Afghanistan Guttenberg erhält geheimen Nato-Bericht über Luftangriff
Verteidigungsminister Guttenberg ist kaum im Amt, schon erhält er brisante Ware: Den Report der Nato über den umstrittenen Luftangriff auf zwei Tanklaster.

Am 4. September 2009 bombardierten US-Kampfflugzeuge auf Befehl des deutschen Oberst Georg Klein zwei entführte Tankwagen. Bis zu 142 Menschen starben
Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist erst wenige Stunden im Amt: Soeben hat der mit 37 Jahren bisher jüngste Verteidigungsminister der Bundesrepublik seinen Vorgänger Franz Josef Jung (CDU) bei einem Großen Zapfenstreich für dessen Verdienste gewürdigt. Fast zeitgleich landete am Mittwochabend ein Flugzeug aus Afghanistan: An Bord der Untersuchungsbericht der Nato zu dem von einem Bundeswehr-Oberst im September angeordneten Luftangriff mit vielen Toten in Afghanistan.
Dieser Bericht liegt dem Bundesverteidigungsministerium nun vor. Der Inhalt ist noch nicht bekannt. Der Report wurde unter Geheimhaltung gestellt.
Die Ergebnisse dürften Einfluss auf die Ermittlungen gegen den betroffenen Oberst Georg Klein haben. Dieser ließ in der Nacht zum 4. September zwei von Taliban gekaperte Tanklastzüge im Norden Afghanistans durch US-Kampfflugzeuge bombardieren. Die Fahrzeuge waren in einem Flussbett stecken geblieben. Klein soll befürchtet haben, dass die Taliban die Tanklaster als Bomben gegen die Bundeswehr nutzen würden.
Nach afghanischen Angaben starben 99 Menschen, darunter 69 Taliban und 30 Zivilisten. Das Berliner Verteidigungsministerium hatte sich nach der Bombardierung zunächst sicher gezeigt, dass "56 Aufständische" getötet wurden – und keine Zivilisten. Die Erkenntnisse der Nato über die Zahl der Toten wurden zunächst nicht bekannt.
Medien und Verteidigungspolitiker berichteten später unter Berufung auf Informationen aus der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf, Klein habe gegen deren Regeln verstoßen. Er habe die Bombardierung im Alleingang ohne Vorwarnung für die Taliban angeordnet. Das hätte er nur machen dürfen, wenn eigene Truppen am Boden "Feindberührung" gehabt hätten, hieß es.
Nun ist von höchstem Interesse, was die Nato festgestellt hat. Kaum jemand in der Bundeswehr wagt aber zu hoffen, dass es keine Zivilisten unter den Toten gegeben hat. "Tragisch", "dramatisch", "fürchterlich" sei der Vorfall, heißt es unter Offizieren. Damit meinen sie sowohl die Toten als auch die Entwicklung des Einsatzes und die besondere Situation von Klein.
Der Oberst ist inzwischen wieder bei seinem Heimatverband in Sachsen. Seine Zeit in Afghanistan endete turnusgemäß. Die sächsische Generalstaatsanwaltschaft prüft, ob gegen ihn ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet werden muss. Klein – seit fast 30 Jahren bei der Bundeswehr – sagte kürzlich in einem Interview: "Ich habe mir jede einzelne dieser Entscheidungen – auch bei angeforderten Luftunterstützungen – niemals leichtgemacht, um diese auch im Nachhinein vor meinen Soldatinnen und Soldaten, den afghanischen Menschen und meinem Gewissen verantworten zu können."
Ohne den Bericht zu erwähnen, setzte sich Jung bei der Amtsübergabe an Guttenberg für den betroffenen Oberst ein. Soldaten, die im Auftrag Deutschlands im Ausland tätig seien, dürften nicht mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konfrontiert werden, sagte Jung und betonte, dies gelte "ausdrücklich für Oberst Klein".
