Al-Fateh, die Kinderseite der Hamas, macht auf den ersten Blick einen freundlichen Eindruck: Puzzle, Rätsel, bunte Comics im Internet. Doch die Bilder zum Ausmalen sind Schlachtszenen, die Bildergeschichten rufen zum Dschihad auf, und die freundliche Großmutter auf der Seite erklärt ihrer Enkelin, dass Friedensbestrebungen zum Scheitern verurteilt sind – und warum es wichtig ist, israelische Soldaten zu entführen.

Die Seite wende sich an arabische Kinder und Jugendliche und diene als Ausbildungsinstrument der Hamas, heißt es einer kürzlich in Berlin vorgestellten Untersuchung der Nichtregierungsorganisation Impact-Se (Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School). Nach Angabe eines Sprechers von Impact-Se ist es "eine der gefährlichsten Seiten im Internet, die eine zukünftige Generation von Selbstmordattentätern indoktriniert". Die Organisation untersucht Bildungsmaterialien aus dem Nahen Osten und gleicht sie mit internationalen Standards ab. Ihre Haltung ist dezidiert pro-israelisch. Die Chefs von Impact-Se beraten die israelische Regierung seit langem mit wissenschaftlichen Argumenten für die politische Auseinandersetzung mit den Palästinensern.

Al-Fateh heißt "Der Eroberer", Titel des muslimischen Eroberers Konstantinopels. Auf der Homepage ist er dem Maskottchen der Seite gewidmet: einem kleinen Jungen mit dunklen Kulleraugen, der auf einem süßen Pony in die Schlacht reitet – mit einem riesigen Säbel in der Hand. Beliebtes Stilmittel der Seite sind Bildergeschichten, wie die des Jungen Mahmoud. Der wünscht sich nach guten Schulleistungen ein Spielzeuggewehr, bekommt es und verspricht seinem Vater stolz: "Das wird bald ein echtes Gewehr in meinen Händen." Der Vater lobt ihn, streicht ihm über das Haar und sagt: "Gerade bist Du zum Mann geworden."

Zweimal im Monat wird eine neue Ausgabe von Al-Fateh veröffentlicht, die Seite erfreut sich nach eigenen Angaben wachsender Beliebtheit: 48 Millionen Klicks verzeichnete sie innerhalb von acht Monaten. Das macht sie laut Impact-Se zu einer der populärsten Seiten im Einflussgebiet der Hamas. Ihre Leserschaft findet sie nicht nur im Nahen Osten, auch hierzulande werden Zugriffe verzeichnet. Arabischsprachige Kinder aus Deutschland hinterlassen dort Grußbotschaften.

Auf der Internetseite ist beispielsweise eine Bilderreihe zu sehen, in der eine Schulklasse aufgefordert wird, ein Bild mit dem Titel "Wenn der Himmel wütend ist" zu zeichnen. Gewinner des Wettbewerbs wird in der Bildergeschichte der Junge Izz al-Din: Er malt ein Bild auf dem Steine auf israelische Soldaten regnen. Die sinken getroffen zu Boden. "Applaudiert alle eurem Freund Izz al-Din" ruft der Lehrer freudestrahlend aus. Die Geschichten werden zusammen mit Fotos von Jungen gezeigt, die mit Spielzeuggewehren auf israelische Soldaten zielen.

Westliche Friedensbestrebungen und Verhandlungen werden auf der Webseite als irreführend abgetan. In der Untersektion "Meine Großmutter" erklärt eine Oma ihrer Enkelin, dass der einzige Weg ihren palästinensischen Onkel aus einem israelischen Gefängnis zu befreien, das Entführen und Austauschen von Israelis sei. Die Enkelin versucht dagegen zu argumentieren: "Aber sie sagen, dass sie Frieden wollen!" Die Großmutter erwidert: "Sie lügen! Früher haben sie die Propheten getötet (...) und heute töten sie ihre Nachfolger, so wie deinen Onkel. Fünf Jahre Verhandlungen habe nichts genutzt."