Friedensnobelpreis : Mahnung an einen Hoffnungsträger

Manchmal schon wurde der Friedensnobelpreis für einen vagen Frieden vergeben. Aber noch nie für eine Wette auf die Zukunft. Das ist jetzt anders. Ein Kommentar
Barack Obama hat noch keinen Friedensvertrag ausgehandelt. Aber er hat den Tonfall in der Welt verändert. © Jim Watson/AFP/Getty Images

Barack Obama ist der erste Preisträger, der dafür ausgezeichnet wird, dass die Welt mit ihm auf eine friedlichere, gerechtere, saubere, kooperative und atomwaffenfreie Welt hofft.

Einige Laureaten, wie die ehemaligen US-Präsidenten Theodore Roosevelt und Jimmy Carter oder Außenminister Henry Kissinger, erhielten die Auszeichnung immerhin für Friedensverträge, so brüchig sie auch gewesen sein mögen. Andere wie Woodrow Wilson, der Begründer des Völkerbundes, für eine Lebensleistung und eine grandiose Idee.

Barack Obama, gerade einmal knapp neun Monate im Amt, wird lediglich für eine Erwartung gepriesen. Der Preis ist eine Wette auf ein Versprechen und eine ungewisse Zukunft. Und er kommt just in einem Augenblick, da dieses Versprechen von vielen in Zweifel gezogen wird. Denn an eben diesem Freitag sitzt Amerikas Präsident wieder mit seinen Sicherheitsexperten zusammen, um eine Strategie für den Afghanistankrieg zu finden. So viel ist klar: Der Krieg wird andauern und auf beiden Seiten weiterhin viele Opfer fordern. "Denn Rückzug ist keine Option", verkünden seine Berater seit Tagen.

Aber er hat weit mehr getan als nur geredet. Und auch den Wert seiner Ansprachen sollte man nicht unterschätzen.

Die Preisverleihung ist eine hohe Bürde, schraubt sie doch die Erwartungen an Amerikas jungen Präsidenten unendlich hoch. Jetzt wird auch der Chor all jener anschwellen, die seit Monaten rufen: "Wann folgen deinen Worten endlich Taten?"

Barack Obama wurde von der Auszeichnung heute früh ebenso überrascht wie der Rest der Welt. Niemand hatte auch nur den Hauch einer Ahnung davon, dass er oben auf der Osloer Liste stand. Doch der Preis kommt zur rechten Zeit. Obamas Veränderungsdrang stößt daheim wie draußen an dicke Mauern. Die Gesundheitsreform, die Millionen Not leidender Menschen in eine bezahlbare Krankenversicherung führen soll, stockt. Die Auflösung des Gefangenenlagers von Guantánamo macht Riesenprobleme. Republikaner und einige Demokraten widersetzen sich seinem Programm zur Eindämmung der Erderwärmung. Zum Klimagipfel in Kopenhagen werden Obamas Gesandte wahrscheinlich mit leeren Händen anreisen.

Im Nahen Osten sperren sich hartleibige Israelis und Palästinenser weiter gegen jedes Friedenswerben. Iran könnte bald im Besitz einer Atombombe sein und Nordkorea zeigt weiterhin allen die lange Nase. Es ist keineswegs sicher, dass Irak zur Ruhe kommt. Und egal, wie sich der Präsident in den kommenden Wochen entscheidet: Afghanistan und Pakistan bleiben eine schwere Last – und ein unkalkulierbares Risiko.

Der Friedensnobelpreis wird all diese Probleme nicht über Nacht ausräumen. Aber sie werden vielleicht den Blick auf die Veränderungsmöglichkeiten neu öffnen und Obama vielleicht wieder neue Kraft und neuen Rückenwind verschaffen. Daheim und draußen.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Ich hoffe das die Osloer Jury im dem Sinne gehandelt hat Obama in seiner,doch langsam in stocken geratene Politik,wieder aufschwung so verleihen.

Man kann nur hoffen dass das Amerikanische Volk und dessen Interessenvertreter wieder ein wenig auf die Seite des Präsidenten stellen.

Den einige seiner Vorschläge sind halt nunmal nicht schlecht und könnten vielleicht die Welt in ein bessere zukunft führen.

Könnten aber nur.