Obamas Reaktion "Überrascht und zutiefst demütig"

Ansporn und Herausforderung: Bescheiden hat US-Präsident Obama auf seine Ehrung mit dem Friedensnobelpreis reagiert. Die hatte zu teils skeptischen Reaktionen geführt.

Sechseinhalb Stunden nach Bekanntwerden seiner Ehrung mit dem Friedensnobelpreis trat er vor die Kameras: Mit demonstrativer Bescheidenheit reagierte US-Präsident Barack Obama auf die Auszeichnung durch das Nobelkomitee. "Ich bin überrascht und zutiefst demütig", sagte er in einer nur wenige Minuten dauernden Ansprache im Rosengarten des Weißen Hauses. Wenn er ehrlich sein solle, er habe den Preis nicht verdient, gestand Obama.

Er glaube nicht, dass er es verdiene, sich in der Gruppe vergangener Nobelpreisträger zu befinden, die so viel erreicht hätten, sagte Obama wörtlich und bot zugleich seine eigene Interpretation der Ehrung: Er betrachte den Preis nicht als eine Bestätigung für Erreichtes, sondern als eine Herausforderung.

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Indirekt ging er damit bereits auf die von mehreren Seiten geäußerte Kritik ein, Obama habe den Preis zu früh erhalten und noch nicht genügend Erfolge vorzuweisen. Das Nobelpreiskomitee in Oslo hatte am Freitag überraschend Obama als diesjährigen Träger des mit einer Million Euro dotierten Preises bekannt gegeben. Damit würdigt es seinen Einsatz für die "Stärkung der internationalen Diplomatie". Die Preisvergabe war mit viel Beifall, aber auch mit Skepsis aufgenommen worden.

Nobelpreis

Mit der Stiftung der Nobelpreise wollte der schwedische Forscher und Großindustrielle Alfred Nobel (1833-1896) einen Konflikt lösen, der sein Leben bestimmte:

Der Dynamit-Erfinder konnte nicht verwinden, dass seine Entdeckung für den Krieg genutzt wurde.

Als "Wiedergutmachung" vermachte er sein Vermögen einer Stiftung, aus deren Zinsen Preise für jene finanziert werden sollten, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben".

Verleihung

Die Preise werden seit 1901 vergeben. Der Friedensnobelpreis wird auch an Organisationen verliehen. Einen wissenschaftlichen Preis können sich bis zu drei Menschen Teilen teilen.

Die Dotierung stieg von anfangs 150.800 Kronen auf heute 10 Millionen Kronen (1 Million Euro).

Höhepunkt ist stets die feierliche Verleihung der Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag von Nobel.

Preise

Die Friedensnobelpreisträger bestimmt ein Ausschuss des norwegischen Parlaments in Oslo.

Die Preisträger für Physik und Chemie werden immer von der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften, die der Medizin vom Karolinska-Institut in Stockholm und die Literaturpreisträger von der Königlich-Schwedischen Akademie der Künste ausgewählt.

Neben den eigentlichen Nobelpreisen wird seit 1969 eine Ehrung für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel verliehen. Sie wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank gestiftet.

Seit 1980 vergibt die "Stiftung zur Auszeichnung richtiger Lebensführung" (Right Livelihood Award Foundation) die Right Livelihood Awards, die oft als Alternative Nobelpreise bezeichnet werden.

Friedensnobelpreisträger

Eine Auswahl: 1901, Jean Henry Dunant; 1905, Bertha von Suttner; 1906, Theodore Roosevelt; 1919, Thomas Woodrow Wilson; 1922, Fridtjof Nansen; 1926, Aristide Briand & Gustav Stresemann; 1935, Carl von Ossietzky; 1952, Albert Schweitzer; 1953, George C. Marshall; 1964, Martin Luther King, jr.; 1965, UNICEF; 1971, Willy Brandt; 1973, Henry Kissinger; 1977, Amnesty International; 1978, Anwar as-Sadat; 1978, Anwar as-Sadat; 1990, Michail Gorbatschow; 1989, 14. Dalai Lama; 1991, Aung San Suu Kyi; 1994, Jassir Arafat, Jitzhak Rabin & Schimon Peres; 2001, UNO, Kofi Annan; 2005, IAEA, Mohammed el-Baradei; 2007, Weltklimarat, Al Gore

Er werde die Ehrung annehmen, sagte Obama nun. Er sehe die Ehrung nicht als Anerkennung "meiner eigenen Verdienste", sondern der von ihm gesetzten Ziele. Zugleich betonte er, keine Nation und kein Präsident könne diese Aufgabe alleine schaffen. Jedes Land müsse Verantwortung für den Frieden übernehmen.

Ausdrücklich nannte Obama die atomare Abrüstung als Hauptaufgabe: "Wir müssen eine Welt ohne Atomwaffen anstreben." Auch der Konflikt zwischen Israel und Palästina in Nahost gehöre zu den gemeinsam zu bewältigenden Problemen. Zudem erinnerte Obama an den Schutz der Atmosphäre: "Wir dürfen nicht die Bedrohung des Klimas tolerieren."

