Durchbruch auf EU-Gipfel

Ashton und Van Rompuy rücken an EU-Spitze

Die neuen EU-Spitzenposten gehen an eine Britin und einen Belgier: Catherine Ashton wird "Außenministerin". Der erste ständige Ratspräsident wird Herman Van Rompuy.

Nach wochenlangem Tauziehen haben sich die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf die Besetzung der beiden neuen EU-Spitzenposten geeinigt. So wird der belgische Regierungschef Herman Van Rompuy erster ständiger Präsident des Europäischen Rates. Der neue Posten des EU-"Außenministers" geht an die bisherige britische EU-Handelskommissarin Catherine Ashton. Sie trägt offiziell den Titel "Hoher Vertreter der Union für Außen- und Sicherheitspolitik".

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Damit erzielten die 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union auf ihrem Sondergipfel in Brüssel überraschend schnell eine Einigung. Zuvor hatten Beobachter zähe und lange Verhandlungen erwartet, nachdem es dem derzeitigen EU-Verhandlungsführer und schwedischen Premierminister Fredrik Reinfeldt nicht gelungen war, vor Beginn des Gipfeltreffens die langen Kandidatenlisten auf jeweils einen Namen einzugrenzen.

Erschwert wurde die Suche auch durch die Beharrlichkeit von Großbritanniens Premierminister Gordon Brown. Er wollte seinen Vorgänger Tony Blair unbedingt zum ersten EU-Ratspräsidenten machen – und rückte erst in letzter Minute davon ab. Die größte Kritik an einer Nominierung Blairs kam aus den Reihen der Sozialdemokraten.

Damit wurde auch die Nominierung eines EU-"Außenministers" erschwert. Unter den Parteienfamilien galt es als ausgemachte Sache, dass die Christdemokraten den Ratspräsidenten und die Sozialisten den Hohen Vertreter für Außen- und Sicherheitspolitik stellen sollten.

Am Ende ging es dann aber doch recht schnell. Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft hatte die beiden Bewerber in Absprache mit Frankreich und Deutschland vorgeschlagen. Beide Kandidaten – indes international wenig bekannt – konnten sich demnach einer Mehrheit sicher sein.

Der flämische Christdemokrat Van Rompuy ist erst seit knapp einem Jahr Ministerpräsident in Belgien. In der Europapolitik trat er bisher nicht in Erscheinung. Überhaupt ist er alles andere als ein charismatischer Politiker-Typ. Allerdings gilt er als geschickter Strippenzieher hinter den Kulissen und als erfolgreicher Vermittler in schwierigen Konflikten.

Die Britin Ashton ist seit Sommer 2008 als Handelskommissarin in der EU-Politik tätig. Sie hat bisher kaum Erfahrung in der Außenpolitik, was für den Fraktionschef der Sozialisten im EU-Parlament, Martin Schulz, aber kein Hindernis darstellt. "Sie hat hohes diplomatisches Geschick bewiesen, als sie als Fraktionsvorsitzende im britischen Oberhaus dafür gesorgt hat, dass der Vertrag von Lissabon angenommen wurde", sagte er am Donnerstag in Brüssel.

Ashtons Nominierung ging wohl auch auf die massive Kritik von europäischen Politikerinnen zurück. Sie hatten im Vorfeld des Gipfels moniert, dass für keines der EU-Spitzenämter eine Frau ernsthaft im Gespräch war.

Beide neuen Ämter wurden mit dem EU-Vertrag von Lissabon geschaffen, der am 1. Dezember in Kraft treten soll. Das Duo soll die Zusammenarbeit der 27 EU-Staaten verbessern und das Profil der Europäischen Union als Weltmacht schärfen.

Der EU-Ratspräsident wird für zweieinhalb Jahre ernannt. Er präsidiert künftig die vierteljährlichen Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs und soll die EU bei den anderen Weltmächten repräsentieren. Die EU-Außenbeauftragte ist zugleich Vizepräsidentin der EU-Kommission, da für das Amt die beiden Außenressorts des Rates und der Kommission zusammengelegt werden.

