EU-Sondergipfel Europas König Ohneland
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Machtzuwachs für den EU-Außenminister

 

"Der neue Präsident hat keine Befugnisse für Rechtssetzung im Ministerrat", stellt der deutsche EU-Abgeordnete Elmar Brok (CDU) klar. "Das Amt soll nicht für Operationelles gebraucht werden."
Der mit so viel Hoffnung erwartete EU-Präsident ist, mit anderen Worten, ein König Ohneland, der möglichst unsichtbar bleiben und zum laufenden EU-Geschäft brav den Mund halten soll. Der neue Hausherr (oder die neue Hausfrau) des Ratsgebäudes, sagt der liberale Brüsseler Abgeordnete Alexander Graf Lambsdorff voraus, dürfte sich deshalb alsbald "unterbeschäftigt" vorkommen. "Pfusch am Bau", lautet Lambsdorffs Fazit zu den Kompetenzregeln des Lissabonvertrags. "Was Europa bekommt, dürfte ein besserer Frühstückdirektor sein." Oder einen Sündenbock.

Ein hoffnungsvollerer Vergleich freilich wäre der mit einem "europäischen Bundespräsidenten". Immerhin ist nicht ausgeschlossen, dass der Neue sich Nischen sucht, in denen er ungestört und unstörend wirken kann. Er könnte sich etwa des Problems der wachsenden Bürgerferne der EU annehmen. Die Wahrnehmung Brüssels als politisches Raumschiff wird sich mit dem Macht- und Geschwindigkeitszuwachs, den der Lissabon-Vertrag bringt, aller Voraussicht nach verschärfen. Für mehr Bodenhaftung zu sorgen, wäre womöglich keine schlecht Idee für die Kommando-Brücke.

Zwar soll der Ratspräsident laut Vertrag auch die "Außenvertretung der Union" wahrnehmen. Doch wenn er den Außenauftritt Europas nicht unnötig chaotisieren möchte, wäre er gut beraten, sich nicht als Gegenpart des amerikanischen, russischen oder chinesischen Präsidenten, von Obama, Medwedjew oder Hu Jintao zu sehen. Ein Mann vom Profil eines Van Rompuy tut das nicht. Damit wäre die Gefahr gebannt, dass der neue "EU-Generalsekretär" dem künftigen "EU-Außenminister" ins Gehege kommt.

Dieser (oder diese) dürfte, verglichen mit dem Präsidenten, zur weitaus mächtigeren Figur der EU heranwachsen. Denn erstens wird der "Hohe Vertreter" zugleich Vizepräsident der EU-Kommission. Zweitens wird er als solcher vom Europäischen Parlament bestätigt, was ihm mehr demokratische Legitimität verleiht als dem Ratspräsidenten. Drittens wird er über einen eigenen, vermutlich 7000 Diplomaten starken Auswärtigen Dienst verfügen.

Solche institutionellen Fakten können, das lehrt die Baustelle Brüssel, echte Einflussgewinne gegenüber den Nationalstaaten nach sich ziehen. Der Noch-Amtsinhaber Javier Solana wirkte politisch oftmals wie ein gerupftes Huhn – kaum eine Feder, mit der die nationale Außenämter sich schmücken konnten, ließen sie dem EU-Chefdiplomaten. Der neue Amtsinhaber dagegen kann mithilfe seines Apparats eigene Pflöcke einschlagen. Und zwar auch innerhalb der Kommission, deren Ressorts (ob in der Entwicklungs-, Nachbarschafts-, oder Erweiterungspolitik) bisher eine Menge zerstückelte Mini-Außenpolitik betrieben.

Diesen Topjob für Deutschland zu sichern, hatte Kanzlerin Merkel allerdings nie im Sinn. Um den in Europa durchaus geachteten Frank-Walter Steinmeier ins Gespräch zu bringen, hätte sie über den schwarz-gelben Schatten springen müssen. Andere Länder schafften das, etwa Italien mit der Aufstellung des Sozialisten Massimo D’Alema.

Doch wer die Besten für die neuen Posten gewesen wären, darüber sollten Europas Öffentlichkeiten nicht mitdiskutieren. Die EU mag der größte Demokratienverbund der Welt sein, doch ihre Spitzenämter vergab sie – diesen Vergleich gestattete sich die frühere lettische Präsidentin und Eigenkanditatin für die EU-Außenministerin Vaira Vike-Freiberga – "wie in der Sowjetunion, im Dunkeln und hinter verschlossenen Türen". Über baldige Alternativen für dieses Gekungel nachzudenken, auch das könnte eine ehrenwerte Aufgabe für Europas neue hohe Repräsentanten sein.

 
Leser-Kommentare
  1. ...soll der Präsident des Europäischen Rates etwas zu sagen haben ?

    Habe ich diesen Herren/diese Dame in irgend einer signifikaten Form gewählt ?

    Die Merkel war zumindesten ein vorher bekannter Bestandteil des CDU-Programmes, wenn ich sie auch nicht direkt Wählen/nicht Wählen konnte.

    Dieser EU-Präsident, ebenso wie der "Aussenminister" ist das "Remote Device" der ihn unterstützenden Einzelexekutiven, mehr nicht.

  2. Es wäre wirklich beschämend, wenn es bei dem EU - Gipfel wieder zu einem Gefeilsche kommt und einige Staaten wieder versuchen für sich den größtmöglichen finanziellen Vorteil herauszuschlagen. Gerade Staaten, die seit Jahrzehnten als Nettoempfänger von EU Milliarden sind (wie z.B. Spanien), sollten auch mal im Interesse eines europäischen Kompromisses weniger egoistisch auftreten. Wenn einige Staaten nur ihre eigenen Interessen auf Kosten der anderen durchboxen wollen, wird es bei den Bürgern zu immer mehr Europaskepsis kommen !!

    Leider gerät es zu oft in Vergessenheit, dass die EU ursprünglich geschaffen wurde um den Frieden zu sichern und Feindschaften abzubauen. Man sollte nicht zulassen, dass einige Staaten dies vergessen und die EU nur noch als Geldquelle betrachten. Anstatt nur zu fragen, was man alles bei der EU rausschlagen kann, sollten sich ALLE Mitgliedstaaten fragen, was sie Positives zur EU beitragen können.

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