Irans politischer Festkalender hat es in sich. Vor sechs Wochen gelang es den grünen Aktivisten, den von Ajatollah Chomeini eingeführten Jerusalemtag zu einer Demonstration in eigener Sache umzufunktionieren. Diesmal mobilisierte das Regime Hunderttausende uniformierter Milizen und Revolutionsgarden, um sich am 30. Jahrestag der Besetzung der Teheraner US-Botschaft nicht wieder das Heft aus der Hand nehmen zu lassen. Trotzdem lieferten sich Zehntausende junger Leute in der gesamten Innenstadt ein stundenlanges Katz- und Mausspiel mit Polizei und Geheimdienstlern.

Polizei und Demonstranten lieferten sich Straßenschlachten, die Sicherheitskräfte setzten Schlagstöcke und Tränengas ein. Auf Motorrädern machten sie Jagd auf Regierungsgegner. Auf dem Haft-e-Tir-Platz im Zentrum in der iranischen Hauptstadt seien auch Schüsse gefallen, berichtete die oppositionsnahe Internetseite Mowjcamp. Schon bei Tagesanbruch hielten zahllose Einheiten Revolutionärer Garden und Basij-Milizen Straßen und Plätze besetzt.

Im Land brodelt es weiter - trotz Massenverhaftungen und Schauprozessen, Hasspredigten und härtesten Strafandrohungen. Die meisten Reformzeitungen sind verboten, ausländische Journalisten werden nicht mehr ins Land gelassen. Doch der zivile Widerstand findet immer neue Formen und die interne Kommunikation per Internet und SMS funktioniert.

So klagte der Gouverneur der iranischen Zentralbank kürzlich, Banknoten der Islamischen Republik würden immer häufiger mit "anti-revolutionären Parolen" beschriftet. Dies sei ein Verbrechen, giftete er in hilfloser Wut. Jeder Geldschein ist eine Botschaft, spottete die Opposition zurück. Abends auf den Hausdächern hallen die Rufe "Allah ist groß".

Menschen auf den Straßen tragen grüne Armbänder und Schals, die Frauen grüne Fingernägel – und sprechen betont von "Iranischer Republik" statt "Islamischer Republik". Jede Woche kommt es an irgendeiner Uni im Land zu Aufruhr mit "Tod dem Diktator" und "Ahmadi geh heim"-Rufen. Auf dem Campus der Teheraner Universität musste Mahmud Ahmadineschad sogar vor wütenden Studenten Reißaus nehmen.

Die Führer der Opposition festzunehmen wagt das Regime auch fünf Monate nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen nicht. Die peinlichen Schauprozesse gegen rund 140 Vordenker der Reformer will der neue Justizchef offenbar hinter den Kulissen zu Ende bringen - mit einer willkürlichen Mischung aus Härte und Gnade.