US-chinesische Beziehungen Die leisen Töne der Amerikaner

Am Sonntag reist US-Präsident Obama zum Staatsbesuch nach China. Erst 1978 hatten beide Länder offizielle Beziehungen aufgenommen. Ein Blick zurück

Januar 1979, die diplomatischen Beziehungen sind aufgenommen: Chinas mächtigster Mann Deng Xiaoping (r.) auf Staatsbesuch bei US-Präsident Carter (dritter von rechts)

Januar 1979, die diplomatischen Beziehungen sind aufgenommen: Chinas mächtigster Mann Deng Xiaoping (r.) auf Staatsbesuch bei US-Präsident Carter (dritter von rechts)

"Die wechselvolle Geschichte zwischen China und den USA wird bei diesen Gesprächen mitklingen", sagt Professor Huang Ping, stellvertretender Direktor des Soziologischen Institutes der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften (CASS). Noch vor 100 Jahren war China den Kolonialherren hilflos ausgeliefert. Doch das kollektive Gedächtnis der Chinesen hat die Zeiten noch nicht vergessen, in denen auch die Amerikaner eine zentrale Rolle beim Versuch des Westens gespielt haben, das chinesische Kaiserreich zu unterjochen.

Die chinesischen Kommunisten haben in ihren Geschichtsbüchern genau festgehalten, dass sich die Amerikaner im Bürgerkrieg zwischen den Kommunisten und den Nationalisten auf die Seite der Nationalisten geschlagen hatten. Nach der Gründung der Volksrepublik im Jahr 1949 folgte in den fünfziger und sechziger Jahren eine lange, tiefe Feindschaft, die erst zu Ende ging, als US-Präsident Richard Nixon auf die glorreiche Idee kam, gute Beziehungen zu China könnten nützlich sein, um die Sowjetunion Leonid Breschnews einzukreisen.

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Über chinesische und amerikanische Tischtennisspieler auf einem Turnier in Japan ließ er Kontakt zu China aufnehmen. Die sogenannte Pingpong-Diplomatie entstand. 1972 reiste Nixon dann nach China. Henry Kissinger und später US-Präsident Jimmy Carter zimmerten daraus offizielle diplomatische Beziehungen, die 1978 aufgenommen wurden.

In den achtziger Jahren betrachteten viele Amerikaner China "durch die rosarote Brille und glaubten, es würde sich in eine Gesellschaft westlichen Stils transformieren", kommentiert Professor Huang. Als dann vor genau 20 Jahren die Protestbewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens blutig niedergeschlagen wurde, war die Ernüchterung in der amerikanischen Öffentlichkeit groß. Viele Amerikaner fielen in das andere Extrem, finden die Forscher: "Sie glaubten nun, es gäbe keine Hoffnung für China und das Riesenland würde ebenso wie die Sowjetunion bald kollabieren."

Das galt allerdings nicht für den amerikanischen Präsidenten. Georg Bush senior war schon unmittelbar nach dem Juni 1989 pragmatisch genug zu sehen, dass eine solche Entwicklung nicht im Interesse der USA sein kann. Noch im selben Jahr schickte Bush, der in den siebziger Jahren in offizieller Mission zwei Jahre in China gelebt hatte, seinen Sicherheitsbeauftragen Ben Scowcroft zu Deng Xiaoping nach Peking. Sein Ziel war es, China zu stabilisieren und schnellstmöglich wieder in die Weltgemeinschschaft zu integrieren. Die strauchelnde Sowjetunion, fand Bush, war Belastung genug. Bald darauf kamen auch die amerikanischen Unternehmen wieder ins Reich der Mitte.

In den neunziger Jahren waren die Amerikaner überzeugt davon, China brauche den amerikanischen Markt, das Kapital und die Technologie so sehr, dass die USA über einen Hebel verfüge, dass Reich der Mitte zu erziehen. In seiner Wahkampagne griff Clinton Bush bereits 1992 wegen seiner "zu weichen" Haltung gegenüber China an. Kaum im Amt, knüpfte Clinton den wirtschaftlichen Meistbegünstigungsstatus an Menschenrechtsfragen. "Eine unvernünftige und wenig pragmatische Entscheidung", sagt CASS-Professor Tao. Sie erfüllte jedoch ihren Zweck sehr gut.

Peking hat auch nicht vergessen, dass die Amerikaner elfmal versuchten, die chinesische Menschenrechtslage von der Menschenrechtskommission der Vereinten Nation verurteilen zu lassen. Zwar bekamen die Amerikaner nie eine UN-Mehrheit. Über die "Gängelung" ärgerten sich jedoch nicht nur die chinesischen Parteiführer, sondern auch liberale Chinesen. Und die beiden ungleichen Partner zankten sich dazu um Taiwan. Im März 1996 anlässlich der Wahlen in Taiwan schien die Lage zu eskalieren. Die Chinesen machten Militärübungen mit scharfen Raketen. Clinton dirigierte seine Flugzeugträger um.

Leser-Kommentare
  1. nachdem sich gerade herausstellt, dass die FED zum Zwecke der Goldpreisdrückung tonnenweise Goldbarren aus Wolfram hergestellt und diese als echte Goldbarren verkauft hat, u.a. nach China.
    kann es nur noch eine Frage von Tagen sein, bis den geduldigen Asiaten endgültig "der Kragen platzt",
    Damit sollten nun sämtliche Betrügereien aufgeflogen sein, die die FED seit 1970 unternommen hat, um den Goldpreis zu drücken.

    und die FED_USA sollten wohl bald sehr sehr leise werden, hoffentlich nicht laut....

    • Phibes
    • 15.11.2009 um 2:28 Uhr

    Die Rolle Obamas wird einseitig dargestellt, lediglich, da er den Besuch des Dalai Lama aufgeschoben hat. Vergessen werden die in den letzten Wochen neu erhobenen Handelszoelle zwischen den USA und China, welche China in Zugzwang bringen: gleichberechtigter Partner mit resultierenden Pflichten oder schwellenlaendlicher Sonderstatus mit hinzunehmenden Sonderzoellen.
    Waere diesen Massnahmen ein Besuch des Dalai Lamas vorangegangen, waere Obama in die Gefahr geraten, den Anschein zu erwecken, die Wirtschaft zu instrumentalisieren im Dienste einer sozialpaedagogischen Attituede, welche ihm seine politischen Gegner nur allzugerne andichten wuerden. Das hiesse naemlich im Umkehrschluss, die Aengste gegenueber einem schwarzen Praesidenten zu schueren, der vielleicht mehr Mensch als Patriot sein koennte, was in den USA offensichtlich bezueglich des Praesidentenamts nicht gewuenscht wird.
    Die Politik Obamas wirkt in China umso staerker, da er den Dalai Lama nicht empfangen hat und deshalb alle Schuldzuweisungen an ihn addressiert sein muessen und nicht auf die Einflussnahme angeblicher Gegner Chinas abgewaelzt werden kann.

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