Atomgespräche Nordkorea will direkt mit den USA verhandeln

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il ist um einen Dialog bemüht: Im Streit um sein Atomprogramm zeigt er sich offen für neue multilaterale Gespräche – stellt aber eine Bedingung.

60 Jahre diplomatische Beziehungen: Kim Jong Il (2.v.r.) neben seinem chinesischen Partner Wen Jibao (2.v.l.)

60 Jahre diplomatische Beziehungen: Kim Jong Il (2.v.r.) neben seinem chinesischen Partner Wen Jibao (2.v.l.)

Vor einem Jahr hatte Nordkorea die Vermittlungsgespräche im Kreis von insgesamt sechs Staaten aufgekündigt – nun zeigt sich das Regime wieder bereit, über sein Atomprogramm auf multilateraler Ebene zu verhandeln, macht dies allerdings abhängig von bilateralen Gesprächen mit den USA. Nur dann werde man an den Verhandlungstisch zu den Sechser-Gesprächen zurückkehren. Zu dieser Runde gehören neben Nordkorea und den USA auch Südkorea, Japan, Russland und China.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Il war es, der bei einem Treffen mit Chinas Regierungschef Wen Jiabao in Pjöngjang seine Bereitschaft zu neuen internationalen Verhandlungen signalisiert hatte. "Auf der Grundlage der Fortschritte der Gespräche mit den USA", soll Kim nach amtlichen chinesischen und nordkoreanischen Angaben gesagt haben, sei sein Land zur Teilnahme an multilateralen Verhandlungen bereit, einschließlich der Sechs-Parteien-Gespräche. Das feindliche Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea soll durch die bilateralen Gespräche "unbedingt in friedliche Beziehungen" umgewandelt werden.

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Im vergangenen Monat waren die USA dem kommunistischen Land entgegengekommen und hatten direkte Gespräche in Aussicht gestellt – wollen damit aber nicht den bisherigen Verhandlungsprozess verlassen. Dementsprechend liest sich die erste Reaktion aus Washington: Die USA seien weiterhin bereit, "im Rahmen des Prozesses der Sechs-Parteien-Gespräche" bilaterale Kontakte mit Nordkorea zu pflegen, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ian Kelly. "Der Sechs-Parteien-Prozess ist der beste Mechanismus, um eine Denuklearisierung zu erreichen."

Unterdessen treibt Nordkorea den Wiederaufbau seiner umstrittenen Atomanlagen in Yongbyon weiter voran. Es gebe Anzeichen dafür, dass die Wiederaufbauarbeiten in der Endphase seien, berichtete die nationale südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf Regierungskreise in Seoul. Die Arbeiten seien seit Anfang des Jahres im Gange.

In Yongbyon wird atomwaffentaugliches Plutonium hergestellt, indem das radioaktive Material aus benutzten Kernbrennstäben zurückgewonnen wird. Ursprünglich hatte Nordkorea nach einem Abkommen mit den USA, China, Russland, Südkorea und Japan vom Februar 2007 wesentliche Teile seiner Nuklearanlagen unbrauchbar gemacht und versprochen, den Reaktor komplett außer Betrieb zu setzen.

Doch bereits kurz nach dem zweiten nordkoreanischen Atomtest am 25. Mai hatten südkoreanische Medien berichtet, dass die Anlage in Yongbyon offensichtlich wieder gestartet sei. Mitte Juni dann kündigte das Regime als Antwort auf verschärfte Sanktionen des Weltsicherheitsrats wegen des Atomtests unter anderem die Produktion weiterer Kernwaffen an.

Nun reiste Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao aus Anlass des 60. Jahrestages der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zu einem dreitägigen Besuch nach Pjöngjang und bemühte sich um eine Wiederaufnahme der Atom-Gespräche. Bei dem Treffen mit seinem nordkoreanischen Amtskollegen sagte Wen, "Dialog und Konsultationen sind der einzige Weg, die Nuklearfrage auf der Halbinsel zu lösen".

 
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