Dokumentation Wie das Nobelpreiskomitee die Auszeichnung begründet

Der Vorsitzende des Osloer Nobelkomitees, Thorbjörn Jagland, hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an Barack Obama ausführlich begründet. Eine Dokumentation

Barack Obama erhält den Friedensnobelpreis für seinen außergewöhnlichen Einsatz zur Stärkung der internationalen Diplomatie und der Zusammenarbeit zwischen den Völkern. Das Komitee hat besonderes Gewicht auf seine Vision und seinen Einsatz für eine Welt ohne Atomwaffen gelegt. Obama hat als Präsident ein neues Klima in der internationalen Politik geschaffen. Multilaterale Diplomatie steht wieder im Mittelpunkt, mit besonderem Gewicht auf der Rolle, die die Vereinten Nationen und andere internationale Organisationen spielen. Dialog und Verhandlungen sind hier die bevorzugten Mittel, um auch die schwierigsten internationalen Konflikte zu lösen.



Die Vision einer atomwaffenfreien Welt hat auf kraftvolle Weise Verhandlungen um Abrüstung und Rüstungskontrolle neu belebt. Durch Obamas Initiativen spielen die USA jetzt eine konstruktivere Rolle zur Bewältigung der enormen Klima-Herausforderungen, mit denen die Welt konfrontiert ist.

Demokratie und Menschenrechte sollen gestärkt werden. Es geschieht selten, dass eine Person wie jetzt Obama die Aufmerksamkeit der Welt derart auf sich zieht und neue Hoffnungen auf eine bessere Zukunft entfacht. Seine Diplomatie fußt auf der Vorstellung, dass diejenigen, die die Welt führen sollen, dies auf der Grundlage von Werten und Haltungen tun müssen, die von der Mehrheit der Weltbevölkerung geteilt werden.

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Nobelpreis

Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte:

Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde.

Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben".

Verleihung

Die Preise werden seit 1901 vergeben. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Einen wissenschaftlichen Preis können sich bis zu drei Menschen Teilen teilen.

Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf heute 10 Millionen Kronen (1 Million Euro).

Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.

Preise

Die Friedensnobelpreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.

Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt.

Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

Friedensnobelpreisträger

Eine Auswahl: 1901, Jean Henry Dunant; 1905, Bertha von Suttner; 1906, Theodore Roosevelt; 1919, Thomas Woodrow Wilson; 1922, Fridtjof Nansen; 1926, Aristide Briand & Gustav Stresemann; 1935, Carl von Ossietzky; 1952, Albert Schweitzer; 1953, George C. Marshall; 1964, Martin Luther King, jr.; 1965, UNICEF; 1971, Willy Brandt; 1973, Henry Kissinger; 1977, Amnesty International; 1978, Anwar as-Sadat; 1978, Anwar as-Sadat; 1990, Michail Gorbatschow; 1989, 14. Dalai Lama; 1991, Aung San Suu Kyi; 1994, Jassir Arafat, Jitzhak Rabin & Schimon Peres; 2001, UNO, Kofi Annan; 2005, IAEA, Mohammed el-Baradei; 2007, Weltklimarat, Al Gore



Über 108 Jahre hat das norwegische Nobelkomitee genau die Art von internationaler Politik und von Haltungen zu stärken versuchen, für die Obama jetzt zum weltweit führenden Sprecher geworden ist. Das Komitee will sich hinter Obamas Appell stellen: "Now is the time for all of us to take our share of responsibility for a global response to global challenges." ("Jetzt ist es an der Zeit, dass wir alle unseren Teil der Verantwortung für eine globale Antwort auf globale Herausforderungen übernehmen.")

 
Leser-Kommentare
    • kenobi
    • 09.10.2009 um 12:16 Uhr
    1.

    YES WE CAN

  1. 2.

    Yes we do!

  2. 3.

    Yes I would if I could but I don't!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sweet!

    müsste es nicht "can't" heißten? ;)

    Sweet!

    müsste es nicht "can't" heißten? ;)

    • reven
    • 09.10.2009 um 13:05 Uhr
    4.

    Abartig.

    Der Befehlshaber der stärksten Armee der Welt, die gerade in mehreren Staaten Krieg führt und womöglich noch weitere Kriege anfangen wird, soll nun den „Friedensnobelpreis“ bekommen?Lächerlicher gehts wohl nicht.

