Antrittsbesuch Beziehungen zu Polen sind Westerwelle ein "Kernanliegen"
Das Verhältnis solle so "tief und innig" werden wie die Kontakte Deutschlands zu den westlichen Nachbarn, sagte der neue Außenminister. Vorbehalte gegen Erika Steinbach
© Zborowski/ epa/ pap

Der polnische Außenminister, Radoslaw Sikorski (rechts), und Außenminister Guido Westerwelle während einer Pressekonferenz am heutigen Samstag in Warschau
Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat bei seinem Antrittsbesuch in Polen für eine Vertiefung der Beziehungen zu Osteuropa geworben. Es sei kein Zufall, dass er Warschau als Ziel seiner ersten eigenen Auslandsreise nach dem EU-Gipfel gewählt habe, sagte der FDP-Chef am Samstag nach einem Treffen mit seinem polnischen Kollegen Radoslaw Sikorski.
Die Freundschaft zwischen beiden Ländern und Völkern sei nicht nur gut für Deutschland und Polen, sondern auch wichtig für Europa, sagte Westerwelle. Er werde sich daher für eine Wiederbelebung und den Ausbau des sogenannten Weimarer Dreiecks zwischen Deutschland, Frankreich und Polen einsetzen.
Der polnische Außenminister Sikorski bezeichnete den Besuch als "hervorragendes Zeichen" dafür, dass die bilateralen Beziehungen noch besser würden als zur Vorgängerregierung. Das deutsch-polnische Verhältnis sei "das beste in der Geschichte", eine "reife Partnerschaft".
In Polen gilt es als kleine Sensation, dass Westerwelle die Hauptstadt Polens Den Haag und Paris vorzieht. Polnische Kommentatoren haben zuletzt hervorgehoben, dass Polen im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung neben Frankreich als das Land genannt wurde, mit dem Berlin die Beziehungen ausbauen will.
Westerwelle hatte schon bei seiner Amtsübernahme angekündigt, er wolle die Beziehungen zu den osteuropäischen Nachbarstaaten verbessern. Ziel müsse ein Zusammenwachsen der Gesellschaften sein, wie es zwischen Frankreich und Deutschland weitgehend gelungen sei, sagte er.
Polens Regierungschef Donald Tusk bewertete den Besuch als Bestätigung für das "außerordentliche" Verhältnis zwischen beiden Staaten. "Das ist eine Super-Tradition", sagte Tusk am Freitag in Brüssel. Die deutsch-polnischen Beziehungen seien so gut wie noch nie zuvor, betonte Polens Regierungschef. Man sollte aber alles tun, damit sie noch besser werden. So verstehe er diese Geste des "westlichen Nachbarn und Freundes", sagte Tusk. Es sei ein "sehr angenehmes Zeichen".
Am Samstag Nachmittag stand noch ein Empfang Westerwelles bei Polens Präsident Lech Kaczynski auf dem Programm. Damit sollte die besondere Bedeutung der deutsch-polnischen Beziehungen unterstrichen werden. Gesprächsthemen werden nach Angaben aus Warschau die Europa- und Sicherheitspolitik sowie bilaterale Fragen sein.
Besonderen Fokus legen die Polen auf den Fall Erika Steinbach. Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen will nach ihrem Verzicht auf einen Platz im Stiftungsrat für das Zentrum gegen Vertreibungen nun offenbar doch wieder kandidieren. Unter der Großen Koalition hatte die in Polen verhasste Politikerin keine Chance auf diesen Platz. Einige Experten gehen davon aus, dass sich die Position auch unter der neuen Regierung nicht ändern wird.
Westerwelle jedenfalls ließ in Warschau Vorbehalte gegen einen Einzug von Steinbach in den Stiftungsrat der Vertriebenen-Gedenkstätte erkennen. "Bei mir ist bisher keine Bewerbung gelandet", sagte er auf die Frage eines polnischen Journalisten nach seiner Einstellung zur Steinbachs Bewerbung. Die Sache sei einfach und klar geregelt. Eine Entscheidung müsse von der Bundesregierung getroffen werden. "Wir wollen, dass das ein Projekt ist, das unsere Länder zueinander bringt, ein Beitrag zur Versöhnung ist. Wir werden alles unterlassen, was diesem Gedanken entgegensteht", sagte Westerwelle.
