Klimapolitik China bereitet Einstieg in Emissionshandel vor

Ein erstes konkretes Klimaschutzziel ist gesetzt, nun kündigt das Land den Aufbau eines nationalen Emissionshandels an. Dabei soll es nicht bleiben.

China bereitet nach den Worten seines Umweltberaters Klaus Töpfer den Einstieg in den internationalen Handel mit Emissionsrechten für Kohlendioxid vor. Zunächst werde ein Emissionshandel im Inland aufgebaut, sagte der frühere Bundesumweltminister der Tageszeitung Die Welt. "In diesem System will man die Lerneffekte erarbeiten, um sich dann in einem zweiten Schritt in ein internationales System einzubringen", fügte der CDU-Politiker hinzu.

China hatte im September mitgeteilt, ein Pilot-Emissionshandelssystem in seinen Fünf-Jahres-Plan zur wirtschaftlichen Entwicklung bis 2015 aufzunehmen.
 

Anzeige

Zugleich begrüßte Töpfer das Angebot der Regierung in Peking, die Kohlenstoff-Intensität ihres Schadstoffausstoßes bis 2020 um bis zu 45 Prozent zu verringern. Die Ankündigung sei nun mit konkreten Zahlen versehen worden, was ein ganz wichtiger Schritt sei. Der Klimawandel stelle vor allem für die Wasserversorgung der Volksrepublik eine große Gefahr dar.

Vor dem Weltklimagipfel in Kopenhagen hatte China eigene konkrete Ziele angekündigt, um den Anstieg seiner Kohlendioxid-Emissionen abzubremsen. Danach soll der Ausstoß der Treibhausgase künftig nicht mehr ähnlich stark zulegen wie das Wirtschaftswachstum. Für jeden erwirtschafteten Yuan sollen die Emissionen bis 2020 um 40 bis 45 Prozent gegenüber dem Stand von 2005 gesenkt werden. Allerdings sei das eine "freiwillige Maßnahme" auf der Grundlage der nationalen Bedingungen Chinas und ein Beitrag zu den weltweiten Bemühungen im Klimaschutz, hieß es.

Klaus Töpfer berät die chinesische Führung in Fragen der Nachhaltigkeit und hat einen Lehrstuhl an der Universität von Schanghai.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist beeindruckend, wie die Chinesen Neusprech beherrschen und sich das Gütesiegel "Klimaschützer" verschaffen. Die PR-Berater der Chinesen sind brillant.

    Aber schauen wir mal genau hin.

    China verspricht, auf freiwilliger Basis, ohne rechtliche Verpflichtung, basierend auf dem chinesischen Binnenmarkt, seine CO2- Emissionen pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts (!!!) um 45 % reduzieren. Basisjahr ist 2005.

    Dann schmeißen wir mal den Taschenrechner an:

    Basiszeitraum: 2005-2020 = 15 Jahre
    Durchschnittliches Wirtschaftswachstum in China pro Jahr: 9 %
    BIP 2020 im Vergleich zu 2005: 364%
    CO2 Reduzierung auf BIP Basis 45 % = CO2 Ausstoß 2020 im Vergleich mit 2005: ca. 200% !!!

    Man kündigt also an, seinen CO2- Ausstoß faktisch zu verdoppeln und wird dafür als Klimaschützer gefeiert. Bedenkt man, dass heutige chinesische Industrieanlagen hoch Brennstoff- ineffizient sind und allein aufgrund der Brennstoffkosten erneuert werden müssen und der ganze kaum CO2- emittierende Dienstleistungssektor erst gerade entsteht, dann verspricht China da etwas, was sie ohnehin aus rein ökonomischen Gründen tun werden. Das Versprechen kostet also nichts.

    Tolle PR-Arbeit.

    Und die deutschen Medien, allen voran das öffentlich rechtliche TV, fallen darauf rein und verkaufen die Verdoppelung der CO2- Emissionen als Klima-Jubelmeldung. Oder glauben sie selbst nicht mehr an die Gefährlichkeit des CO2? Sonst ist man doch immer erschrocken, wenn jemand mehr CO2 ausstoßen will.

  2. 2.

