Europaparlament

"Wir werden Frau Ashton genau prüfen"

Kaum nominiert stehen der "EU-Außenministerin" Catherine Asthon schon Probleme ins Haus: Das EU-Parlament will der Ernennung der Britin nicht ohne Weiteres zustimmen.

"Wir werden Frau Ashton genau prüfen", sagt der Europaabgeordnete Werner Langen.

"Wir werden Frau Ashton genau prüfen", sagt der Europaabgeordnete Werner Langen.

Deutsche Europaparlamentarier bezweifeln, dass die designierte europäische Außenministerin Catherine Asthon problemlos die notwendige Mehrheit im Europaparlament erhält. Außerdem wird sie voraussichtlich nicht ihr Amt wie geplant am 1. Dezember 2009 antreten können – so wie es der Vertrag von Lissabon vorsieht, der an diesem Tag in Kraft tritt.

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Grund dafür ist der verspätete Sondergipfel der Staats- und Regierungschef, an dem die Britin für den EU-Spitzenposten nominiert wurde. "Es ist nicht unsere Schuld, dass die so lange getrödelt haben – jetzt hat das Parlament nicht genügend Zeit, um Frau Asthon rechtzeitig anzuhören und zu bestätigen", sagte der liberale EU-Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff zu ZEIT ONLINE. Erst nach einer erfolgreichen Anhörung vor den Volksvertretern kann sie ihr Amt antreten. Bis dahin hat die EU keine Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik, so der offizielle Titel.

Nach dem Lissaboner Vertrag ist der "Außenminister" der EU gleichzeitig auch Vizepräsident der Europäischen Kommission und muss damit – wie alle Mitglieder der Kommission – durch das Parlament bestätigt werden. Die Ironie: Die designierte EU-Diplomatin Ashton hatte selbst vor einem Jahr um diese Regelung im Lissaboner Vertrag im britischen Oberhaus gekämpft.

Eine vorläufige Anhörung ist aus Zeitgründen erst nach dem Inkrafttreten des Vertrages möglich. Der wahrscheinlichste Termin ist der 2. Dezember. Endgültig abgestimmt wird im Parlament über die Personalie sogar erst Ende Januar. "Damit wir sie richtig befragen können, brauchen Kandidaten normalerweise zwei bis drei Wochen Vorbereitungszeit, im eigenen Interesse", meinte die sozialdemokratische Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Dagmar Roth-Behrendt. Für Catherine Ashton selbst wird die Zeit knapp: Ihr bleiben voraussichtlich keine zwei Wochen, um sich auf die Fragen des Auswärtigen Ausschusses vorzubereiten.

"Das ist keine Formalie", so Lambsdorff , "wenn Frau Asthon sich als nicht geeignet erweist, muss der Europäische Rat einen neuen Vorschlag machen". Die Anhörung im Parlament werde sich voraussichtlich auf den Aufbau des Diplomatischen Dienstes konzentrieren – eine völlig neue Aufgabe für die EU. Dafür muss der neue Hohe Vertreter einen Apparat mit rund 7000 Beamten und 130 Vertretungen weltweit schaffen. "Wir werden Frau Ashton genau prüfen, sie kriegt keine Bevorzugung, nur weil sie Außenministerin werden soll" sagte Werner Langen, Fraktionschef der Unions-Gruppe im EU-Parlament, "wenn irgendjemand meint, er könne das Parlament übergehen, wird er sich wundern – dann werden wir sauer."

Schon bei den vergangenen Anhörungen im Jahr 2004 demonstrierte das Parlament seine Macht und lehnte 3 der 27 designierten Kommissare ab. Catherine Ashton war nach ihrer Ernennung am 19. November teilweise heftiger Kritik ausgesetzt. Bemängelt wurde immer wieder ihre fehlende außenpolitische Erfahrung. Die britische Labour-Politikerin sei bisher nicht durch "große europäische Entwürfe aufgefallen", kritisierte der CDU-Außenpolitiker und Europaabgeordnete Elmar Brok. Die Vorsitzende der deutschen Grünen im Straßburger Parlament, Rebecca Harms, sprach von einer "glanzlosen" Lösung.  Ashton selbst bat am Morgen nach ihrer überraschenden Ernennung, man möge sie doch "bitte nach meinen Taten" beurteilen.

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Leser-Kommentare

    • 23.11.2009 um 23:55 Uhr
    • steent

    Ehrlich gesagt verstehe ich die Nachricht nicht. Fordert man denn nicht schon seit Jahren, dass der Einfluß des europäischen Parlaments größer werden soll? Und kann man von einem demokratisch organisierten Parlament sprechen, wenn vorher schon bekannt ist wie das Ergebniss einer Abstimmung lautet? Ist es jetzt schon eine besondere Nachricht, wenn man vor der Abstimmung noch nicht weiß, ob Frau Ashton akzeptiert wird? Ist es eine europäische Krise, wenn jetzt auch noch das Parlament abstimmen muss? Hat man denn nicht vorher gewußt, dass man erst jemanden nominieren muss, bevor abgestimmt werden kann? Fragen über Fragen - wahrscheinlich bin zu naiv um das alles zu verstehen.

