Politische Dividende der Ära Abbas
Nachdem Abbas sich dezidiert auf politische Rückendeckung von Präsident Obama verlassen hatte, steht er politisch weitgehend isoliert da. Auf US-Druck hin hatte er erst im August in einem innenpolitischen Kraftakt die versteinerte Fatah-Partei reformiert und war auch dem expliziten US-Wunsch nach einem israelisch-palästinensischen Dialog in New York nachgekommen. Zu guter Letzt hatte Abbas zunächst zugestimmt, dem umstrittenen Goldstone-Bericht zu Menschenrechtsverletzungen im Gaza-Krieg auf Eis zu legen und mit dieser Entscheidung einen Sturm der Entrüstung nicht nur in der Westbank, sondern auch in Gaza ausgelöst
Im Gegenzug jedoch ließen Amerikaner und Israelis Abbas aus palästinensischer Perspektive im Regen stehen. Nach den jüngsten Äußerungen von US-Außenministerin Hillary Clinton zur Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen unter Fortsetzung des israelischen Siedlungsbaus kann dieser nun nicht einmal einen vorläufigen Siedlungsstopp als Erfolg verbuchen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die politische Dividende der Ära Abbas bislang als reichlich mager dar.
Bleibt zu hoffen, dass nun zumindest Mahmud Abbas’ letzter politischer Paukenschlag nicht ungehört verhallt.
Dr. Michael Bröning leitet das Büro der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem. Henrik Meyer ist dort wissenschaftlicher Mitarbeiter.
- Datum 09.11.2009 - 15:57 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Man kann wirklich nur hoffen, dass Abbas sich entschliesst noch etwas weiter zu machen. Allerdings kann ich auch verstehen, dass er keine Lust mehr auf diese Schauspielerei hat.
Ein Nachtrag: Ich glaube nicht, dass Abbas bewusst pokert. Dafür waren die Demütigungen in den letzten Wochen einfach zu offensichtlich.
Es wird keinen Friedensprozess mehr geben, jedenfalls keinen, der auf einer diplomatischen Lösung beruht. Nach dem die Palästinenser den Rückzug aus dem Gaza-Streifen mit Raketenterror beantwortet haben, sind die Israelis offenbar nicht mehr bereit, Zugeständnisse zu machen. [...] (Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Die Redaktion /ft)
Israel braucht auch keine Zugeständnisse zu machen, es befindet sich schließlich nicht in einer Situtuation, in der es irgendwie auf den guten Willen der Palästinenser angewiesen ist. Deren Terror kann Israel auch mit Sicherheitspolitik abwehren. Deshalb ist der Rücktritt von Abbas auch kein Problem. Es wird sich halt nichts am Status Quo ändern, aber Israel kann mit dem Status Quo hervorragend auskommen.
So sehr ich die Analysen der FES im Allgemeinen schätze, ich halte diesen spezifischen Text für ein wenig naiv. In der Bewertung von Abbas Arbeit wurde so ziemlich jeder negative Punkt weggelassen. Es gibt sicher viele Dinge, bei denen er schlicht machtlos ist, so zum Beispiel die ungelöste Frage der jüdischen Siedlungen (obwohl eigentlich jeder weiss, dass am Ende alles auf einen Gebietstausch herausläuft).
Blickt man aber auf die Dinge, die innerhalb seines Machtbereichs liegen, dann hat er fast vollständig versagt. Überbordende Korruption im Staatswesen, die ungelöste Spaltung (bzw. der kalte Krieg) zwischen Fatah und Hamas, die Unfähigkeit der PLO, ihre eigene Charta von Aufrufen zum bewaffneten Kampf und Vernichtungsphantasien gegenüber Israel zu säubern, dazu Folter und politischer Mord an den eigenen Bürgern. Die Liste ist lang, und all diese Probleme existieren teilweise seit langer Zeit.
Abbas hat in vielen Bereichen versagt. Die Israelis betrachten ihn letztlich als zu schwach, um jeden (wie auch immer geartetes) Frieden gegenüber den eigenen Leuten zu verkaufen. Hier könnte zum Beispiel eine Person wie Marwan Barghuti weit mehr bewirken.
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