Sacharow-Preis EU-Parlament zeichnet russische Menschenrechtler aus
Die Mitarbeiter der Moskauer Organisation Memorial kämpfen seit Jahrzehnten für die Einhaltung der Bürgerrechte. Dafür erhalten die Aktivisten jetzt den Sacharow-Preis.
© John MacDougall/AFP/Getty Images

Der Sacharow-Preis ist nach dem russischen Dissidenten und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow benannt. An der Berliner East-Side-Gallery ist der Bürgerrechtler mit einem Porträt verewigt
EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek würdigte die Memorial-Vertreter Ljudmila Alexejewa, Oleg Orlow und Sergej Kowaljow am Donnerstag in Straßburg als "mutige Menschen, die in Russland nach Wahrheit suchen". Buzek nannte es "eine Tragödie für ganz Europa", dass im heutigen Russland Menschen, "die nach Wahrheit suchen, ihre Tätigkeit nicht frei und ungehindert ausüben können".
Die Menschenrechtsorganisation setzt sich für den Schutz der Grundrechte in Russlands Konfliktgebieten ein und hilft Flüchtlingen und Opfern von Diskriminierung. Dabei riskieren die Aktivisten auch ihr Leben. Zu ihren Einsatzgebieten gehört unter anderem auch die Unruheregion Tschetschenien. Im Juli hatten dort Unbekannte die Memorial-Mitarbeiterin Natalja Estemirowa erschossen.
Der Memorial-Vorsitzende Oleg Orlow erklärte, seine Organisation sehe die Ehrung als "Auszeichnung für die gesamte russische Bürgerrechtsbewegung". Es bleibe aber "ein bitteres Gefühl", denn das Streben nach mehr Rechtssicherheit in Russland werde immer weiter "sabotiert", sagte er laut der Agentur Interfax in Moskau. Trotz der Arbeit vieler Menschenrechtler entwickle sich Russland auf dem Gebiet des Humanismus "in die entgegengesetzte Richtung."
Der Namensgeber der mit 50.000 Euro dotierten Auszeichnung, der russische Dissident und Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow (1921-1989), hatte Memorial einst 1988 im Zuge der sowjetischen Perestroika mitgegründet und war erster Vorsitzender. Damals hatte es sich die Organisation zum Ziel gesetzt, die stalinistische Herrschaft aufzuarbeiten, Gefangene der Arbeitslager zu versorgen und die Menschenrechte zu verteidigen. Mittlerweile vereinigt Memorial 90 internationale Gruppen, auch in Deutschland engagieren sich die Aktivisten.
Das EU-Parlament vergibt den Sacharow-Preis seit 1988 an Persönlichkeiten, die sich für Menschenrechte und Meinungsfreiheit einsetzen. Zu den Preisträgern vergangener Jahre gehören die birmanische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi, der südafrikanische Ex-Präsident Nelson Mandela sowie die Vereinten Nationen (UN) und ihr damaliger Generalsekretär Kofi Annan. Im vergangenen Jahr erhielt der chinesische Bürgerrechtler Hu Jia die Ehrung. Die Preisverleihung ist für den 16. Dezember geplant.
- Datum 22.10.2009 - 17:08 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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Es ist ja nicht so, als daß Sacharow nicht der Konstruktuer der sowjetischen H-Bombe war. Der Test seiner "Zar-Bombe" war die größte von Menschen je verursachte Explosion. Erst im Nachhinein wurde der zum Regimekritiker.
Das soll seine Verdienste nicht schmälern. Gerade als privilegierter seine Stellung aus einem tief empfundenen Rechtsgefühl heraus aufzugeben ist bewundernswert.
Bevor er nach der Rehabilitierung unter Gorbatschow die Menschenrechtsorganisation gegründet hat, darbte Saccaraov im Hausarrest an dessen Folgen er ein Jahr später auch verstorben ist.
Gerade dieser Wandel ist in der Kurzbiographie leider nicht erwähnt.
Schade, er doch so schön zeigt, daß es, ganz gleich, wie tief man im System steckt sich immer noch für das richtige entscheiden kann.
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