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    Der Europäische Rat (oder war das jetzt der Rat der Europäischen Union?) hat mal wieder verpasst, dass es auch in der EU Kontrollmechanismen gibt, die es zu beachten gibt. Das wird aber auch bei jeder Bestellung einer Kommission übersehen. Von daher ist es nur positiv, dass wenigstens das Parlament als einzig direkt demokratisch legitimiertes Organ der EU für seine Rechte eintritt und die somit dann hoffentlich auch in der gelebten Verfassung der EU festschreibt - dass das Parlament beim nächsten Mal nicht mehr übergangen wird.
    Andererseits kann aber auch der Rat verstanden werden. Auch wenn mit dem Vertrag von Lissabon nicht mehr notwendig, werden die wichtigen Entscheidungen in der Union immer noch im Konsens getroffen und einen Konsens zu finden wird nicht leichter mit einer erweiterten EU - besonders, wenn man das Verhandlungsgeschick der Briten mit einbezieht. Sollte Ashton jedoch abgelehnt werden, ist der Einfluss der Briten erstmal beschränkt, andererseits muss dann aber auch an anderer Stelle in Kommissar/ eine Kommissarin ausgetauscht werden, um den Posten zu besetzen.
    Hoffentlich lehnt das Parlament ab, das gibt dann nämlich noch ein schönes Stühlerücken :) und beim nächsten Mal würde dann das Parlament so schnell nicht vergessen.

  1. Der Europäische Rat (oder war das jetzt der Rat der Europäischen Union?) hat mal wieder verpasst, dass es auch in der EU Kontrollmechanismen gibt, die es zu beachten gibt. Das wird aber auch bei jeder Bestellung einer Kommission übersehen. Von daher ist es nur positiv, dass wenigstens das Parlament als einzig direkt demokratisch legitimiertes Organ der EU für seine Rechte eintritt und die somit dann hoffentlich auch in der gelebten Verfassung der EU festschreibt - dass das Parlament beim nächsten Mal nicht mehr übergangen wird.
    Andererseits kann aber auch der Rat verstanden werden. Auch wenn mit dem Vertrag von Lissabon nicht mehr notwendig, werden die wichtigen Entscheidungen in der Union immer noch im Konsens getroffen und einen Konsens zu finden wird nicht leichter mit einer erweiterten EU - besonders, wenn man das Verhandlungsgeschick der Briten mit einbezieht. Sollte Ashton jedoch abgelehnt werden, ist der Einfluss der Briten erstmal beschränkt, andererseits muss dann aber auch an anderer Stelle in Kommissar/ eine Kommissarin ausgetauscht werden, um den Posten zu besetzen.
    Hoffentlich lehnt das Parlament ab, das gibt dann nämlich noch ein schönes Stühlerücken :) und beim nächsten Mal würde dann das Parlament so schnell nicht vergessen.

    Antwort auf "Demokratie"
    • 24.11.2009 um 9:39 Uhr
    • helgam

    Statt über Personalien zu schwadronieren sollte in einer bürgerlichen Zeitung eher diskutiert werden was ein GEWÄHRLEISTUNGSSTAAT seinen Bürgern bringt
    http://www.radio-utopie.de/2009/11/24/der-“gewahrleistungsstaat”-von-lissabon-–-ein-verfassungsfeindlicher-staatsformwechsel/

  2. 4.

    Ich bin großer EU Skeptiker. Ich verstehe den Sinn eines Europäischen Super-Staates nicht, zumal EU oftmals gleichbedeutend mit Europa gebraucht wird, obwohl längst nich talle Staaten interesse dran haben teil dieses ominösen, durch und durch undemokratischen konstruktes sein wollen. Ich wäre weit weniger skeptisch, wenn die Eu nicht vorwiegend von konservativen und liberalen gebaut würde und wenn direkte demokratie wesentlich mehr einbezogen würde. bisher ist es eie EU der Eliten. Was ich auch sehr schlimm finde, ist dass die Medien sehr unkritisch über die EU berichten, wenn sie es denn überhaupt mal tun. Der Vertrag von Lissabon wurde kaum diskuttiert. Kaum jemand der Bürger weiß was er bedeutet und was die wahren önderungen sind. Kaum jemand weiß, dass es eigentlich eine Verfassung ist, die zum Vertrag umgetauft wurde um eine Volksabstimmung zu umgehen. Warum will man das? Warum wollen die Politiker eine volksabstimmung umgehen? Sie haben angst davor, dass die Bürger nein sagen. Aber wie kann es sein, dass Politiker etwas tun, von dem sie wissen, dass das Volk es nicht will? Ich traue dem ganzen nicht und hoffe, dass die EU ins bröckeln gerät. Wir hätten bei einer EU der wirtscahftlichen Verbindungen und frien grenzen bleiben sollen. Ein zweites Amerika braucht die Welt nicht.

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  • Von Jonathan Stock
  • Datum 23.11.2009 - 18:52 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Kommentare 4
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  • Schlagworte EU | Europapolitik | Parlament
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