Am Montag wird er zu seinem Antrittsbesuch nach Frankreich reisen, wo er sich mit Präsident Nicolas Sarkozy und Außenminister Bernard Kouchner treffen will. Unterwegs ist ein Zwischenstopp in den Niederlanden mit einem Gespräch mit dem niederländischen Außenminister Maxime Verhagen geplant.
- Datum 31.10.2009 - 16:33 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 11
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Fr. Steinbach hat bis heute die deutsch-polnische Grenze nicht anerkannt. Es ist kein Wunder, dass diese Frau in Polen verhasst ist. Es ist erstaunlich, dass Fr. Steinbach (CDU) trotzdem immer noch das Wohlwollen der CDU genießt. So wichtig können die Stimmen der ewig gestrigen Vertriebenen doch nicht sein.
Nachdem Polen der EU angehört, können sich die Schlesier und die Westpreussen in Polen niederlassen, wenn sie das Bedürfnis danach haben. Eine Grenzänderung sollten sich alle Deutschen aus dem Kopf schlagen. Darüber lohnt sich in einem vereinten Europa nicht einmal nachzudenken.
Wolfgang63, allow me to respond in English, for my German isn't yet good enough.
In my opinion Steinbach is not dangerous herself. What is dangerous is that she is the raison d'être to those people who are absolutely not welcome on the political stages on both sides of the Oder. I am sure you do not want to see brown-tainted people come up and speak, and neither do I want to see our president Kaczyński and his court of crazy knights and bearded women have yet another topic to rage about.
That is why I think this woman should be silenced. We really would seem to be better off without her.
Also I hope that now is the time for both countries to speak about real problems. Westerwelle seems to be the right person for it, and there is no worry that Kaczyński could be re-elected in 2010.
Wolfgang63, allow me to respond in English, for my German isn't yet good enough.
In my opinion Steinbach is not dangerous herself. What is dangerous is that she is the raison d'être to those people who are absolutely not welcome on the political stages on both sides of the Oder. I am sure you do not want to see brown-tainted people come up and speak, and neither do I want to see our president Kaczyński and his court of crazy knights and bearded women have yet another topic to rage about.
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Also I hope that now is the time for both countries to speak about real problems. Westerwelle seems to be the right person for it, and there is no worry that Kaczyński could be re-elected in 2010.
Wolfgang63, allow me to respond in English, for my German isn't yet good enough.
In my opinion Steinbach is not dangerous herself. What is dangerous is that she is the raison d'être to those people who are absolutely not welcome on the political stages on both sides of the Oder. I am sure you do not want to see brown-tainted people come up and speak, and neither do I want to see our president Kaczyński and his court of crazy knights and bearded women have yet another topic to rage about.
That is why I think this woman should be silenced. We really would seem to be better off without her.
Also I hope that now is the time for both countries to speak about real problems. Westerwelle seems to be the right person for it, and there is no worry that Kaczyński could be re-elected in 2010.
Gut zu wissen, dass keine Gefahr besteht, dass die Ente wiedergewählt wird.
"those people who are absolutely not welcome on the political stages on both sides of the Oder." Obviously the victims of ethnic cleansing are not welcomed on either side, because they disturb the nice picture. But I hope that they will never be "silenced". Mrs Steinbach is by no means "brown-tainted", and I think there are enough crazy nationalists in Poland to care about - one even working for IPN, yet there never has been any german protest, of course, because we do respect internal polish affairs.
Since more than forty years, I always supported the official recognition of the Oder-Neisse-border - but I definitely wish that our government this time does not give in to an absurd PRL-style witch-hunt campaign.
Gut zu wissen, dass keine Gefahr besteht, dass die Ente wiedergewählt wird.
"those people who are absolutely not welcome on the political stages on both sides of the Oder." Obviously the victims of ethnic cleansing are not welcomed on either side, because they disturb the nice picture. But I hope that they will never be "silenced". Mrs Steinbach is by no means "brown-tainted", and I think there are enough crazy nationalists in Poland to care about - one even working for IPN, yet there never has been any german protest, of course, because we do respect internal polish affairs.