    Zum Vergleich: Südkorea hatte 30 Jahren vor dasselbe Bruttosozialprodukt pro Kopf und ähnliche Wachstumsraten wie China in den letzen 10 Jahren, kam jedoch mit den halben CO2-Emissionen aus (z.B. 2,2 t/Ew. im Jahr 1975)
    Spanien hatte 1965 dieselben 2,2 t CO2 Emissionen je Einwohner wie Korea 1975, aber schon ein nochmal 80% höheres Sozialprodukt als Korea 1975.

    Wenn China ab jetzt die Emissionen langsamer steigen lassen will als das BSP, erreichen sie vielleicht gerade einmal den Südkorea's Stand von vor 20 Jahren, und sind viel schlechter als Spanien zu einer Zeit, in der von Klimaschutz noch keine Rede war.

  3. Die im Vergleich zum Sozialprodukt schlechte Klimabilanz von China und USA kann man auch in dieser Grafik nachsehen (gesamten Link übertragen, ohne Zeilenvorschub !).
    Man sollte bei den Verhandlungen nun nicht den Bock zum Gärtner machen.

    http://graphs.gapminder.org/world/#$majorMode=chart$is;shi=t;ly=2003;lb=f;il=t;fs=11;al=30;stl=t;st=t;nsl=t;se=t$wst;tts=C$ts;sp=8.70129032258064;ti=2005$zpv;v=1$inc_x;mmid=XCOORDS;iid=phAwcNAVuyj1jiMAkmq1iMg;by=ind$inc_y;mmid=YCOORDS;iid=phAwcNAVuyj1gkNuUEXOGag;by=ind$inc_s;uniValue=8.21;iid=pyj6tScZqmEeTCOezV8a3HA;by=ind$inc_c;uniValue=255;gid=CATID0;by=grp$map_x;scale=log;dataMin=286;dataMax=48476$map_y;scale=log;dataMin=0.1815;dataMax=34$map_s;sma=37;smi=2.65$cd;bd=0$inds=i117_t001965,,,,;i170_t001972,,,,;i29_t001965,,,,;i211_t001965,,,,;i18_t001972,,,,;i239_t001965,,,,;i101_t001965,,,,;i82_t001965,,,,;i76_t001965,,,,;i44_t001965,,,,

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Tröte
    • 29.11.2009 um 14:10 Uhr

    die CO² Zahlen für China sind ziemlich erbärmlich und stehen in keinem Verhältnis zum BIP. Auf der anderen Seite scheint man schnell zu vergessen, dass die USA und Europa immer noch für den Löwenanteil der Emmissionen verantwortlich sind. Und speziell der neue Friedensnobelpräsident Obama hält sich mit konkreten Zahlen wie immer zurück.

    Es scheint mir ein hohes Ross zu sein, von dem aus man Chinas Bemühungen als zu gering verurteilen könnte. Es bei diesen Bemühungen zu unterstützen würde ich dagegen als 'am gleichen Strang ziehen' bezeichnen.

    • Tröte
    • 29.11.2009 um 14:10 Uhr

    die CO² Zahlen für China sind ziemlich erbärmlich und stehen in keinem Verhältnis zum BIP. Auf der anderen Seite scheint man schnell zu vergessen, dass die USA und Europa immer noch für den Löwenanteil der Emmissionen verantwortlich sind. Und speziell der neue Friedensnobelpräsident Obama hält sich mit konkreten Zahlen wie immer zurück.

    Es scheint mir ein hohes Ross zu sein, von dem aus man Chinas Bemühungen als zu gering verurteilen könnte. Es bei diesen Bemühungen zu unterstützen würde ich dagegen als 'am gleichen Strang ziehen' bezeichnen.

    • Tröte
    • 29.11.2009 um 14:10 Uhr

    die CO² Zahlen für China sind ziemlich erbärmlich und stehen in keinem Verhältnis zum BIP. Auf der anderen Seite scheint man schnell zu vergessen, dass die USA und Europa immer noch für den Löwenanteil der Emmissionen verantwortlich sind. Und speziell der neue Friedensnobelpräsident Obama hält sich mit konkreten Zahlen wie immer zurück.

    Es scheint mir ein hohes Ross zu sein, von dem aus man Chinas Bemühungen als zu gering verurteilen könnte. Es bei diesen Bemühungen zu unterstützen würde ich dagegen als 'am gleichen Strang ziehen' bezeichnen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service