Offensive gegen Taliban Pakistanische Armee stößt auf großen Widerstand
Mit 30.000 Soldaten rücken pakistanische Truppen derzeit gegen die radikal-islamistischen Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan vor. Mindestens 60 Taliban wurden getötet.
© Asif Hassan/AFP/Getty Images

Sicherheitskontrollen im pakistanischen Karachi: Nach einer Serie von Anschlägen wurden die Kontrollen verschärft. Nun rückt auch die Armee in einer Großoffenisve im Grenzgebiet zu Afghanistan gegen die Taliban vor
Nach eigenen Angaben sind pakistanische Streitkräfte an mehreren Orten in Süd-Waziristan vorgerückt. Die Region gilt als eine der Hochburgen der radikal-islamistischen Taliban. Die leisten heftigen Widerstand. Unter anderem setzen sie sich mit Raketenwerfern zur Wehr. Pakistan hatte die lange erwartete Bodenoffensive im Grenzgebiet zu Afghanistan am Samstag begonnen.
Mit Unterstützung von Kampfflugzeugen und Hubschraubern gelang es den pakistanischen Streitkräften Taliban-Kämpfer aus zahlreichen Siedlungen in dem Stammesgebiet zu vertreiben. Bei den Gefechten seien mindestens 60 Extremisten und fünf Soldaten ums Leben gekommen.
Aus Geheimdienstkreisen hieß es, die Soldaten rückten mit Panzern und Artillerie von drei Seiten in die Gebirgsregion vor, wobei die Extremisten erbitterten Widerstand leisteten. Die Taliban hätten neue Tunnelsysteme gegraben, auf Bergspitzen Raketenwerfer in Stellung gebracht sowie Straßen und Wege vermint.
An der Militäraktion sind nach Armeeangaben mehr als 30.000 Soldaten beteiligt. Ihnen stehen bis zu 15.000 gutbewaffnete und trainierte Kämpfer der Taliban sowie des Terrornetzes al-Qaida gegenüber. Auch der neue Chef der pakistanische Taliban, Hakimullah Mehsud, hat in Süd-Waziristan seinen Unterschlupf. Schätzungen zufolge sind bereits bis zu 100.000 Menschen aus Angst um ihr Leben aus der Region geflohen. Mit weiteren 100.000 Flüchtlingen wird gerechnet.
Ob die neue Bodenoffensive Erfolg haben wird, hängt nach Ansicht von Experten auch davon ab, ob andere Talibanführer wie etwa Hafiz Gul Bahadur in Nord-Waziristan Mehsud zu Hilfe kommen werden. "Wenn sie neutral bleiben, kann die Operation in Süd-Waziristan erfolgreich sein", sagte Pakistans früherer Botschafter in Afghanistan, Rustam Shah Mohmand.
Der Auslöser für die pakistanische Großoffensive war eine Serie von Anschlägen, bei denen in den vergangenen zwei Wochen mehr als 160 Menschen getötet worden waren. Allein am 9. Oktober hatte ein Selbstmordattentäter auf einem belebten Markt in Peshawar mehr als 50 Menschen in den Tod gerissen. Zuletzt verübten mehrere Taliban-Attentäter am vergangenen Donnerstag koordinierte Angriffe auf drei Polizeistationen in Lahore und eine Wache im Kohat im Nordwesten des Landes.
Eine unabhängige Bestätigung für die Angaben der pakistanischen Armee und die Aussagen aus Geheimdienstkreisen zum Verlauf der Kämpfe sowie zu den Opferzahlen gibt es nicht, da das Militär Telefonverbindungen in das Stammesgebiet weitgehend unterbrochen hat. Auch die meisten Journalisten haben die Region seit Beginn der Kämpfe verlassen.
Bereits seit Mitte Juni fliegt die pakistanische Luftwaffe gezielt Angriffe gegen Verstecke der Extremisten in Süd-Waziristan, die in jüngster Zeit ihren Terror verstärkt und vor allem die pakistanischen Sicherheitskräfte ins Visier genommen hatten. In der Region war zudem Anfang August der pakistanische Taliban-Chef Baitullah Mehsud bei einem US-Raketenangriff getötet worden. Die Taliban unter dessen Nachfolger Hakimullah Mehsud kündigten daraufhin Rache-Aktionen an.
Mit der Großoffensive beugt sich das atomar bewaffnete Pakistan auch dem Druck der USA entschlossener gegen die Extremisten vorzugehen, die sich nach ihrer Vertreibung aus Afghanistan in die pakistanische Nordwestregion zurückgezogen haben. Die Taliban waren auf dem Vormarsch, bis die Regierung sie im Sommer aus dem Swat-Tal nordwestlich der Hauptstadt Islamabad vertrieb. Die jetzt in Süd-Waziristan gestartete Offensive könnte sich als noch größerer Härtetest für die Armee erweisen. Das US-Verteidigungsministerium sicherte zusätzliche Rüstungslieferungen zu.
- Datum 20.10.2009 - 13:16 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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"Beugt sich dem Druck der USA" - das kann man auch anders darstellen. Es gab ja eine lange Vorgeschichte, in der die Taliban Pakistan immer mehr unter Druck setzten. Pakistan nimmt nun die langjährigen Angebote der USA wahr und beugt sich damit nicht mehr dem Druck der Fundamentalisten.
Die Taliban lassen sich einzeln von der Walstatt tot oder lebendig weggetragen und das kann lange dauern. Diesen Geschöpfen liegt wenig am Erdenleben zumal sie glauben nach ihrem Tode kommen sie direkt ins Paradies zu den Jungfrauen.
Die pakistanische Armee wird nicht aufgeben da sie sich sonst blamieren. Es sei denn es gibt eine politische Lösung.
Ich habe täglich geschäftlich mit Pakistan zu tun und war sehr oft im Norden des Landes. Es wird immer unübersichticher und besonders im Grenzgebiet zu Afganistan gibt es keine Kontrolle weder von der pakistanischen Armee noch von den Amerikanern.
Die Waffen, die von den USA dort geliefert werden, können sehr schnell in falsche Hände geraten. Ich habe lange nach der Ursache gesucht und bin inzwischen der Meinung, das es die Halbherzigkeit der Pakistanischen Armee und der USA ist, die alles immer noch schlimmer macht. Sehr viele Pakistanis sehen in Bin Laden so eine Art Robin Hood. Sie hoffen das er bald kommt und die Amis vertreibt...
Wenn irgendwo auf der Welt noch mal eine Atombombe gezündet wird (..und es liegen davon einige in der Gegend rum), dann
ist Pakistan dem am nächsten dran. Die darauf folgende Kettenreaktion wäre für uns alle eine schreckliche Katastrophe....
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