60 Jahre VR China Warum China gigantische Paraden abhältSeite 2/2

Aus Sicht der chinesischen Regierung kann es da nicht schaden, das eigene Waffenarsenal auszustellen und die nationalen Fähigkeiten zur Entwicklung von Waffensystemen und Kampfflugzeugen zu unterstreichen. Allen Beteuerungen zum Trotz, dass man zu allen Ländern der Welt freundschaftliche Beziehungen haben möchte.

Die Demonstration von Stärke war sicher auch nach innen gerichtet. Die Spannungen im Land sind in den letzten Jahren eher größer als kleiner geworden. Große Einkommensunterschiede, Korruption, die Unterdrückung der Pressefreiheit, Unmut über Enteignungen, Umweltskandale und nicht zuletzt die gewalttätigen Ausbrüche des Unmutes der indigenen Bevölkerungen in Tibet und Xinjiang, alles dies führt der Regierung immer wieder vor Augen, dass der soziale Friede in China erheblich gefährdet ist. Die Ereignisse von 1989 sind nicht vergessen.

Auch deshalb war am Nationalfeiertag ebenso viel von Harmonie, Frieden und Stabilität die Rede wie vom Selbstbewusstsein und Stolz Chinas. Diese Elemente sollen der Kitt sein, der das Land auch in Zukunft zusammenhält. Ob die gebetsmühlenartige Wiederholung dieser Schlagwörter wirklich zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird, sei dahingestellt.

Beruhigender ist, dass die Chinesen, also jene, die nicht zum Stechschritt oder zum Tanzen auf dem Platz verpflichtet waren oder zu den wenigen ausgewählten Zuschauern auf den Ehrentribünen gehörten, auch in diesem Jahr den freien Tag genutzt haben, um sich ihren Familien und Freunden zu widmen. Das gab dem Tag einen entspannten Charakter und stand in wunderbarem Gegensatz zu den imposanten Bildern aus dem Pekinger Zentrum.

Es könnte sein, dass vor allem die Regierung die gigantischen Feierlichkeiten braucht, die Mehrheit der Bevölkerung sich aber gar nicht dafür interessiert. Vielleicht dämmert auch in China irgendwann die Erkenntnis, dass der gewünschte Ertrag solcher Machtdemonstration kleiner ist, als die enormen Kosten dessen.

Doris Fischer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in Abteilung "Wettbewerbsfähigkeit und soziale Entwicklung" am Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE)

Das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik zählt weltweit zu den führenden Forschungsinstituten und Thinktanks zu Fragen globaler Entwicklung und internationaler Entwicklungspolitik. Das DIE berät auf der Grundlage unabhängiger Forschung öffentliche Institutionen in Deutschland und weltweit zu aktuellen Fragen der Zusammenarbeit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

 
Leser-Kommentare
  1. diese Riesenveranstaltung und -formationen, nicht nur militärisch entsprechen dem (noch?) magisch-mythischen Färbung des asiatischen Kollektivbewusstseins. Also eher die Masse, als das Individuum. Dies drückt sich in den farbenfrohen und erstaunlich einheitlichen Auftritten/Musterbildungen aus. Global muss beides überwunden werden, Ego-ismus und die Masse des Kommun-ismus.

    Beeindruckend sind die Chinesen trotzdem, die Frage ist bloß ob das Volk dies so miträgt auf Dauer...

  2. [ entfernt: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik und tragen Sie zu einer sachbezogenen Debatte bei. Danke. Die Redaktion/m.e. ]

  3. ist doch schön anzusehen die Soldatinnen im rosa Kostüm, mit schwarzer MP. Heizen sich die alternden Parteigenossen mit Blicken damit auf.
    Zumindest hat damit auch die Kleidermode ins Militär Einzug gehalten die Männern vom schießen abhält?

  4. 4.

    Ein wichtiger Grund war wohl, dass die Bevoelkerung es einfach so erwartet. Wenn da ploetzlich irgendwas weniger pompoeses gemacht wird, oder alle einzeln rumtanzen, dann finden das Westler vielleicht toll, aber es wird einen Grossteil der Menschen hier in China erstmal befremden. Gewohnheiten aendern sich nicht von heute auf morgen.

    > Beruhigender ist, dass die Chinesen, also jene, die
    > zum Stechschritt oder zum Tanzen auf dem Platz
    > verpflichtet waren oder zu den wenigen ausgewählten

    "verpflichtet"?? Ich denke eher, dass sich die Leute darum beworben haben und mitmachen wollten. Das gibt ordentlich Mianzi, wenn deine Freunde dich da mitlaufen sehen.

    > Zuschauern auf den Ehrentribünen gehörten, auch in
    > diesem Jahr den freien Tag genutzt haben, um sich
    > ihren Familien und Freunden zu widmen.