Ich bin überrascht und zutiefst demütig

Friedensnobelpreisträger Barack Obama

Für alle Menschen Gerechtigkeit und Frieden zu schaffen, "wird nicht von einer Peson oder einem Land allein bewältigt werden", sagte Obama und bat um genügend Zeit: Einige der Aufgaben würden sich aber nicht während seiner Amtszeit bewältigen lassen.

Der 48-jährige Obama, der erste farbige Präsident der USA, hatte sich umgehend nach seinem Amtsantritt im Januar dieses Jahres um die politischen Konflikte der Erde gekümmert: Er ordnete den amerikanischen Truppenabzug aus Irak an. Er bot den nach der Atombombe strebenden Ländern Iran und Nordkorea direkte Gespräche an. An Russland sandte er Signale der Entspannung und verkündete schließlich den Verzicht auf das geplante globale Raketenschild, von dem sich Russland bedroht gefühlt hatte. Inzwischen verhandeln beide Länder wieder über den Abbau ihrer Nuklearwaffen. Dieser Initiative schließen sich auch andere Atommächte an.

Obama präsentierte sich als ein Hoffnungsträger für eine friedlichere Welt, brach mit der Politik seines Vorgängers George W. Bush und setzte Zeichen der Entspannung sowie des Ausgleichs. Zwei Höhepunkte der ersten Monate waren die Reden in Prag und Kairo. In Prag formulierte Obama im April die Vision einer atomwaffenfreien Welt. In Kairo bot er der islamischen Welt eine neue Partnerschaft an. Dieser Aufruf zur Versöhnung wurde in der muslimischen Welt mit Beifall und Respekt bedacht.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Also ich finde, allein schon der Verzicht auf den globalen Raketenschild, von dem sich Russland zu Recht bedroht gefühlt hatte, ist den Preis wert.
    So ein Schild funktioniert auch mit Schiffen und U-Booten, ist billiger und darüber hinaus auch kein etwaiges festes Ziel.

    Warum auch muss die Nato dem russischen Bären immer mehr auf den Pelz rücken. Meiner Meinung nach bringt es gar nichts Russland zu isolieren und zu bedrohen.
    Entspannung und noch mal Entspannung ist angesagt!

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    Das Instrument des Friedensnobelpreises kann einen gewissen Schutz bedeuten für Leib und Leben des Menschen Barack Obama sowie eine enorme Rückenstärkung für den US-Präsidenten gegenüber dem übermächtigen militärisch-industriellen Komplex, deren Vertreter ihre Pfründe in Gefahr sehen.

    Das Instrument des Friedensnobelpreises kann einen gewissen Schutz bedeuten für Leib und Leben des Menschen Barack Obama sowie eine enorme Rückenstärkung für den US-Präsidenten gegenüber dem übermächtigen militärisch-industriellen Komplex, deren Vertreter ihre Pfründe in Gefahr sehen.

  2. Das Instrument des Friedensnobelpreises kann einen gewissen Schutz bedeuten für Leib und Leben des Menschen Barack Obama sowie eine enorme Rückenstärkung für den US-Präsidenten gegenüber dem übermächtigen militärisch-industriellen Komplex, deren Vertreter ihre Pfründe in Gefahr sehen.

    Antwort auf "star wars..."
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    • TDU
    • 09.10.2009 um 20:22 Uhr

    Es könnte ihn aber auch verpflichten zu Zugeständnissen bei Verhandlungen, deren Ausmasse ihm noch gar nicht bekannt sind.

    Volle Zustimmung! Die Gefahren, die ihm aus dem eigenen Lande drohen, weil sein CHANGE gegen vielerlei Interessen verstößt, kann jede Form von notwendigem CHANGE zum Scheitern bringen, so dass die Rückenstärkung dringend notwendig war ! Dies hat das Nobelpreiskomitee viel weiser durchschaut als die ach so kritischen Kritiker, die wohl nicht ernsthaft glauben können, dass das Nobelpreiskomitee die Einwände - auch ohne Kritiker - wahrgenommen und abgewogen hat !

    • TDU
    • 09.10.2009 um 20:22 Uhr

    Es könnte ihn aber auch verpflichten zu Zugeständnissen bei Verhandlungen, deren Ausmasse ihm noch gar nicht bekannt sind.

    Volle Zustimmung! Die Gefahren, die ihm aus dem eigenen Lande drohen, weil sein CHANGE gegen vielerlei Interessen verstößt, kann jede Form von notwendigem CHANGE zum Scheitern bringen, so dass die Rückenstärkung dringend notwendig war ! Dies hat das Nobelpreiskomitee viel weiser durchschaut als die ach so kritischen Kritiker, die wohl nicht ernsthaft glauben können, dass das Nobelpreiskomitee die Einwände - auch ohne Kritiker - wahrgenommen und abgewogen hat !

