Afghanistan
Obama schickt mehr Truppen an den Hindukusch
Der US-Präsident will die Wünsche seines Afghanistan-Kommandanten McChrystal erfüllen und Zehntausende Soldaten nach Afghanistan entsenden. Der Schritt kam überraschend.
© Syed Jan Sabawoon/dpa

Bereit für den Abmarsch? Präsident Obama will die Truppen in Afghanistan um zehntausende Soldaten aufstocken
Es ist so weit – und eine Überraschung nach Monaten des Zögerns und der Unentschlossenheit im Afghanistan-Krieg. Barack Obama hat seinen Militärs und vor allem dem Oberbefehlshaber Stanley McChrystal Recht gegeben und will nun fast alle angeforderten Truppen entsenden, berichten amerikanische Medien. McChrystal wollte 40.000 Mann. Er kriegt vier Kampfbrigaden und Tausende von Unterstützungstruppen.
Noch überraschender: Präsident Obama fasst sehr lange Fristen ins Auge. Ein hoher Offizier: "McChrystal hat fast alles bekommen, was er angefordert hat." Zurzeit sind in Afghanistan rund 100.000 ausländische Soldaten stationiert, davon 68.000 Amerikaner.
Das Weiße Haus bestätigte die Aufstockung der Truppen noch nicht offiziell. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters sagte Obama über Afghanistan: "Meine Verpflichtung – meine eidliche Verpflichtung als Oberkommandierender – ist es, die Sachen richtig zu machen."
Obama berät seit Wochen mit Mitarbeitern über eine neue Afghanistan-Strategie. Er hat wiederholt betont, dass er erst dann über eine Truppenaufstockung entscheiden wolle, wenn der künftige generelle Kurs feststeht.
Die Entscheidung des Präsidenten, mehr Soldaten an den Hindukusch zu entsenden, fiel schneller als von Experten erwartet. Obamas Sicherheitsberater James Jones hatte sich vor wenigen Tagen noch skeptisch zu der Forderung des Militärs geäußert. "Generäle fordern immer zusätzliche Truppen", sagte Jones in einem Interview mit dem Spiegel. Jones sei jedoch davon überzeugt, dass sich die Probleme am Hindukusch nicht allein durch den Einsatz des Militärs lösen ließe.
Experten erwarten nun, dass der amerikanische Druck auf die Verbündeten steigen wird, die eigenen Kontingente aufzustocken. Auf die neue deutsche Regierung dürften Forderungen nach mehr Bundeswehr-Soldaten zukommen. Auch ein Einsatz deutscher Truppen im Süden Afghanistans könnte wieder diskutiert werden.
Dort haben Sicherheitskräfte am Dienstag bei einer Razzia 250 Tonnen Material sichergestellt, das vermutlich zum Bau von Bomben dienen sollte. Die Internationale Schutztruppe Isaf teilte mit, afghanische Polizisten und Isaf-Soldaten hätten bei einer Operation am Sonntag 5000 Säcke mit Ammoniumnitrat-Dünger entdeckt, den Aufständische als Stoff in Sprengsätzen verwendeten. Außerdem seien 5000 Komponenten zum Bau von Sprengfallen beschlagnahmt und 15 Menschen festgenommen worden. Ein Isaf-Sprecher nannte die Operation einen "gewaltigen Erfolg".
- Datum 10.11.2009 - 17:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Offenbar sind Sicherheitspolitik und Journalismus so grundverschiedene Welten, dass Reporter schon nicht mehr dazu in der Lage sind, Sicherheitspolitiker zu verstehen.
Wie schon hier
http://community.zeit.de/...
geschrieben, hat sich Jones nie gegen eine Truppenverstärkung ausgesprochen, sondern lediglich zusätzlich einen Strategiewechsel gefordert.
Die herbei phantasierte "Überraschung" ist keine.
Auch den medial konstruierten Gegensatz zwischen Jones auf der einen und Gates und McChrystal auf der anderen Seite hat es in meinen Augen nie gegeben.