Guttenberg soll an diesem Donnerstag im Ministerium in Berlin eine mehrstündige Einweisung in sein neues Amt bekommen. Dabei werde der Nato-Bericht bereits Thema sein, hieß es.
- Datum 29.10.2009 - 08:31 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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"Soldaten, die im Auftrag Deutschlands im Ausland tätig seien, dürften nicht mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konfrontiert werden, sagte Jung und betonte, dies gelte "ausdrücklich für Oberst Klein"."
Allmählich beginnen die Hiesigen seriös darüber nachzudenken, wie das ist in internationalen Sicherheitseinsätzen. Bisher hatte man die Amerikaner leicht anfeinden und moralisch verdammen können, hette man selbst ja keinen Einsatz gebracht. Nun wird man direkt mit den Fragen konfrontiert und versagt oft schlimmer, weit schlimmer als Bush.
Das will man nur nicht hören oder gar verglichen haben.
"Soldaten, die im Auftrag Deutschlands im Ausland tätig seien, dürften nicht mit staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen konfrontiert werden, sagte Jung ...." Bleibt die Frage mit was denn??
Allmählich begreift Herr Jung, was es heißt, in einem Bürgerkrieg involviert zu sein und versucht "seine Leute" außerhalb des Rechts zu stellen.
Der Sündebock ist gefunden und die sogannten "Verbündeten" schlagen auch noch mit drauf.
Da fragt man sich wieviel Feindkontakt denn bei den vielen Hochzeiten und Kindergeburtstagen bestand die schon weggebomt wurden? Wurden die auch vorgewarnt?
Wahrscheinlich gilt da die Bombadierung selbst als Warnung.
Komisch das bei dieser Bombadierung so genau gezählt wurde. Sonst werden die Zivilen Opfer am Ende des Jahres grob geschätzt.
Ich kann meinem Vorredner nur recht geben. Wenn man einen Krieg führt gibt es nicht nur Ruhmestaten zu feiern. Da muß man auch mit den Schattenseiten umgehen können.
habe selbst in Afghanistan gearbeitet und weiß worüber ich schreibe.
Soldaten haben einen Verteidigungsauftrag und müssen ihr Einzugsgebiet
schützen, wenn die Bundesregierung anderer Meinung ist soll sie ihre
Einsatzkräfte abziehen.
Meine Güte, Afghanistan ist nicht Deutschland, da herrschen grausame Regeln. Wer sich da nicht wehrt geht baden!
Ohne den Untersuchungsbericht zu kennen, wage ich zu behaupten, dass die Politik und Verteidigungsminister Jung die größte Schuld trifft.
Das Lagebild zum Zeitpunkt der Bombardierung war höchst angespannt. Alle Kampftruppen waren an diesem Abend an einem anderen Ort in schwere Gefechte verwickelt. Es gab schlicht keine Infanteriekompanie, die die Tanklaster hätte zurückerobern oder zerstören können, weil die Politik nicht ausreichend Truppen in Kundus stationiert hat. Und das, obwohl dies von Fachleuten seit längerer Zeit gefordert wird.
Wenn Afghanistan befriedet werden soll, dann darf sich die Nato nichts gefallen lassen. Jeder muss wissen: Wer z.B. Tanklaster klaut und Fahrer ermordet, der überlebt seinen Raubzug nicht. Und auch mit Taliban sympathisierende Zivilisten müssen wissen, dass sie ihr Leben riskieren, wenn sie sich in der Nähe von Aufständischen aufhalten.
Selbstverständlich gilt es, zivile Opfer zu minimieren. Im konkreten Fall hätte als erste Wahl eine Infanteriekompanie ausrücken und das Problem lösen müssen. Auch Kampfhubschrauber wären im diesem Fall ein wirksames Mittel gewesen. Da es diese Kompanie aufgrund politischen Versagens unserer Regierung nicht gab, war die Entscheidung des Kommandeurs zu bombardieren als 2. Wahl- Lösung richtig.
Auf gar keinen Fall hätte man die Taliban davon kommen lassen dürfen.
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