    • TDU
    • 09.10.2009 um 20:15 Uhr
    3. Wieso

    Zum einen: Wieso einen Preis dafür, dass man das einhält, was man versprochen hat und ausserdem die eigene Aufgabe ist.

    Zum anderen: Obama hat noch nichts erreicht, im Gegensatz zu den anderen Politkern, die den Preis bekommen haben. Musste aber auch nicht sein. Irgendwo bleibt der Anschein von Politik und nächstes mal ist wieder einer vom "anderen Lager" dran.

    • TDU
    • 09.10.2009 um 20:22 Uhr

    Es könnte ihn aber auch verpflichten zu Zugeständnissen bei Verhandlungen, deren Ausmasse ihm noch gar nicht bekannt sind.

  3. Volle Zustimmung! Die Gefahren, die ihm aus dem eigenen Lande drohen, weil sein CHANGE gegen vielerlei Interessen verstößt, kann jede Form von notwendigem CHANGE zum Scheitern bringen, so dass die Rückenstärkung dringend notwendig war ! Dies hat das Nobelpreiskomitee viel weiser durchschaut als die ach so kritischen Kritiker, die wohl nicht ernsthaft glauben können, dass das Nobelpreiskomitee die Einwände - auch ohne Kritiker - wahrgenommen und abgewogen hat !

  4. Schon alleine der Lobbyarbeit zu Widerstehen, die in Amerika unwahrscheinlich ausgeprägt ist, ist ein Verdienst. Der Mann hat einen starken Character und zieht seine Linie auch bei unpopulären Entscheidungen durch. Keine Frage, wenn ihm irgendwann etwas den Hals kosten wird dann das, das Erinnert zu stark an die SPD, die auch unpopuläre, notwendige Entscheidungen traf und nun bei 23% liegt!
    Ich finde es übrigens ebenfalls bemerkenswert, dass er sich auf einen totalen Neuanfang einlässt und auf alle traditionellen Amerika-Hasser offen zugeht. Die Sache mit dem Raketenabwehrschild war da nurnoch Kleingruscht, schließlich wurde stark bezweifelt, dass das Ding überhaupt ne Silvesterrakete abfangen kann.
    Überraschend finde ich nur, dass das sonst so langsam reagierende Nobelpreiskomitee, das sonst innerhalb von Jahrzehnten reagiert, schon so schnell zur Stelle war.

  5. Ich bin wie die meisten von uns überrascht, als ich das erfahren habe. Vorher habe ich nie daran gedacht, dass er so etwas und so schnell erhalten kann. Ist das überhaupt richtig?

    Der Nobelpreis für den Frieden wurde häufig benützt, um gegen eine unbeliebte Regierung einzusetzen. In vielen Fällen wurde total falsch vergeben. Das ist sehr schade! Und dieses Mal? Wenn man genau überlegt, warum nicht? Ein mächtiger man wie er soll man ermutigen, weiterhin und mehr für den Weltfrieden zu tun. Das möchte er und kann er. Alles, was er macht, hat er Befürworter und Gegner. Wenn mehr Leute als sein Vorgänger von seinem Tun profitieren können, macht er gute Politik!

    Er ist noch nicht lange im Amt, hat aber gezeigt, wie er vorgeht und was er vorhat. Mit dem Verzicht vom Raketenschirm in Polen hat er Russland als Freund gewonnen. Der Raketenschirm bringt meiner Meinung nach keinen Frieden, hat auch sicher kaum schützende Wirkung. Da er den Dalai Lama, der Hauptfeind Chinas, nicht trifft, hat er einen mutigen, total neuen Weg gegenüber China gezeigt. Jetzt sind Chinesen sicher bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten. Seine Strategie heisst Zusammenarbeit und gegenseitige Achtung anstatt Muskel zeigen und schimpfen, usw. Dadurch ist die Beziehung zwischen West und Ost besser denn je. Unter dieser Umständen kann man nicht nur viel für den Frieden tun, sondern auch Umwelt, Wirtschaft usw. Ich kann ihm nur alles Gute wünschen!

  6. Eigentlich gar kein schlechter Einfall,Obama drohte an allen Fronten steckenzubleiben,da kann eine kleine politische Rückenstärkung auch ganz gut tun.Jedenfalls soll so den Republikanern ein bisschen der Wind aus den Segeln genommen werden.So ist das jedenfalls gedacht.Ob der Nobelpreis derart politisch in Profit umzuschlagen ist bleibt aber abzuwarten.Hängt auch maßgeblich davon ab wie geschickt Obama nun agiert.
    Und was den angeblichen Verlust der Glaubwürdigkeit des Preises angeht,so wiegt die Nichtverleihung des Preises damals an Mahatma Gandhi immernoch viel schwerer als das bei Obama je der Fall sein wird.

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