Afghanistan Abdullahs Rückzug untergräbt Karsais LegitimitätSeite 2/2
Was bedeutet der Rückzug von Abdullah für den Westen?
Fachleute sprechen von einem schweren Rückschlag für die Bemühungen, in Afghanistan eine wahre Demokratie aufzubauen. Die Wahl müsse nun neu organisiert werden, damit daraus eine legitime Regierung hervorgehen könne. Die USA und andere Länder, die Soldaten am Hindukusch stationiert haben – so wie Deutschland - haben ein starkes Interesse daran, dass in Kabul eine glaubwürdige Regierung das Sagen hat. Andernfalls wird es immer schwieriger, in der eigenen Bevölkerung die steigenden Opfer und Ausgaben zu rechtfertigen.
Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf die ausländischen Truppen in Afghanistan?
Der langwierige und chaotische Wahlprozess könnte die Moral der Soldaten weiter beeinträchtigen, die durch die außergewöhnlich hohe Zahl an Todesopfern in diesem Jahr ohnehin getrübt ist. Zudem hat Präsident Barack Obama seine Entscheidung, die amerikanischen Truppen um bis zu 40.000 Soldaten aufzustocken, von einer Lösung des politischen Patts abhängig gemacht. Bei einer Stichwahl mit nur einem Kandidaten dürften es Obama und seinen Militärs schwer haben, die Abgeordneten und die amerikanische Öffentlichkeit von einem noch größeren Engagement zu überzeugen. Eine Truppenaufstockung müsste Obama mit einem dringenden Reform-Appell an Karsai verbinden, der in manchen Kreisen als schwacher Führer einer von Korruption geprägten Regierung gilt.
Bedeutet Abdullahs Rückzug einen Sieg für die Taliban?
Die radikalen Islamisten werden seine Entscheidung als Indiz dafür werten, dass der Westen mit seiner Demokratisierung Afghanistans gescheitert ist. Die Taliban wollen die Stichwahl stören und dürften durch die andauernde politische Unsicherheit weiter an Stärke gewinnen. Schon jetzt hat ihr Aufstand Ausmaße erreicht wie noch nie seit dem Sturz der Taliban-Regierung 2001.
- Datum 01.11.2009 - 14:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
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die ersten drei Antworten sind ja ein "Sohwohl als auch", insfoern keine klaren Antworten. Würde Abdullah in die Karsai Regierung eingebunden, dann wäre dies ja nachgerade eine Art Anerkennung dieser Regierung, es ist bzw. wäre dies insofern eine gewichtige Sache bzgl. der Bewertung Karsais.
Unabhängig davon fragt man sich, wieso bei uns, unseren hochbzahlten und neunmalklugen "Polit-Schwatzern", sag ich mal, bis heute nicht eindeutig klar ist, wielange und auch warum man nun selbst in diesem Lande, in diesem Einsatz, bleibt, bleiben will, bleiben muss. (Es ist ja offenbar viel zu viel verlangt, soetwas schon vorher eindeutig und verlässlich erklärt zu bekommen...)
Es ist dennoch schön, zu lesen, dass Deutschland "ein starkes Interesse" daran hat, dass sich in Afghanistan eine glaubwürdige Regierung etabliert. Meine Fresse!!! Dies ist doch angeblich der einzige Grund warum die Bundesrepublik solch "enge Beziehungen" mit diesem Land pflegt.
Bundeswehrzitat: [Die Bundeswehr] soll im Auftrag der Vereinten Nationen die afghanische Regierung bei der Wahrung der Menschenrechte sowie bei der Herstellung und Wahrung der inneren Sicherheit unterstützen.
http://www.bundeswehr.de/...
"Die USA und andere Länder, die Soldaten am Hindukusch stationiert haben – so wie Deutschland - haben ein starkes Interesse daran, dass in Kabul eine glaubwürdige Regierung das Sagen hat."
Das glaube ich nicht. Die Besatzungsmächte werden sich freuen, denn nun gibt es noch ein Grund mehr in Afghanistan zu bleiben.
Was hier passiert, kann wohl nicht im Sinne des afghanischen Volkes sein.
Meiner Meinung nach wäre es richtig gewesen, wenn nach der Wahl, als die endgültigen Zahlen vorlagen, Abdullah und Karsai sich arrangiert hätten. Damit wäre es halbwegs stabil in Afghanistan weitergegangen.
So wird man jetzt schon fast an alte Zustände erinnert: als die verschiedensten Widerstandführer (Masud im Norden, Hekmatyar, die Taliban) alle ihre eigene Vorstellung durchsetzen wollten und Afghanistan in ein Kampfgebiet verwandelten.
Hoffentlich kommen die Politiker zur Vernunft: denn ihre Aufgabe ist es, dem Volk zu dienen.
Eine Wahl mit einem Politiker ist überflüssig.
Faszinierend! Nicht etwa der wiederholte Wahlbetrug, die Korruption, seine eigene Tätigkeit für die CIA und für amerikanische Ölkonzerne, der Drogenhandel seine Bruders und dessen Habndlangerdienste für den amerikanischen Geheimdienst, die immense Korruption und jedes Fehlen eigener Autorität Karsais jenseits der internationalen Truppen untergraben Karsais Legitimität, sondern Abdullahs Rückzug tut das.
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