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Leser-Kommentare

    • 19.11.2009 um 20:17 Uhr
    • ADoria

    Unsinn, dies ist Dr. Klöbner alias Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow alias Loriot.

    Und klar - aus der Sicht des Buchhändlers wirken alle qualifiziert.

  1. Mit Verlaub, unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild,vom optischen Eindruck, was um alles in der Welt hat die Wählenden geritten eine Britin als "Außenminister/in" EU zu installieren?
    Die USA wird es freuen, ein "trojanisches Pferd"(?) darf seine Arbeit aufnehmen.
    Großbritannien das Vorzeigemitglied der EU!

    Da fühlt sich wirklich jeder Deutsche, jeder Europäer würdig vertreten. Hut ab!

    Der Zuspruch für Europa wird weiter zunehmen.

  2. die beiden neuen EU-Leiter haben beide zu wenig Erfahrung um ernst genommen zu werden. Van Rompuy ist in Belgien nur darum Regierungsleiter geworden, weil sein Vorgänger gescheitert war und (soviel ich weiss) ohne wahlen. Die Baronin Ashton hat ihre politische Erfahrung in ganz andere Bereiche als die Aussenpolitik (war u.a. im House of Lords, also nicht einmal demokratisch gewählt). Europa hatte besser verdient.

    • 19.11.2009 um 21:44 Uhr
    • human.

    Natürlich hält man das im Kopf aus. Denn die EU-Personalstrategie hätte kaum anders sein können: Integration, schaffen von Vertrauen, durch Vergabe von Schlüsselpositionen an kleine, oder EU-kritische Mitgliedsstaaten. Die Niederlande stehen für den Respekt und die Anerkennung der großen gegenüber den kleinen, die Briten werden in zukunft als EU-skeptiker dazu gezwungen, Europa aktiv mitzugestalten.

    Meiner Meinung nach durchaus kluge Personalpolitik.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Meinte natürlich den Belgier....

    • 19.11.2009 um 21:58 Uhr
    • human.

    Meinte natürlich den Belgier....

    Antwort auf "War vollkommen klar!"
  3. "die Briten werden in zukunft als EU-skeptiker dazu gezwungen, Europa aktiv mitzugestalten." Dass ich nicht lache! Haben Sie schon mal was von Strippenziehen hinter den Kulissen gehört? Wenn man wenigstens den Herrn Juncker gewählt hätte: kein Problem, der holt zwar für seine Luxemburger raus, was geht, ist aber seit Jahrzehnten für die EU-Sache engagiert. Warum aber sollte unbedingt der Brite Tony Blair an die Spitze der EU? Warum überhaupt ein Brite, die außer der Bankenkrise in der EU noch NICHT DIE BOHNE bewegt haben? Die Briten holen raus. Die Briten sind die Steigbügelhalter der USA und stehen bei sämtlichen internationalen Schweinerein zur Verfügung. Die Briten bringen dank Cambridge und Oxford Heerscharen von Heuschrecken-Top-Verdiener und (deutschen) Regierungs-Berater hervor, die unsere Regierungsoberen mit Frau Murksel an der Spitze sehr disket "auf der transatlantischen Linie" halten. Die Briten und die EU - rausschmeißen sollte man die. Und was macht der deutsche Michel? Zahlt brav und tapfer Jahr für Jahr Milliarden Euro netto in diese EU, ohne dementsprechend mit Gestaltungsmacht ausgestattet zu werden. Das ist einfach skandalös.

    • 20.11.2009 um 1:37 Uhr
    • ADoria

    Ernie & Bert, Wayne & Wanda, Fix & Foxi, Oberon & Titania, A-Hörnchen & B-Hörnchen ...

  4. 8.

    berlusconi wird deshalb zugestimmt haben weil er so in zukunft sagen kann

    "schaut her was ich für attraktive frauen im gegensatz zu anderen in die politik geholt habe, wenn er wieder so ein tv-sternchen in eine bestimmte position bringen will"

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  • Datum 20.11.2009 - 08:07 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Kommentare 8
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  • Schlagworte EU | Außenpolitik
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