    Aehm, es sind drei freie Tage, vom 1. bis 3. Oktober. Und dieses Jahr gabs gleich nochmal einen freien Tag hinterher, denn am 3. Oktober war auch noch Mitherbstfest (Feiertage and Feiertagen werden in China nachgeholt, also der naechste Arbeitstag ist dann frei).

  5. Nun, ich glaube nicht, dass Chinesische Soldaten im preißischen Stechschritt maschieren. Was für ein Unsinn.

  6. auch China hat eine kollektive Seele. Die Massenaufmärsche sind identische mit der Juchedynastie in Nordkorea. Insgesamt könnte man sagen, Konfuzius lässt grüßen:

    "Der Meister sprach: „ Ein Jüngling soll nach innen kindesliebend, nach außen bruderliebend sein, pünktlich und wahr, seine Liebe überfließen lassen auf alle und eng verbunden mit den Sittlichen. Wenn er so wandelt und übrige Kraft hat, so mag er sie anwenden zur Erlernung der Künste.” Die Jugenderziehung muß im engsten Familienkreise einsetzen durch Pflege der Ehrfurcht den Eltern gegenüber. Diese Ehrfurcht hat sich dann allmählich auszudehnen und zu erweitern in ein bescheidenes Betragen gegenüber erfahrenen und älteren Persönlichkeiten. Die wichtigsten Eigenschaften bei der Ausbildung des persönlichen Charakters sind Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit.

    Im Verkehr mit anderen ist auf eine arglose, freie Sympathie mit allen Menschen Gewicht zu legen, während der intime Anschluß auf Leute von moralischer Haltung sich zu beschränken hat. Auf dieser Grundlage sittlicher Erziehung mag sich bei besonderer Begabung höhere wissenschaftliche und ästhetische Bildung aufbauen."

    Aus: Microsoft® Encarta® 2008. © 1993-2007 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

    • kayob
    • 06.10.2009 um 21:04 Uhr

    ein guter und interessanter meinungsartikel.
    nur am kostenpunkt hänge ich etwas. es geht hier ja um die sicht des regimes, und wenn sich generale ernstgenommen fühlen, alte kader beruhigt, ältere und paar jüngere zivilisten stolz, innerstaatliche "gegner" beunruhigt, dann sind die kosten aber allemal gerechtfertigt.
    und wenn dann noch das ausland drüber schreibt, halb-kopfschüttelnd und halb-unruhig, dann macht das regime ein gutes geschäft.
    aber ja ich fänd s auch schön, wenn das mal überflüssig wird, schicke mp-trägerinnen hin oder her...

    • reven
    • 06.10.2009 um 22:37 Uhr

    Zitat:"Der wirtschaftliche Aufstieg hat China mächtiger gemacht, es ist Mitglied der Welthandelsorganisation, ständiges Mitglied im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen "

    Das klingt so, als ob die VR China durch ihren wirtschaftlichen Aufstieg ständiges Mitglied im Sicherheitsrat geworden wäre.
    Nein, China (damals Republik China/中華民國) war 1945 durch seine Rolle im Zweiten Weltkrieg ein ständiges Mitglied im Sicherheitsrat geworden.Zwei Jahre zuvor, also 1943, wurden die Privilegien der Westmächte in China abgeschafft.Die ungleichen Verträge, die die westlichen Großmächte China aufgezwungen hatten, wurden 1943 vollständig gestrichen.1945 wurde die Souveränität aller ausländischen Vierteln in den chinesischen Großstädten an die Republik China übergeben. 1945 wurde China ein ständiges Mitglied im Sicherheitsrat.
    Der Sieg über Japan hat aus China eine politische Weltmacht gemacht.

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    • PhilN
    • 07.10.2009 um 13:05 Uhr

    Der Sieg über Japan ist doch eher den Vereinigten Staaten und seinen Allierten geschuldet oder nicht? Durch gezieltes Inselhopping konnte Indonesien, Singapur etc. erobert werden und schließlich Druck auf die japanischen Inseln ausgeübt werden, weshalb die Japaner zwangsläufig in China kürzer treten mussten. Ohne USA keine Dekolonialisierung Chinas. Irre ich mich?

    • PhilN
    • 07.10.2009 um 13:05 Uhr

    Der Sieg über Japan ist doch eher den Vereinigten Staaten und seinen Allierten geschuldet oder nicht? Durch gezieltes Inselhopping konnte Indonesien, Singapur etc. erobert werden und schließlich Druck auf die japanischen Inseln ausgeübt werden, weshalb die Japaner zwangsläufig in China kürzer treten mussten. Ohne USA keine Dekolonialisierung Chinas. Irre ich mich?

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