Krieg und Chaos Ein Staat zerfällt
Im Jemen herrschen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung Krieg und Chaos – davon profitiert vor allem das Terrornetzwerk al-Qaida
© Khaled Fazaa/AFP/Getty Images

Jemenitische Soldaten in der Hauptstadt Sanaa
Im Norden tobt ein offener Bürgerkrieg. Der Süden rebelliert und will raus aus dem Staat, während die zweite Generation von Al Qaida inzwischen ungehindert im gesamten Land operiert. 20 Jahre nach seiner Wiedervereinigung taumelt der Jemen dem Abgrund entgegen. Das eigene Öl, das zu 70 Prozent den Staatshaushalt finanziert, geht zur Neige. Die Hauptstadt Sanaa wird bald ohne Trinkwasser sein, weil die fossilen Speicher unter der Millionenmetropole nahezu leergepumpt sind. Dem Land an der Südspitze der arabischen Halbinsel drohen Chaos und Zerfall – und damit ein Schicksal wie Afghanistan oder wie Somalia auf der anderen Seite des Golfs von Aden, der wichtigsten Schifffahrtsroute der Welt.
Zehntausende Menschen gingen diese Woche wieder mit Flaggen der früheren Volksrepublik Südjemen "für ihre Befreiung" auf die Straße. Seit April kommt es regelmäßig zu Unruhen der Sezessionisten. Ausgerechnet am 22. Mai – bei den Feiern zum Jahrestag der Wiedervereinigung 1990 – schoss die Polizei scharf in die Menge. Mehrere Menschen starben. Im Norden rollen jetzt in der "Operation verbrannte Erde" Panzer und fliegen MiG-Kampfjets täglich Bombenangriffe. Seit fünf Jahren schwelt der Bürgerkrieg zwischen der Zentralregierung und schiitischen Rebellen. Seit Mitte August ist die Konfrontation in den Provinzen Saada und Amran zu einem offenen Krieg entbrannt, der sich jetzt auch der Hauptstadt Sanaa nähert. "Die Sicherheitslage hat sich in letzter Zeit erheblich verschlechtert", sagt ein ausländischer Diplomat. Denn die Regierungstruppen sind miserabel bezahlt und schlecht gerüstet, die Rebellen gut organisiert und motiviert. "Sie haben enorme Kräfte und fürchten den Tod nicht", vertraute ein entnervter Soldat einem lokalen Reporter an.
Jemens Führung beschuldigt die Schiiten, die etwa 30 Prozent der 23 Millionen Einwohner ausmachen, mit Rückendeckung des Irans einen eigenen Gottesstaat gründen zu wollen. Rund 150 000 Menschen sind bereits aus ihren Häusern vertrieben, viele müssen im Freien campieren und haben kaum etwas zu essen, weil Hilfsorganisationen nicht zu ihnen vordringen können. Flüchtlinge, die sich auf saudisches Gebiet retten konnten, werden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch von Grenztruppen des Königreiches mit Gewalt zurück in das Kriegsgebiet gebracht. 1500 Kilometer Grenze teilt Saudi-Arabien mit seinem armen südlichen Nachbarn. Nun lässt Riad eilig einen Zaun mitten durch die Wüste errichten.
Von dem staatlichen Zerfallsprozess des Jemen profitiert vor allem Al Qaida. Ihre junge Führung ist skrupelloser und ehrgeiziger. Das jahrelange Stillhalteabkommen mit der Regierung in Sanaa haben sie ad acta gelegt. Inzwischen dienen die zerklüfteten Bergregionen des Landes für viele hundert Kämpfer aus Afghanistan und Irak als sicheres Rückzugsgebiet. Auch die Zentrale der im Januar neu gegründeten "Al Qaida der Arabischen Halbinsel" hat sich hier etabliert. Aufgeschreckt hat westliche Geheimdienste und die benachbarten Saudis vor allem der perfide Selbstmordanschlag auf Vizeinnenminister Muhammad bin Nayif in dessen Palast in der Hafenstadt Dschidda. Der Attentäter stand ganz oben auf der saudischen Fahndungsliste, hielt sich jedoch bis zu seinem Einsatz im Jemen versteckt. Den Sprengsatz hatte er sich offenbar durch den After in den Enddarm schieben lassen, überwand so alle Sicherheitskontrollen und löste im Haus des Prinzen vor einem Ramadan-Festessen per Handy die Explosion aus. Sein Opfer wurde nur leicht verletzt, doch dieses Vorgehen hat alle Sicherheitsbehörden rund um den Globus in Alarm versetzt.
