Naher Osten "Obamas Ansehen wird wachsen"
Die arabische Welt und Barack Obama: Der libanesische Politologe Paul Salem sagt im Interview, der Nobelpreis für den US-Präsidenten erhöhe dessen Reputation in der Region.
Frage: Herr Salem, was bedeutet die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama für den Nahen und Mittleren Osten?
Paul Salem: Diese Auszeichnung wird sein Ansehen in der Region weiter erhöhen. Ob sich das allerdings in politische Fortschritte umsetzen lässt, ist offen und hängt nicht von ihm alleine ab. Die Herausforderungen, denen er sich gegenüber sieht, sind sehr komplex und vertrackt. Insofern hat er den Friedensnobelpreis bekommen, ohne bisher etwas Substantielles in der Region erreicht zu haben.
Frage: Also ist das Ganze eher eine symbolische Geste?
Paul Salem (48) ist Direktor des Middle East Centers der Carnegie Stiftung in Beirut. Der Libanese hat an der Harvard Universität studiert und ist Autor zahlreicher Bücher über den Nahen und Mittleren Osten.
Salem: Auch Menachem Begin, Schimon Peres und Jassir Arafat haben den Friedensnobelpreis bekommen. Diese Auszeichnung funktioniert eher wie ein Meilenkonto für Vielflieger. Sie bekommen noch ein paar Meilen obendrauf. Aber ob und wo Sie diese einlösen können, dass kann ihnen niemand voraussagen.
Frage: Obama hat sich in Kairo an die gesamte muslimische Welt gewandt. Wie stark wirkt diese Rede noch nach?
Salem: Sein Auftritt untermauerte sein Prestige als Mann mit muslimischem Familienhintergrund und afrikanischen Wurzeln. Er ist kein weißer Kolonialist und kein christlicher Kreuzritter. Die Bevölkerung bringt ihm nach wie vor große Sympathien entgegen – auch wenn es erste Enttäuschungen gibt.
Frage: Zum Beispiel?
Salem: Immer mehr Menschen kritisieren, dass Obama nicht genug Druck auf Israel ausübt. Beispiel Siedlungsstopp. Für die Gesamtlösung des Konflikts ist dies ein winziger Aspekt. Aber wenn es hier schon klemmt, wie sollen dann die richtig großen Probleme angepackt und gelöst werden. Trotzdem sind diese negativen Gefühle noch nicht in offenen Ärger oder Feindseligkeit umgeschlagen. Die Leute unterstellen Obama nach wie vor, dass er eine neue Politik versucht – anders als viele seiner Vorgänger im Weißen Haus.
Frage: Was werden die Prioritäten der Obama-Administration in der Region sein?
Salem: Noch existiert kein ausgearbeitetes politisches Gesamtkonzept für den Nahen Osten. Erste Schwerpunkte jedoch sind bereits erkennbar. Der Nahostkonflikt und die Verhandlungen mit dem Iran stehen ganz oben auf der Prioritätenliste. Im Irak hat Obama mit der Einlösung seines Versprechens begonnen, die Truppen abzuziehen. Auch im Verhältnis zu Syrien zeichnet sich ein Neubeginn ab.
- Nobelpreis
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Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte:
Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde.
Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben".
- Verleihung
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Die Preise werden seit 1901 vergeben. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Einen wissenschaftlichen Preis können sich bis zu drei Menschen Teilen teilen.
Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf heute 10 Millionen Kronen (1 Million Euro).
Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.
- Preise
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Die Friedensnobelpreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.
Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt.
Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.
Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden.
- Friedensnobelpreisträger
Eine Auswahl: 1901, Jean Henry Dunant; 1905, Bertha von Suttner; 1906, Theodore Roosevelt; 1919, Thomas Woodrow Wilson; 1922, Fridtjof Nansen; 1926, Aristide Briand & Gustav Stresemann; 1935, Carl von Ossietzky; 1952, Albert Schweitzer; 1953, George C. Marshall; 1964, Martin Luther King, jr.; 1965, UNICEF; 1971, Willy Brandt; 1973, Henry Kissinger; 1977, Amnesty International; 1978, Anwar as-Sadat; 1978, Anwar as-Sadat; 1990, Michail Gorbatschow; 1989, 14. Dalai Lama; 1991, Aung San Suu Kyi; 1994, Jassir Arafat, Jitzhak Rabin & Schimon Peres; 2001, UNO, Kofi Annan; 2005, IAEA, Mohammed el-Baradei; 2007, Weltklimarat, Al Gore
Frage: Den meisten Applaus bekam Obama in Kairo, als er im Namen der arabischen und muslimischen Gesellschaften mehr Freiheit und mehr Respekt für Menschenrechte forderte. Was erwarten Sie auf diesem Feld?
Salem: Er wird dieses Thema nicht so explizit betonen, wie sein Vorgänger George W. Bush. Aber er wird sich für mehr politischen Wettkampf und freiere Wahlen einsetzen. Obama hat in Kairo ein sehr positives Bild des Islams gezeichnet und ihn mit Freiheit und Menschenrechten in Verbindung gebracht. Darum wird er dafür werben, dass künftig islamistische Parteien stärker in den politischen Prozess einbezogen werden. Damit sind nicht bewaffnete Bewegungen wie Hamas und Hisbollah gemeint, sondern zum Beispiel die Muslimbruderschaft in Ägypten.
Das Gespräch führte Martin Gehlen.
- Datum 09.10.2009 - 17:04 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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