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    Der Führer der größten Weltmacht hat auch die Verantwortung, wenn nötig militärisch Konflikte zu beenden. Das macht einen nicht gleich zum Kriegstreiber. Wegschauen und die Augen vor dem Elend verschließen ist keinesfalls besser als die Ausübung von angemessener Gewalt.

    Lächerlich ist dagegen, wenn man ernsthaft glaubt, diese Welt wäre mit dem Samthandschuh im Zaum zu halten.

    Es ist ja nicht seine Schuld, Führer einer starken Mi-
    litärmacht zu sein. Aber es liegt in seiner Macht, die Militär-
    maschine runterzufahren. Ich glaube, mit ihm haben Radikalislamisten
    ein Feindbild weniger, das sich leicht an den MAnn bringen läßt.

    Der Führer der größten Weltmacht hat auch die Verantwortung, wenn nötig militärisch Konflikte zu beenden. Das macht einen nicht gleich zum Kriegstreiber. Wegschauen und die Augen vor dem Elend verschließen ist keinesfalls besser als die Ausübung von angemessener Gewalt.

    Lächerlich ist dagegen, wenn man ernsthaft glaubt, diese Welt wäre mit dem Samthandschuh im Zaum zu halten.

    Es ist ja nicht seine Schuld, Führer einer starken Mi-
    litärmacht zu sein. Aber es liegt in seiner Macht, die Militär-
    maschine runterzufahren. Ich glaube, mit ihm haben Radikalislamisten
    ein Feindbild weniger, das sich leicht an den MAnn bringen läßt.

    • reven
    • 09.10.2009 um 13:24 Uhr

    Why Winning the Nobel Peace Prize Could Hurt Obama:
    http://www.time.com/time/...

  3. 6. Sweet!

    Sweet!

    Antwort auf "Kommentar Nr. 3"
  4. Der Führer der größten Weltmacht hat auch die Verantwortung, wenn nötig militärisch Konflikte zu beenden. Das macht einen nicht gleich zum Kriegstreiber. Wegschauen und die Augen vor dem Elend verschließen ist keinesfalls besser als die Ausübung von angemessener Gewalt.

    Lächerlich ist dagegen, wenn man ernsthaft glaubt, diese Welt wäre mit dem Samthandschuh im Zaum zu halten.

    Antwort auf "Kommentar Nr. 4"
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    • reven
    • 09.10.2009 um 14:11 Uhr

    Die Ausübung von angemessener Gewalt?

    Allein zwischen 7.Oktober bis 7 September 2001 waren nach dem Bericht des Professors Marc Herold der University of New Hampshire 3767 afghanische Zivilisten durch US-Luftangriffe ums Leben gekommen.(1)

    Ist das Ihrer Meinung nach auch "angemessene Gewalt"?

    Und Obema ist ein "Führer der Weltmacht", der derzeit noch mehr Truppen nach Afghanistan sendet.

    Seine angekündigte Großtaten des Weltfriedens sind bislang nichts als leere Versprechungen.
    (1)
    http://news.bbc.co.uk/2/h...

    • reven
    • 09.10.2009 um 14:11 Uhr

    Die Ausübung von angemessener Gewalt?

    Allein zwischen 7.Oktober bis 7 September 2001 waren nach dem Bericht des Professors Marc Herold der University of New Hampshire 3767 afghanische Zivilisten durch US-Luftangriffe ums Leben gekommen.(1)

    Ist das Ihrer Meinung nach auch "angemessene Gewalt"?

    Und Obema ist ein "Führer der Weltmacht", der derzeit noch mehr Truppen nach Afghanistan sendet.

    Seine angekündigte Großtaten des Weltfriedens sind bislang nichts als leere Versprechungen.
    (1)
    http://news.bbc.co.uk/2/h...

  5. Erste,spontane, Reaktion: das ist ein Witz. Wenig später: eine Verlegenheitslösung mangels Kandidaten oder Organisationen, die den Friedensnobelpreis verdient hätten. Dann lese ich die Begründung des Nobelpreiskomitees: mir fehlen die Worte... . Einfach lächerlich. Gruß

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