Aber auch die anderen arabischen Staaten reagieren zunehmend nervös. Kürzlich eilte Ägyptens Außenminister Ahmed Abul Gheit in Begleitung von Geheimdienstchef Omar Suleiman nach Sanaa und versicherte "der Schwester im Jemen" seine uneingeschränkte Rückendeckung. Diese Woche folgte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amr Mussa, um zwischen Präsident Ali Abdullah Saleh und den schiitischen Rebellen im Norden zu vermitteln. "Die Einheit des Jemen liegt nicht nur den Jemeniten, sondern allen Arabern am Herzen", versicherte er. Doch Saleh, der seit der Wiedervereinigung 1990 an der Spitze des Landes steht, entließ den arabischen Emissär aus dem zweistündigen Gespräch mit leeren Händen.
- Datum 09.10.2009 - 13:15 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 9
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....profitiert vor allem Al Qaida."
Daher müssen wir eine globale Sicherheitsordnung mit allgemeiner Durchsetzung und Beteiligung einrichten. Wir müssen für sie Legitimität erwerben. Oder wollen wir da jetzt selbst hin und Ordnung schaffen oder wie früher die Amerikaner anflehen dazu? Bush hat uns doch gesagt, dass wir Verantwortung übernehemn müssen oder irrelevant sein. Die Irrelevanz haben wir dann erlitten und mochten sie nicht. Also Verantwortung nehmen muß? Die wird teuer auch mit einem glaobalen System.
Das hier Herr Bush von einem/r engagierten Leser/in zitiert wird halte ich für bedenklich, er ist klar der schlechteste US-Präsident aller Zeiten gewesen...
Das hier Herr Bush von einem/r engagierten Leser/in zitiert wird halte ich für bedenklich, er ist klar der schlechteste US-Präsident aller Zeiten gewesen...
Wenn man nur zuschauen kann, wie ein Freund sich selbst zu Grunde richtet und einfach nicht verstehen will, dass er nen Denkfehler hat, was tut man da?
Was tut man als Staat, der mit ansehen muss, wie ein anderer Staat im Bürgerkrieg zu Grunde geht, noch mitgeschüttelt durch Terroristen?!
Ich habe keine Ahnung.
Sich rauszuhalten, zeugt von Respekt vor dem anderen. Sich einzumischen zeugt von Verantwortung, diesen selbstzerstörerischen Prozess aufzuhalten.
Was ist besser? Und vorallem: Wie macht man dem anderen seinen Denkfehler klar?
Ich bin sicher, wenn ein Staat wirklich Engagement zeigen möchte, kann er mehr tun als Sie glauben. Dazu muss man sich nur in Erinnerung rufen, dass ja alle Terrorgruppen irgendwoher finanziert werden müssen, nicht selten stecken dahinter versteckte internationale Interessen, wie der Autor es bei den Schiiten und dem Iran andeutet (auch Al-Qaida ist international zusammengeschustert). Darüber wissen die Geheimdienste, der BND und seine internationalen Kollegen ausgiebig bescheid.
Wenn man also wirklich wöllte, aber nur dann, kann man hier ansetzen und Geldquellen und Zulieferungswege von Waffen etc. (wie jetzt, Sanaa hat kaum mehr Trinkwasser, aber die Kampfjets fliegen täglich...) abschneiden.
Aber ich glaube nicht, das irgendwer in den Regierungen und Geheimdiensten das wirklich will. Irgendwo stecken auch im Jemen, oder in seiner neuen Qualität als Versteck und Vertuschung, westliche Interessen. Jegliches öffentliche Bedauern westlicher Regierungen ist mit der Mitwisserschaft und dem geheimen Profit eine Farce.
Ich bin sicher, wenn ein Staat wirklich Engagement zeigen möchte, kann er mehr tun als Sie glauben. Dazu muss man sich nur in Erinnerung rufen, dass ja alle Terrorgruppen irgendwoher finanziert werden müssen, nicht selten stecken dahinter versteckte internationale Interessen, wie der Autor es bei den Schiiten und dem Iran andeutet (auch Al-Qaida ist international zusammengeschustert). Darüber wissen die Geheimdienste, der BND und seine internationalen Kollegen ausgiebig bescheid.
Wenn man also wirklich wöllte, aber nur dann, kann man hier ansetzen und Geldquellen und Zulieferungswege von Waffen etc. (wie jetzt, Sanaa hat kaum mehr Trinkwasser, aber die Kampfjets fliegen täglich...) abschneiden.
