Atomstreit Türkei bemüht sich um Atomkompromiss mit Iran
Misstrauen im Atomstreit: Russland soll Uran für Iran anreichern. Doch Teheran fürchtet den Betrug. Nun soll die Türkei als Treuhänder zwischen beiden Ländern fungieren.
Die türkische Regierung bemüht sich in Verhandlungen mit Teheran weiter um einen Kompromiss zur Lagerung iranischen Urans im Ausland. Die Türkei sei bereit und technisch in der Lage, niedrig angereichertes Uran aus Iran treuhänderisch zu verwahren, zitierte die türkische Tageszeitung Hürriyet am Montag Außenminister Ahmet Davutoglu. Nach einem Vorschlag des Chefs der Atomenergiebehörde IAEA, Mohammed ElBaradei, soll Teheran im Gegenzug fertigen nuklearen Brennstoff für zivile Anwendungen erhalten.
Nach eigenen Angaben führt Davutoglu seit mehreren Tagen Telefongespräche mit dem IAEA-Chef ElBaradei, mit dem iranischen Außenminister Manutschehr Mottaki und einem Sicherheitsberater des US-Präsidenten. "Unsere Tür ist offen", sagte Davutoglu. Allerdings gebe es in Iran noch erhebliche Widerstände gegen eine Auslagerung des bisher angereicherten Urans, obwohl Teheran der Türkei grundsätzlich vertraue. Nach türkischen Medienberichten soll es insgesamt um etwa 1200 Kilogramm niedrig angereichertes Uran gehen.
Iran hatte sich mit den fünf ständigen UN-Sicherheitsratsmitgliedern plus Deutschland zunächst darauf geeinigt, den Großteil seines niedrig angereicherten Urans zur weiteren Anreicherung und Verarbeitung nach Russland und Frankreich zu bringen. Doch Teheran hält die Zustimmung zu einem Einigungsentwurf der IAEA zurück und hat Sorge, im Gegenzug für sein exportiertes Uran kein höher angereichertes zurückzubekommen.
Der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad hat das türkische Kompromissangebot grundsätzlich begrüßt. Als befreundetes Land könne die Türkei eine "positive und konstruktive Rolle spielen", zitierten
gut informierte Kreise in Teheran Ahmadineschad am Montag. Der iranische Präsident bekräftigte demnach, dass sein Land im Streit um sein Atomprogramm keine Zugeständnisse machen und nur mit der
Internationalen Atomenergiebehörde IAEA verhandeln werde.
Iran braucht das höher angereicherte Uran für einen Forschungsreaktor in Teheran. Eine Einigung in dieser Frage könnte die seit Jahren verfahrenen Verhandlungen zwischen der Internationalen Gemeinschaft und Iran über sein Atomprogramm wieder in Gang bringen.
Die Einbeziehung der Türkei ist laut IAEA-nahen Kreisen eine Idee von ElBaradei. Der Vorschlag sieht angeblich so aus: Statt das Uran nach Russland zu exportieren, schickt Iran es in die Türkei. Russland produziert aus eigenen Beständen den Brennstoff für Iran und bekommt das niedrig angereicherte Uran aus der Türkei erst, wenn die Lieferung in Teheran angekommen ist.
- Datum 16.11.2009 - 11:46 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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