Vielmehr hat auch Jones den politischen Entscheidern sehr klar gesagt, dass es sowohl einer anderen Kontingentaufstellung bedarf, als auch einer neuen Strategie.
Die neue Strategie bedingt Politiker, die neben der militärischen Strategie die afghanische Regierung und relevante Nachbarländer politisch an die kurze Leine nehmen. Jones hat den entsprechenden Politkern sehr deutlich die Leviten gelesen, nur ist es deren Spin- Doctors offenbar gelungen, von ihrem politischen Boss abzulenken.
rüstet Afghanistan wirtschaftlich auf und die Talibans lösen sich auf wie der Nebel unter Sonneneinwirkung.
Sie haben zwar Recht, aber um eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen, müssen die Taliban zunächst großteils geschlagen sein. Wohlstand in Afghanistan hängt zunächst einmal von den Afghanen selbst ab, denn auch mit Hilfe des Westens müssen diese die Arbeit tun und die Früchte derselben konsumieren. All dies wird aber niemals funktionieren, wenn sich die Bevölkerung nicht aus ihren Häusern traut. Eine zweigleisige Strategie wäre wohl am erfolgreichsten und eine Truppenverstärkung ist unumgänglich
weiss nicht ist dahier evl. schon wieder ueberholt
(CBS) Editor's note, 9:57 p.m. EDT: The White House has issued the following response to this story, attributed to White House National Security Advisor James Jones:
"Reports that President Obama has made a decision about Afghanistan are absolutely false. He has not received final options for his consideration, he has not reviewed those options with his national security team, and he has not made any decisions about resources. Any reports to the contrary are completely untrue and come from uninformed sources."
...dürften allein schon deswegen wahrscheinlicher werden, weil sich die Gefahrenlage im Norden (Kunduz!) zunehmend an das Niveau des Südens angleicht, da taugt das Risiko einer solchen Ausweitung des Einsatzes nicht mehr wirklich als Gegenargument!
Sie haben zwar Recht, aber um eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen, müssen die Taliban zunächst großteils geschlagen sein. Wohlstand in Afghanistan hängt zunächst einmal von den Afghanen selbst ab, denn auch mit Hilfe des Westens müssen diese die Arbeit tun und die Früchte derselben konsumieren. All dies wird aber niemals funktionieren, wenn sich die Bevölkerung nicht aus ihren Häusern traut. Eine zweigleisige Strategie wäre wohl am erfolgreichsten und eine Truppenverstärkung ist unumgänglich
Ich schätze Herrn Joffes Kommentare wirklich sehr, anders als wohl so einige hier im Forum.
Dass er jedoch in seinen Beiträgen immer und immer wieder mit seiner ach-so internationalen Weltläufigkeit hausieren gehen muss, kann einem ab und zu schon etwas auf den Keks gehen. "Hier in Stanford..." usw., wie oft habe ich das hier schon gelesen.
Wen soll das denn bitte beeindrucken? Bei allem Respekt, ein Akademiker von solchem Kaliber sollte eine derartig hintergründig-aufdringliche Selbstbeweihräucherung doch wirklich nicht nötig haben.
Der US-Administration ist klar geworden, dass ein unmittelbar bevorstehendes Scheitern in Afghanistan ihre Position in der NATO geschwächt hätte. Nun wird das Leiden für alle beteiligten verlängert. Von der zuvor geforderten neuen Strategie ist bisweilen nichts zu erfahren. Der Einsatz wird einfach erhöht und Europa muss mitziehen.
Wenn man ehrlich wäre, müßte man aus Afghanistan abziehen oder einen riesigen Vernichtungsfeldzug durchziehen. Für beides ist die Politik zu schwach.
100-tsd-Soldaten in einem Land, doppelt so groß wie Deutschland, gebirgig und 25 Mio Einwohner. Der Einsatz wird erhöht und damit die Niederlage.
... Soldaten stationiert, davon 68.000 Amerikaner."
Bedenkt man die Größe der Bevölkerungen und der Wirtschaftleistung, so sollte die Bundeswehrstärke also etwa 21.250 sein.
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