Terror in Bagdad Irak drohen Chaos und Zerfall
Ein Inferno von Tod und Zerstörung: Terroristen haben in Bagdad vier Regierungsgebäude zerbombt. Sie wollen den Irak in einen religiös-ethnischen Bruderkrieg treiben.
© Ahmad AL-Rubaye/AFP/Getty Images

Trauer um Tod und Zerstörung: Ein Ministerium in Bagdad nach dem Bombenanschlag, Sonntag 25. Oktober
In Bagdad bebte die Erde. Das im August zerschmetterte Außenministerium ist noch nicht ganz wiederhergestellt, das Wirtschaftsministerium erst teilweise wieder arbeitsfähig, da verwandelte am Sonntag die nächste Lastwagenbombe das Justizministerium in eine rauchende Ruine. Drei zentrale Säulen der irakischen Bundesregierung plus die Provinzverwaltung von Bagdad wurden in den letzten zwei Monaten von Attentätern in Schutt und Asche gelegt. Mehr als 250 Menschen starben, die Verletzten gehen in die Tausende.
Angesichts dieses Infernos von Tod und Zerstörung wachsen in den Vereinigten Staaten zu Recht die Sorgen, genauso wie in den europäischen Hauptstädten und bei der Nato. Denn die mörderischen Selbstmordattentate könnten der jungen Post-Saddam-Republik das Rückgrat brechen, noch bevor sie ganz auf die eigenen Beine gekommen ist. Die Attentäter und ihre Hintermänner wollen die ölreiche Nation in einen religiös-ethnischen Bruderkrieg zurückbomben, sie in Chaos und Zerfall hineintreiben sowie demonstrieren, dass die schiitisch dominierte Regierung unter Premier Nuri al-Maliki unfähig ist, ihre Bürger zu schützen.
Gleichzeitig könnte ihr mörderisches Treiben aber auch dem Weißen Haus seinen militärischen Rückzugsplan durchkreuzen. Nicht nur für al-Maliki, auch für US-Präsident Barack Obama steht viel auf dem Spiel. Schließlich kann die westliche Supermacht, die die Invasion in den Irak vor sechs Jahren an der Spitze einer "Koalition der Willigen" vom Zaun brach, im August 2010 nicht einfach ein Volk zurücklassen, das in Blut und Bürgerkrieg versinkt. Können die US-Truppen jedoch nicht wie geplant abrücken, ginge das zu Lasten der gerade neu justierten amerikanischen Prioritäten in der Region – den Krieg gegen die Taliban in Afghanistan intensivieren, die innere Lage in der Atommacht Pakistan stabilisieren und eine neue Nuklearmacht Iran verhindern.
Doch die irakische Krise wird nicht nur geschürt durch Bomben und Selbstmordattentäter, sondern auch durch das Versagen der einheimischen Politiker und die Unfähigkeit der Sicherheitskräfte. 750.000 Mann hat der Irak in Uniform – als Polizisten und Soldaten. Bei jedem neuen Anschlag stellt sich heraus, dass die Bewacher ihrer Arbeit nur lax und unwillig nachgehen. Im August waren Kontrollposten im Regierungsviertel bestochen worden, damit diese die beiden Lastwagen mit ihren tonnenschweren Todesladungen passieren ließen. Am Sonntag kam ein Lastwagen gar aus dem 50 Kilometer entfernten Falludschah und gelangte mit 1000 Kilogramm Sprengstoff direkt bis vor die Haustüre der Provinzregierung.
Ähnlich trübe sieht es bei der politischen Entschärfung der ethnischen und religiösen Spannungen aus. Auch hier geht nichts voran. Alle Bevölkerungsgruppen und Regionen haben gefährliche Rechnungen offen – Kirkuk ist nur das bekannteste Beispiel. Und im Streit um das neue Wahlgesetz haben sich Parlament und Regierung in eine Totalblockade hineinmanövriert. Im Januar 2010 will der Irak erstmals in Eigenregie eine nationale Parlamentswahl organisieren. Das politische Establishment jedoch ist bislang nicht bereit, durch eine Reform des Wahlsystems der weitverbreiteten Frustration im Volk gegenüber seinen Volksvertretern Rechnung zu tragen. In den letzten vier Jahren agierten die Abgeordneten in ihrem hoch gesicherten Raumschiff "Grüne Zone" in Bagdad – von den Menschen isoliert und keinem Wahlkreis verpflichtet.