Aber ich glaube nicht, das irgendwer in den Regierungen und Geheimdiensten das wirklich will. Irgendwo stecken auch im Jemen, oder in seiner neuen Qualität als Versteck und Vertuschung, westliche Interessen. Jegliches öffentliche Bedauern westlicher Regierungen ist mit der Mitwisserschaft und dem geheimen Profit eine Farce.
...Den Sprengsatz hatte er sich offenbar durch den After in den Enddarm schieben lassen, überwand so alle Sicherheitskontrollen und löste im Haus des Prinzen vor einem Ramadan-Festessen per Handy die Explosion aus. Sein Opfer wurde nur leicht verletzt, doch dieses Vorgehen hat alle Sicherheitsbehörden rund um den Globus in Alarm versetzt....
das kommt doch recht nahe an homosexuelle Praktiken... was sagt denn die Scharia dazu, gibts dann Jungfrauen oder vielleicht was ganz anderes...hier sind Islamwissenschaftler gefordert..
Hier ist von den BUSH-Kriegern ein Popanz aufgebaut worden. wenn die Falken wieder einen neuen Kriegsschauplatz aufbauen wollen. Der Konflikt zwischen Nord- und Südjemen entstand während der heißen Phase des Kalten Krieges und hat rein garnichts mit der von Bush intinierten Terrorismus-Hysterie zu tun. Aber unsere "Tintenklekser" werfen alles in einen Pott, wenn es der politischen Clique gefällt. Deshalb, liebe Bürger passt auf, sonst habt ihr einen neuen Krieg zu bezahlen.
...ein Popanz aufgebaut worden"
Sagen Sie das den Angehörigen der Attentate, die der Bushadministration voraus gingen. Als sich 9/11 ereignete waren hier alle ganz unglücklich, weil Bush Anstallten machte sich aus der internationalen Arena teilweise zurück zu ziehen. Das wollte auch niemand, da es für sie Verantwortung bedeutet hätte und vor Allem höhere Kosten.
Die Alternative war auch niemandem Recht, zeigte aber wie wichtig es wäre sich doch einzubringen. Man fuhr sogar die Untergrabung der Sanktionen gegen Iran zurück und erfuhr, wieso die Amerikaner so unglücklich gewesen waren, wie man selbst früher handelte, indem man Sanktionen durch Handel unwirksam machte. Man begann zu verstehen, wenn man objektiv sein wollte, wieso einige der Einsätze notwendig geworden waren und wieso der intensive Handel mit der Sovietunion den Kalten Krieg verlängert hatte.
Es gibt noch viel, was man hier noch wird lernen müssen und viele alte und liebe Vorstellungen werden fallen. Man nahm bspw 6 Piraten fest und konnte sie nicht in Bremen vor Gericht stellen, weil man Angst hatte sie würden nicht verurteilt werden können, da Beweismittel auf dem Schlachtfeld sich nicht sammeln lassen. Man schickte sie statt dessen in einen siechenden Tod nach Kenia. Usw...
...ein Popanz aufgebaut worden"
Sagen Sie das den Angehörigen der Attentate, die der Bushadministration voraus gingen. Als sich 9/11 ereignete waren hier alle ganz unglücklich, weil Bush Anstallten machte sich aus der internationalen Arena teilweise zurück zu ziehen. Das wollte auch niemand, da es für sie Verantwortung bedeutet hätte und vor Allem höhere Kosten.
Die Alternative war auch niemandem Recht, zeigte aber wie wichtig es wäre sich doch einzubringen. Man fuhr sogar die Untergrabung der Sanktionen gegen Iran zurück und erfuhr, wieso die Amerikaner so unglücklich gewesen waren, wie man selbst früher handelte, indem man Sanktionen durch Handel unwirksam machte. Man begann zu verstehen, wenn man objektiv sein wollte, wieso einige der Einsätze notwendig geworden waren und wieso der intensive Handel mit der Sovietunion den Kalten Krieg verlängert hatte.
Es gibt noch viel, was man hier noch wird lernen müssen und viele alte und liebe Vorstellungen werden fallen. Man nahm bspw 6 Piraten fest und konnte sie nicht in Bremen vor Gericht stellen, weil man Angst hatte sie würden nicht verurteilt werden können, da Beweismittel auf dem Schlachtfeld sich nicht sammeln lassen. Man schickte sie statt dessen in einen siechenden Tod nach Kenia. Usw...
