Afghanistan-Krieg

Washington dementiert Truppenverstärkung

Trotz anderslautender Berichte: Der Pressesprecher des Weißen Hauses beteuert, dass Präsident Obama noch nicht über die Entsendung Tausender Soldaten entschieden hätte.

US-Präsident Obama will am Mittwoch die Afghanistan-Strategie beraten

US-Präsident Obama will am Mittwoch die Afghanistan-Strategie beraten

Das Weiße Haus kämpft gegen die Journaille: Am Montagabend (Ostküsten-Zeit) hatten die Medien aufgeregt von einer heroischen Entscheidung des Präsidenten berichtet. Er wolle seinem Oberbefehlshaber in Afghanistan, General McChrystal, endlich seinen Wunsch erfüllen und 34.000 oder gar 40.000 Mann zusätzlich nach Afghanistan entsenden – und dies für eine unbestimmt "lange Zeit". Seit Dienstagnachmittag wird zurück geschossen. Robert Gibbs, der Pressesprecher in Weißen Haus, nahm sich einen Haufen Reporter vor, die in der Air Force One mit zu den Trauerfeierlichkeiten in Fort Hood geflogen waren.

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"Jeder, der euch erzählt, dass der Präsident eine Entscheidung getroffen hätte, weiß nicht, wovon er redet. Die muss noch getroffen werden." Dann machte sich Gibbs lustig: Er finde es "amüsant", eine "Gruppe von Leuten zu erleben, die zu wissen glaubt, was nur der Präsident weiß". Was denn nun Sache sei, wollten die Reporter wissen. Es gebe, wie alle wissen, vier Optionen, antwortete der Presschef, und "die wird der Präsident morgen (Mittwoch) mit seinen Beratern diskutieren". Er selber, Gibbs, werde den Jungs im Flugzeug nicht verraten, was die vier Optionen sind.

"Wir werden es euch wissen lassen", füge Gibbs hinzu, "wenn die Entscheidung gefallen ist." Auf jeden Fall werde der Präsident sich Zeit nehmen, um dem amerikanischen Volk seine Entscheidung zu erläutern. Wann das sein werde – morgen, übermorgen, in ein paar Wochen? Das werde er nicht sagen, beendete Gibbs das Gespräch.

Trotzdem: Wo in Washington Rauch ist, da ist auch Feuer, weil in dieser Hauptstadt nichts geheim bleibt. Dass am Montagabend so viele Journalisten die Sensation gemeldet haben, lässt auf eine Quelle oder gar mehrere schließen, die die Nachricht von der massiven Verstärkung der Truppe gestreut haben. Auf jeden Fall ist so der Zeitplan des Weißen Hauses durcheinander geraten, das am gestrigen Dienstag die Bilder mit einem ganz anderen Auftritt zu beherrschen gedachte: Von der Trauerfeier für die 13 Terror-Toten von Fort Hood.

Während in ganz Amerika die Flaggen auf Halbmast stehen, wäre es in der Tat höchst unpassend gewesen, den Krieg in Afghanistan in den Vordergrund zu rücken – mit mehr Soldaten und mehr potenziellen Toten. Lange aber lässt sich die Entscheidung jetzt nicht mehr herauszögern.

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Leser-Kommentare

  1. Das wäre doch mal ein interessantes Gebiet für investigativen Journalismus.

    Wessen Spin- Doctors waren hier aktiv? Wer hat was durchgestochen, um den Präsidenten möglicherweise zum jagen zu tragen?

    In der Sache wäre es höchst unwahrscheinlich, wenn der Präsident sich gegen McChrystals Plan stellt, da er auch unter seinen Sicherheitsberatern als alternativlos angesehen wird.

    Die Terminierung war in der Tat höchst ungewöhnlich. Wenn Amerika trauert, werden keine Grundsatzentscheidungen verkündet.

    Zudem ist es gute Sitte, dass das Weiße Haus bei solchen Entscheidungen zuerst mit dem Offizierskorps spricht, bevor es vor die Medien tritt. Das hat dann natürlich unverzüglich eine unübersehbare "Geschäftigkeit" an diversen Standorten zur Folge.
    Hatte vielleicht genau das stattgefunden und hat sich die Presse nicht an das ungeschriebene Gesetz gehalten, trotzdem auf die offizielle Erklärung zu warten?

    Auch ist die Verkündung solcher Nachrichten eigentlich einer Ansprache des Präsidenten oder einer Rede in Westpoint o.ä. vorbehalten.

    Es wäre interessant, mehr zu erfahren.

  2. Depression, Neid, Gier, Angst, MissTrauen,....... Die Natur Des Menschen. Selbst ich bin Befangen in dieser welt. Aber ich gebe mir Mühe mich von dieser Befangenheit zu lösen. ich hoffe ich werde mit verständnisvollen Menschen in Kontakt geraten.

  3. Die menschliche Gesellschaft kann nicht perfekt organisiert sein und insbesondere wird dies nicht für Afghanistan gelingen, dies sei einmal als These formuliert. Dort, wo Nachfrage, sogar Gier vorhanden ist, da wird ein Mechanismus zur Bedarfsdeckung entstehen und in diesem Fall versorgt Afghanistan nun einmal Konsumenten in aller Welt mit dem Stoff aus dem die Träume sind. Verhandlungen oder Absprachen sind hier nicht oder kaum möglich, dies gehört zu den Eigentümlichkeiten des Stoffes und seiner Konsumenten. Wer über Anpflanzung, Produktion und Vertrieb herrscht, verdient nicht nur viel Geld, sondern sitzt auch an dem Hebel der Macht weltweit. Kein Wunder, dass es in dem Land am Hindukusch somit zu Streitereien kommt. Wie gesagt, Verhandlungen gibt es dort nicht, denn jedes Entgegenkommen wird als ermunternder Sieg gesehen. Was zählt, sind letzten Endes Fakten. Man wird das Ding dort einfach unbegrenzt über die Runden bringen müssen, weder als überlegener Sieger noch als sich zurückziehender Verlierer. Dazu wird dauerhaft eine gewisse Anzahl ausländischer Truppen benötigt und es geht nur darum, wie man ein Sicherheitskonzept schaffen kann, welches aus einer Art von Territorialverteidigung aus Polizei und afghanischen Truppen vor Ort, flexiblen Eingreifkräften der ausländischen Truppen mit modernster Bewaffnung und einer umfassenden Sicherung der Grenzen bestehen könnte.

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  • Von Josef Joffe
  • Datum 11.11.2009 - 12:55 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Kommentare 3
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  • Schlagworte Afghanistan | Pakistan | USA | Barack Obama | Militär | Krieg
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