Since more than forty years, I always supported the official recognition of the Oder-Neisse-border - but I definitely wish that our government this time does not give in to an absurd PRL-style witch-hunt campaign.
Man mag von Westerwelle halten was man will - dass er als Außenminister zunächst Polen besucht ist ein gutes Zeichen auch für Europa.
@LMB
I couldn´t say it better in german...
Gut zu wissen, dass keine Gefahr besteht, dass die Ente wiedergewählt wird.
...erfreut dieser hervorragend gewählte Besuch und auch Westerwelles Aussagen!
Vielleicht wird es mit Westerwelle ja doch nicht ganz so schlimm.
Dass sich der Neue benimmt, wie der Elephant im Porzelanladen? Das war nicht zu erwarten. Einerseits baut gerade die deutsche Aussenpolitik auf eine deutlich breitere politische Basis auf als die übrige Regierungspolitik (anders liesse sich nämlich Verlässlichkeit der aussenpolitischen Aussagen schlechterdings über Wahlen hinweg garantieren), andererseits würde der Mensch von seinem eigenen Amt wohl hochkant wieder hinausgeworfen, versuchte er sich nicht wenigstens in Diplomatie.
Er hat allerdings gerade erst begonnen. Politik sollte meineserachtens an Mitteln wie Ergebnissen gemessen werden. Die aber werden erst in einiger Zeit sichtbar sein. Ich habe wenig Hoffnung, andererseits kann er, selbst wenn er wollte, nur wenig kaputt machen.
Dass sich der Neue benimmt, wie der Elephant im Porzelanladen? Das war nicht zu erwarten. Einerseits baut gerade die deutsche Aussenpolitik auf eine deutlich breitere politische Basis auf als die übrige Regierungspolitik (anders liesse sich nämlich Verlässlichkeit der aussenpolitischen Aussagen schlechterdings über Wahlen hinweg garantieren), andererseits würde der Mensch von seinem eigenen Amt wohl hochkant wieder hinausgeworfen, versuchte er sich nicht wenigstens in Diplomatie.
Er hat allerdings gerade erst begonnen. Politik sollte meineserachtens an Mitteln wie Ergebnissen gemessen werden. Die aber werden erst in einiger Zeit sichtbar sein. Ich habe wenig Hoffnung, andererseits kann er, selbst wenn er wollte, nur wenig kaputt machen.
Die FDP will Unterstützer der kleineren EU-Staaten sein. Die Weimarer Dreiecks-Gespräche (Polen-Deutschland-Frankreich) sollen wieder belebt werden.
Frankreich hat Dominanz-Interessen und Polen ist eher der Freund der USA. Wie Guido Westerwelle das Kunststück fertig bringen will, Frankreich an die Leine zu legen und Polen in den engeren Kreis der Integral-Staaten zu bringen, bleibt Geheimnis von Herrn Westerwelle. Noch.
Deutsche Interessen sind unter dem Aspekt der Recourcenbedeutsamkeit zu organisieren. Ohne Polen können wir leben, ohne Russland aber nicht. Bismarck wußte das. Schröder auch.
And what do you want to do with those resources, build more cars to sell to Americans? Thank you, I'd rather work in a bank than in a Ford factory.
Modern countries rely on brains, not on steel. Die Schweizer wissen das. Die Luxemburger auch.
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Modern countries rely on brains, not on steel. Die Schweizer wissen das. Die Luxemburger auch.
Bei aller bisherigen Kritik an unserem Außenminister, es war gut, unsern Nachbarn Polen zuerst zu besuchen. Und wenn er diese Dame mit ihren Sitzansprüchen nicht zur Kenntnis nimmt, gilt ihm meine Anerkennung. Ansonsten hat Wolfgang63 alles gesagt, was zu sagen ist.
And what do you want to do with those resources, build more cars to sell to Americans? Thank you, I'd rather work in a bank than in a Ford factory.
Modern countries rely on brains, not on steel. Die Schweizer wissen das. Die Luxemburger auch.
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