Ich bin sicher, wenn ein Staat wirklich Engagement zeigen möchte, kann er mehr tun als Sie glauben. Dazu muss man sich nur in Erinnerung rufen, dass ja alle Terrorgruppen irgendwoher finanziert werden müssen, nicht selten stecken dahinter versteckte internationale Interessen, wie der Autor es bei den Schiiten und dem Iran andeutet (auch Al-Qaida ist international zusammengeschustert). Darüber wissen die Geheimdienste, der BND und seine internationalen Kollegen ausgiebig bescheid.
Wenn man also wirklich wöllte, aber nur dann, kann man hier ansetzen und Geldquellen und Zulieferungswege von Waffen etc. (wie jetzt, Sanaa hat kaum mehr Trinkwasser, aber die Kampfjets fliegen täglich...) abschneiden.
Aber ich glaube nicht, das irgendwer in den Regierungen und Geheimdiensten das wirklich will. Irgendwo stecken auch im Jemen, oder in seiner neuen Qualität als Versteck und Vertuschung, westliche Interessen. Jegliches öffentliche Bedauern westlicher Regierungen ist mit der Mitwisserschaft und dem geheimen Profit eine Farce.
...ein Popanz aufgebaut worden"
Sagen Sie das den Angehörigen der Attentate, die der Bushadministration voraus gingen. Als sich 9/11 ereignete waren hier alle ganz unglücklich, weil Bush Anstallten machte sich aus der internationalen Arena teilweise zurück zu ziehen. Das wollte auch niemand, da es für sie Verantwortung bedeutet hätte und vor Allem höhere Kosten.
Die Alternative war auch niemandem Recht, zeigte aber wie wichtig es wäre sich doch einzubringen. Man fuhr sogar die Untergrabung der Sanktionen gegen Iran zurück und erfuhr, wieso die Amerikaner so unglücklich gewesen waren, wie man selbst früher handelte, indem man Sanktionen durch Handel unwirksam machte. Man begann zu verstehen, wenn man objektiv sein wollte, wieso einige der Einsätze notwendig geworden waren und wieso der intensive Handel mit der Sovietunion den Kalten Krieg verlängert hatte.
Es gibt noch viel, was man hier noch wird lernen müssen und viele alte und liebe Vorstellungen werden fallen. Man nahm bspw 6 Piraten fest und konnte sie nicht in Bremen vor Gericht stellen, weil man Angst hatte sie würden nicht verurteilt werden können, da Beweismittel auf dem Schlachtfeld sich nicht sammeln lassen. Man schickte sie statt dessen in einen siechenden Tod nach Kenia. Usw...
Das hier Herr Bush von einem/r engagierten Leser/in zitiert wird halte ich für bedenklich, er ist klar der schlechteste US-Präsident aller Zeiten gewesen...
Teil 1
Ein gut recherchierter und kenntnisreich geschriebener Artikel. Leider ein wenig kurz.
Einen ganz zentralen Aspekt übersieht der Autor jedoch: die Demographie des Jemen.
Mir scheint die eigentliche Ursache des Bürger-, Stammes- und Religionskrieges im Jemen nicht so sehr irgendwelche wirtschaftliche Benachteiligungen irgendwelcher Regionen im Norden, religiöse Streitigkeiten und ethnische Zwistigkeiten zwischen den verschiedenen Stammesgruppen zu sein. Diese scheinen doch nur der Anlaß für die kriegerischen Auseinandersetzungen zu sein.
Nein, die eigentlichen Ursachen liegen in dem enormen Bevölkerungswachstum der letzten Jahrzehnte! Im Jemen hat sich ein gigantischer Youth Bulge aufgebaut; junge Männer im Alter zwischen 15 bis 30 Jahren, die über ein Drittel der gesamten jemenitischen Gesellschaft ausmachen! Die allermeisten dieser jungen Männer haben keine Chance auf eine angemessene wirtschaftliche und soziale Existenz in diesem bettelarmen Land. Es sind mehrheitlich zweite, dritte und vierte Söhne, die ihren Vitalitäts- und Aggressionsüberschuß und ihre ohnmächtige Wut in solchen kriegerischen Auseinandersetzungen ausleben.
Die religiösen Differenzen (dort Schiiten, hier Sunniten und was auch sonst noch immer) und auch die wirtschaftliche Benachteiligung bestimmter Landesteile und verschiedener ethnischer Stämme sind nur zusätzliches Öl für ein Feuer, dessen Ausgangsbrennstoff nicht von dorther kommt.
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