Das neue Gesetz will mehr Bürgernähe schaffen, indem es die Macht der Parteigewaltigen beschränkt, die konfessionellen Einheitslisten öffnet und Direktmandate einführt. So könnten künftig Kandidaten verschiedener religiöser oder ethnischer Herkunft in neuen Parteien zusammenfinden und alte Gräben überwinden. Ministerpräsident Nuri al-Maliki befürwortet diese Modernisierung, kann sich aber bisher nicht durchsetzen. Selbst am Sonntagabend unter dem Schock der jüngsten Riesenexplosionen und per Telefon live von US-Präsident Barack Obama ins Gebet genommen weigerte sich der "Politische Rat für Nationale Sicherheit", dem alle irakischen Parteichefs angehören, den gordischen Knoten zu durchschlagen. Denn viele Abgeordnete fürchten, unter dem neuen Wahlsystem ihre Mandate zu verlieren. Sie fordern bessere Aussichten für sich selbst – keine guten Aussichten für den Irak.
Ein Beitrag aus dem Tagesspiegel
- Datum 26.10.2009 - 16:41 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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"das Versagen der einheimischen Politiker und die Unfähigkeit der Sicherheitskräfte." Ja, ja, die müssten mal ein paar preussische Tugenden erlernen, was?
Alles, aber auch alles, war schon vorher klar. Zur Strafe sollten die Amis jetzt die Suppe auslöffeln müssen, denn immerhin haben sie gleich zweimal den Totalversager Bush gewählt. Man könnte mit Reparationszahlungen anfangen. Den internen Konflikten hat man allerdings nachhaltig die Bahn frei gemacht, daran lässt sich nun nichts mehr ändern.
Afghanistan ist dann ganz weit weg.
totalversager bush? angenommen einer anderer waere damals praesident, was wuerde er an stelle bushs machen? nichts? so tun als am 11.9.2201 nicht geschehen waere? das waere doch was fuer einen us praesidenten.
fakt ist, dass man heute noch nichts beurteilen kann. es kann sein, dass in 10 bis 20 jahren irak frei und sicher sein wird. und der einzige man, dem man das zu verdanken haette, waere bush. heute ist es viel zu frueh um urteile zu faellen.
vergisst auch nicht, dass wenn die terroristen in irak und afghanistan nicht mit westlichen truppen zu kaempfen haetten, wuerden sie viel mehr zeit fuer anschlaege im westen zu plannen. dann waeren die amerikaner vielleicht nicht so frueh aber spaetestens nach anderen anschlaegen eingeschritten.
Ja, ja, die Terroristen im Irak. Die hat sich der Totalversager Bush selbst herangezüchtet.
Vor dem Einmarsch war klar wie sich der Fall entwickeln würde und es ist alles so eingetroffen, wie es seinerzeit prophezeiht wurde. Und so wird es in den nächsten Jahrzehnten weiter gehen. Ehrenwort.
Was 2001 angeht. Der Welt wäre einiges erspart geblieben, wenn der Totalversager Bush nicht die Gelegenheit ergriffen hätte, seine missratene Präsidentschaft mit einer Angst- und Schreckenkampagne zu restaurieren.
Ja, ja, die Terroristen im Irak. Die hat sich der Totalversager Bush selbst herangezüchtet.
Vor dem Einmarsch war klar wie sich der Fall entwickeln würde und es ist alles so eingetroffen, wie es seinerzeit prophezeiht wurde. Und so wird es in den nächsten Jahrzehnten weiter gehen. Ehrenwort.
