an Truppe und Artillerie, um die Tanklaster- Diebe zu bekämpfen. Da man sie nicht davon kommen lassen darf, blieb nur die Option der Bombardierung.

    Wieder ein Beispiel, wie zu wenig Soldaten Zivilisten gefährden. Man muss allerdings klar feststellen, dass Zivilist in diesem Fall nicht unbeteiligt oder gar unschuldig heißt.

    Herr Hauke als Autor dieses Artikels sollte sich vielleicht mal erkundigen, was man mit Systemen wie Sniper ATP und Rover so alles sehen und machen kann. Er würde dann alberne Spekulationen über "schlechte Aufnahmen amerikanischer Aufklärer" unterlassen.

    • HHuber
    • 29.10.2009 um 19:02 Uhr

    "Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass deutsche Soldaten in jener Nacht in operativer Hinsicht nicht militärisch korrekt gehandelt haben."

    hat jemand etwas anderes erwartet? Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus - das gilt auch für Militärs...

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    • keox
    • 30.10.2009 um 18:27 Uhr

    "Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass deutsche Soldaten in jener Nacht in operativer Hinsicht nicht militärisch korrekt gehandelt haben."

    Übersetzt heißt das:

    "Wir gehen davon aus, dass deutsche Soldaten in jener Nacht in operativer Hinsicht nicht militärisch korrekt gehandelt haben."

    • TDU
    • 30.10.2009 um 19:49 Uhr

    Eine Krähe.... Das Argument kommt immer, wenn Fachleute oft Standesberufe Schaden anrichten. Ärzte, Rechtsanwälte, Offiziere Politiker, Manager. Die Kleinen sind immer unbequem oder Opfer.

    Also kann man folgern: Eine bestimmte Gruppe ist grundsätzlich schuld, eine andere grundsätzlich unschuldig.

    Ich will Ihre Ansicht gar nicht angreifen, aber eigentlich ist die Struktur diese Arguments doch genau wie: alle was weiss ich sind so oder so, um Beispiel aus bestimmten Volksgruppen nicht zu nennen.

    Im Grunde also was für den Stammtisch oder nicht?

    • keox
    • 30.10.2009 um 18:27 Uhr

    "Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass deutsche Soldaten in jener Nacht in operativer Hinsicht nicht militärisch korrekt gehandelt haben."

    Übersetzt heißt das:

    "Wir gehen davon aus, dass deutsche Soldaten in jener Nacht in operativer Hinsicht nicht militärisch korrekt gehandelt haben."

    • TDU
    • 30.10.2009 um 19:49 Uhr

    Eine Krähe.... Das Argument kommt immer, wenn Fachleute oft Standesberufe Schaden anrichten. Ärzte, Rechtsanwälte, Offiziere Politiker, Manager. Die Kleinen sind immer unbequem oder Opfer.

    Also kann man folgern: Eine bestimmte Gruppe ist grundsätzlich schuld, eine andere grundsätzlich unschuldig.

    Ich will Ihre Ansicht gar nicht angreifen, aber eigentlich ist die Struktur diese Arguments doch genau wie: alle was weiss ich sind so oder so, um Beispiel aus bestimmten Volksgruppen nicht zu nennen.

    Im Grunde also was für den Stammtisch oder nicht?

  3. Einen Sprecher, der sagt, wir haben gesündigt, und es tut uns unendlich leid, dass wir zurückgeschlagen haben? http:/kallewestrich.blogspot.com

