Friedensnobelpreis für Obama Die gute Absicht zählt

Das Sympathiepolster seiner Kairoer Rede trägt Barack Obama in der Region auch heute noch: Was die Menschen in Ägypten, Iran und im Irak von der Auszeichnung halten.

4. Juni 2009: US-Präsident Obama während seiner Rede in der Kairoer Universität

4. Juni 2009: US-Präsident Obama während seiner Rede in der Kairoer Universität

Als wenn es die Obsthändler von Kairo geahnt hätten. Seitdem sich die Nachricht von dem Friedensnobelpreis an Barack Obama in der ägyptischen Hauptstadt verbreitet, preisen sie ihre beste Sorte noch lauter an, die sogenannten Obama-Datteln – prall, hellrot und zuckersüß, das Kilo für vier Euro. "Wir lieben Obama und darum nennen wir unsere Superdatteln nach ihm”, schmunzelt der Händler Omar Ashraf auf einem kleinen Markt im Stadtteil Dokki. Im Jahr zuvor hatte er seine Premium-Sorte noch Nasrallah genannt – nach dem Hisbollah-Chef im Libanon.

Doch seit der neue Mann im Weißen Haus am 4. Juni für seine große Rede an die muslimische und arabische Welt in Kairo war, heißen die nahrhaften Früchte wie der amerikanische Präsident. Seit seinem Amtsantritt gilt Obama nicht zuletzt wegen seines Mittelnamens Hussein und seiner muslimischen Wurzeln in der arabischen Welt als Sympathieträger, auch wenn zu den ersten Gratulanten der Region heute ausgerechnet der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad gehörte. "Wir hoffen, der Friedensnobelpreis wird ihm den Anreiz geben, Gerechtigkeit in die Weltordnung zu bringen", ließ er seinen Sprecher schon eine Stunde nach der Bekanntgabe in Oslo erklären und fügte gleich aus iranischer Sicht den entscheidenden Lackmustest hinzu: "Wenn er das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat aufgibt, kann er beweisen, dass er den Preis zu Recht erhalten hat."

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Anders sieht das die 23-jährige Teheraner Studentin Neggeen Salehi. "Ich finde, Obama hat den Preis verdient, obwohl er noch keine konkreten politischen Erfolge im Mittleren Osten vorzuweisen hat", sagt sie gegenüber Reuters. Obama aber sei entschlossen, etwas Positives zu erreichen und darum "hat er den Preis vor allem für seine guten Absichten und weniger für seine guten Taten erhalten".

Mit deutlicher Skepsis dagegen reagierten die Menschen im benachbarten Irak, obwohl sie Obamas Bemühungen, die amerikanischen Truppen abzuziehen und die Gewalt im Land zu bekämpfen, anerkennen. "Immerhin besser als Bush", meinte ein 45-jähriger Wachmann vor einer großen Bank in Bagdad zu einem Reporter von AFP und fügte hinzu. "Obama hat die Lage im Irak und in anderen Staaten beruhigen können." Und unter ihm habe Amerika mit den islamischen und arabischen Ländern einen neuen Anfang gemacht. Ein anderer dagegen geht dazwischen und sagt, der Chef des Weißen Hauses habe die Auszeichnung nicht verdient. Alle Probleme im Irak und in Afghanistan seien bislang nicht gelöst, kritisiert er. "Der Mann des Wechsels hat bislang nichts verändert".

Der 31-jährige Sarmad Abbas dagegen, Besitzer eines Supermarktes in Bagdad, begrüßt die Entscheidung des norwegischen Nobelkomitees: "Obama hat den Preis absolut verdient", sagte er gegenüber Reuters. Seine Politik unterscheide sich grundlegend von der seines Vorgängers. "Zum ersten Mal erleben wir einen amerikanischen Präsidenten, der eine respektvolle Haltung einnimmt gegenüber dem Islam und gegenüber den Muslimen", fügte der Mann hinzu. Für die Iraker sei vor allem wichtig, dass Obama die amerikanischen Truppen abziehen wolle. "Und ich glaube, er wird das auch tun."

Leser-Kommentare
    • kayob
    • 09.10.2009 um 18:05 Uhr
    1. aha...

    das klingt, falls das repräsentativ ist ja gar nicht schlecht.
    ich habe gedacht, die entscheidung aus oslo würde wie ein innerwestliches schulterklopfen aufgefasst im rest der welt.
    aber wenn es auch nur 20% gäbe, die die entscheidung gut finden, dann zeigt das, dass a) im vergleich zu bush viel passiert ist, b) worte doch zu konkreten veränderungen geführt haben und c) das möglichkeitsfenster für frieden, also die ersten schritte dort hin, im nahen osten immernoch offen steht, weil obama es geöffnet hat.
    soweit so gut.
    bin noch gespannt auf die inner usa reaktionen, vor allem, der obama gegner.
    bislang halte ich die verleihung für einen fehler, weil sie us-innenpolitisch mehr schadet als nutzt, aber vielleicht irre ich mich ja. schön wär das.

  1. Der Friedensnobelpreis an Präsident Obama.
    Denn: Amerika hat in der Vergangenheit häufig Unfrieden gestiftet, viel Leid angerichtet.
    Obama versucht eine Korrektur. An den Versuchen sieht man immer wieder, wenn sie in die Leere gehen, daß eine bestimmte amerikanische Denkweise nicht sonderlich friedensorientiert ist, sondern an Profit und Macht interessiert ist.
    Oder man sieht an diesen Versuchen, daß konfliktgeladene internationale Beziehungen sich nicht von heut auf morgen umdrehen lassen wegen des Vertrauensverlusts.
    Und wenn Amerika den Anspruch hat, eine Weltmacht zu sein, so sollten wir den Anspruch haben, daß man diese Möglichkeiten dazu nutzt, eine Menge Frieden zu schaffen.

  2. ...wiedergegeben ist ( http://www.nobelpreis.org... ), müßte das Nobel-Kommittee wegen permanenter Veruntreuung vor Gericht gestellt werden.

    Es bestimmt ausdrücklich, daß die Leistungen des Vorjahrs bewertet werden sollen, und daß die Leistungen bereits erfolgt sein müssen.
    Testamentsvollstrecker haben keine Deutungshoheit, sie sind an den Buchstaben gebunden.

    Wenn Herr Obama Anstand hätte, hätte er die Annahme verweigert, statt sich "demütig" zu geben und das Verdienst abzustreiten aber die Kohle trotzdem einzufahren.

    Schade eigentlich.

    P.S. Wie war das noch mit Boni für nicht erreichte Ziele ?

  3. Ich habe vor in den nächsten Jahren eine Zeitmaschiene zu entwickeln. Hierfür hätte ich meiner Ansicht nach durchaus Anrecht auf den Physik-Nobelpreis, für den ich mich hiermit vorschlage.
    Mit freundlichen Grüßen

    • kayob
    • 12.10.2009 um 1:52 Uhr

    endlich mal paar nette beiträge...
    bin vor allem bei "sarrazin" unterwegs und da ist das hier ne schöne erholung

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