Was 2001 angeht. Der Welt wäre einiges erspart geblieben, wenn der Totalversager Bush nicht die Gelegenheit ergriffen hätte, seine missratene Präsidentschaft mit einer Angst- und Schreckenkampagne zu restaurieren.
das erwartet uns in Europa auch bald. Die Christen sind im Irak bald ausgerottet.
Ich finde es begrüßenswert, dass Sie durch diese pointierte und nicht ganz ironiefreie Aussage auf rechte Tendenzen in Deutschland aufmerksam machen möchten, Islam-Gläubige expedieren zu wollen.
Frdl. Gruß
Pf.
Ja, ja, die Terroristen im Irak. Die hat sich der Totalversager Bush selbst herangezüchtet.
Vor dem Einmarsch war klar wie sich der Fall entwickeln würde und es ist alles so eingetroffen, wie es seinerzeit prophezeiht wurde. Und so wird es in den nächsten Jahrzehnten weiter gehen. Ehrenwort.
Was 2001 angeht. Der Welt wäre einiges erspart geblieben, wenn der Totalversager Bush nicht die Gelegenheit ergriffen hätte, seine missratene Präsidentschaft mit einer Angst- und Schreckenkampagne zu restaurieren.
des Terrors ist die US-Politik ( die lokale Einflussnahme und Präsenz der USA ) der letzten Jahrzehnte im arabischen Raum mit der Verfolgung amerikanische Interessen (Öl) sowie die bedingungslose Unterstützung Israels. Zum Irak: Das kleinere Übel war der Irak unter dem Saddam Regime, das jahrelang durch die USA gefördert und gestützt wurde (hier auch Parallelen zum Schah-Regime im Iran). Erst als Saddam "aus dem Ruder lief" und amerikanischen Interessen zuwider handelte,sollte er einen Dämpfer bekommen, wobei Bush senior klug genug war, den Irak zu erhalten. Mit dem Irak Krieg wollte die geistig eher schwach ausgestattete Marionette Bush junior sich profilieren, seine hinter ihm stehenden Einflüsterer hatten ihre eigene Agenda (Stärkung des israelischen Staates durch die Zerschlagung des Iraks und Zugriff auf die Ölreserven). Das der Krieg gegen den Irak die ganze Region destabilisieren würde und weitere Kriegsschauplätze eröffnen würde (Afghanistan) war absehbar. Das sich die durch die USA installierten Regierungen (sowohl im Irak als auch in Afghanistan) nicht halten werden, ist voraussehbar. Ich verstehe die gegenwärtigen (Bürger)Kriege in erster Linie als Kampf gegen die
Hegemonialmacht USA. So lange a.) kein Friedensabschluss mit den Palistinensern zustande kommt und b.) die USA ihre Interessen im arabischen Raum nicht reduzieren, werden weitere Kriege folgen.
...die nahe legten, dass es einer längeren Stabilisierungperiode bedarf, während der man Truppen im Lande lassen muss, um eine Demokratie nachhaltig zu etablieren. Das ist eine Faustregel. Sie scheint aber relativ robust.
Wenn man von Aussen gewaltbereite Elemente damit Hoffnungen macht, die stabilisierenden Truppen könnten bald abgezogen werden, so werden sie eher weiter machen. Daher war die Aufforderung die Amerikaner sollten sich rasch zurückziehen durch die Achse damals für die Lage im Irak eine Katastrophe.
An Stelle der USA ist indes unsicher, dass es sich für sie lohnt zu bleiben. Sie sind durch Irak kaum noch bedroht. Das sind eher die arabischen Anreiner inklusive Russland sowie die Europäer, die erhebliche Nachteile und Risiken aus einer Destabilisierung hätten. Natürlich würden diese Länder ein weit weniger freies System dort etablieren. Die Russen und arabischen Nachbarn glauben solche Gesellschaftsstrukturen seien besser, weil sie die eigenen Eliten nicht in Frage stellen und die Europäer... Ja die Europäer....
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