  4. Das scheinen hier viele Kommentatoren zu vergessen.
    Man kann viel spekulieren, doch müssen wir der Einschätzung des Generalstabs und der Bundesregierung als institutioneller Aufsicht schon folgen.
    Ansonsten kann man nur die gesamte Regierung dafür haftbar machen, bei der nächsten Wahl.
    Alles andere ist Stänkerei!
    Das Geschäft der Soldaten ist es Risikoentscheidungen zu treffen, auch solche die falsch sein können und das Leben Unbeteiligter kosten.
    Es ist verdammt arrogant und realitätsfremd so mit diesem Thema umzugehen, ebenso davon auszugehen, das die Öffentlichkeit immer einen Anspruch auf vollständige Information hätte.
    Dafür gibt es gewählte Repräsentanten oder Untersuchungsausschüsse.
    Die implizite Unterstellung, das hier mal wieder gemauschelt wurde, kann der Realität entsprechen. Es ist jedoch undemokratisch, anmassend und illoyal dies auf diese Weise zu unterstellen.

    H.

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    • Lodda
    • 29.10.2009 um 19:58 Uhr

    Wer Bomben auf andere Menschen abwirft oder abwerfen lässt muss seine Unschuld nicht mehr beweisen - die hat er nämlich schon längst verloren.

    • keox
    • 30.10.2009 um 18:29 Uhr

    "Ansonsten kann man nur die gesamte Regierung dafür haftbar machen, bei der nächsten Wahl."

    • Lodda
    • 29.10.2009 um 19:58 Uhr

    Wer Bomben auf andere Menschen abwirft oder abwerfen lässt muss seine Unschuld nicht mehr beweisen - die hat er nämlich schon längst verloren.

    • keox
    • 30.10.2009 um 18:29 Uhr

    "Ansonsten kann man nur die gesamte Regierung dafür haftbar machen, bei der nächsten Wahl."

    • Lodda
    • 29.10.2009 um 19:58 Uhr

    Wer Bomben auf andere Menschen abwirft oder abwerfen lässt muss seine Unschuld nicht mehr beweisen - die hat er nämlich schon längst verloren.

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    aber mach mich nicht naß!

    Dieselben Leute, die damals die Bundeswehr nach Afghanistan geschickt haben in der blauäugigen Annahme, sie könnte sich dort lediglich auf humanitäre oder friedenssichernde Maßnahmen beschränken, reagieren äußerst empört, wenn es sich wie vorhersehbar herausstellt, daß in einem Krieg scharf geschossen wird und Menschen sterben. Die Verhältnisse des Friedens lassen sich auf die Zustände eines Krieges nicht übertragen, und es ist ein Krieg, der dort in Afghanistan tobt. Dann tritt auch die Logik eines Kriegs in Kraft. Wem das nicht gefällt, der sorge bitte dafür, daß die eigenen Soldaten nicht in ein solches Land geschickt werden, oder soll aufhören, sich von seinem sicheren und warmen Platz in einem Redaktionsessel aus über das böse und völlig unkorrekte Verhalten der Bundeswehr zu erregen.

    Nu lassen Sie doch die Taliban aus dem Spiel. Internationale Friedenstruppen sind nicht angreifbar, sie sind immun.

    aber mach mich nicht naß!

    Dieselben Leute, die damals die Bundeswehr nach Afghanistan geschickt haben in der blauäugigen Annahme, sie könnte sich dort lediglich auf humanitäre oder friedenssichernde Maßnahmen beschränken, reagieren äußerst empört, wenn es sich wie vorhersehbar herausstellt, daß in einem Krieg scharf geschossen wird und Menschen sterben. Die Verhältnisse des Friedens lassen sich auf die Zustände eines Krieges nicht übertragen, und es ist ein Krieg, der dort in Afghanistan tobt. Dann tritt auch die Logik eines Kriegs in Kraft. Wem das nicht gefällt, der sorge bitte dafür, daß die eigenen Soldaten nicht in ein solches Land geschickt werden, oder soll aufhören, sich von seinem sicheren und warmen Platz in einem Redaktionsessel aus über das böse und völlig unkorrekte Verhalten der Bundeswehr zu erregen.

    Nu lassen Sie doch die Taliban aus dem Spiel. Internationale Friedenstruppen sind nicht angreifbar, sie sind immun.

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